Chris Robinson Brotherhood
Big Moon Ritual, Silver Arrow Records, 2012
Chris RobinsonVocals, Guitar
Neal CasalGuitar, Vocals
Adam MacDougallKeyboards, Vocals
Mark DuttonBass, Vocals
George SluppikDrums
Produziert von: Thom Monahan Länge: 60 Min 33 Sek Medium: CD
01. Tulsa Yesterday05. Reflections On A Broken Mirror
02. Rosalee06. Beware, Oh Take Care
03. Star Or Stone07. Hundred Days Of Rain
04. Tomorrow Blues

Dass Chris Robinson nicht lange untätig herum sitzen würde, war zu erwarten. Der Sänger und Songschreiber der allseits beliebten BLACK CROWES bringt dieser Tage, wenige Wochen nach dem Album seines jüngeren Bruders Rich ("Through A Crooked Sun"), eine satte Sieben-Song-Sammlung heraus, die den Geist so mancher ausufernder Jam Session aus alten CROWES Konzerttagen einfängt und weiter vorantreibt. Chris Robinson wuchs schließlich in den Siebziger Jahren auf, so dass seine Affinität zu Jam-Sessions und psychedelischen Anleihen kaum verwundert.

Sieben Tracks in sechzig Minuten lassen darauf schließen, dass es sich um verdammt lange Songs handeln muss. Und, in der Tat, die CHRIS ROBINSON BROTHERHOOD nimmt vorlieb mit sieben- bis elfminütigen Liedern, die ruhig und gelassen dahin fließen, dem Jam-Charakter solcher Bands wie GRATEFUL DEAD huldigen und generell in der Psychedelia-Ära der Spätsechziger San Francisco Bay Area verwurzelt scheinen. QUICKSILVER MESSENGER SERVICE haben die Jungs wohl auch schon mal gehört.
Und, vor allen Dingen, muss BROTHERHOOD Keyboarder Adam MacDougall (ehemals BLACK CROWES) wohl während einer Seance der Geist des verstorbenen PINK FLOYD Tastendrückers Richard Wright erschienen sein. So wie MacDougall sein E-Piano und seinen alten analogen Synthie einsetzt, fühlt man sich in alte FLOYD Tage zurückversetzt. Man höre nur mal die Synthie- und Piano-Linien von Reflections on a broken mirror.

So bekommen die Herren MacDougall, Robinson, der seine Gitarre erstaunlich gut bedient, und Zweitgitarrist Neal Casal (ex- Ryan Adams Band) eine interessante Mischung aus perligem Jerry Garcia Gitarren-Schnürlregen und marihuanaverhangenem Tastengezumpel hin, die jeden Jam-Head entzücken sollte.
Da wird nicht mit großartigen reißerischen Hooklines operiert, nein, die Lieder scheinen zunächst sogar recht unauffällig, weil sie mitunter etwas tranig und langatmig wirken. Dieses Album, eine Platte nach alter Väter Sitte quasi, entfaltet seine Schönheit und Tiefe erst beim dritten, vierten Hören. Wenn man also eine Vorliebe für den Jam-Rock der Spätsechziger und Frühsiebziger Jahre hegt und in der Lage ist, sich ganz tief fallen zu lassen, dann steht einem eine freudvolle und letztlich doch sehr ereignisreiche und beeindruckende Stunde bevor. Eine Mischung aus erhabener Eleganz und bekiffter Zügellosigkeit. Sehr, sehr schön.

Frank Ipach, 08.06.2012

 

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