Chris Thompson

One Hot Night In The Cold


DVD-Review

Reviewdatum: 05.04.2006
Jahr: 2006

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


One Hot Night In The Cold, e-m-s Music, 2006
Chris Thompson Vocals, Guitar
Mads Eriksen Guitar
Frank Hovland Bass
Steinar Krogstad Drums
Terje Tranaas Keyboards, Vocals
Länge: ca. 87 Min Medium: DVD
1. Wasting Time9. Burning Light
2. One Man Mission10. Blinded By The Light
3. Hot Summer Nights11. Davy's On The Road Again
4. Get Up & Dance12. For You
5. Redemption Song13. Back In Your Arms Again
6. Angel14. You're The Voice
7. Heart Of The Fire15. Questions
8. Mighty Quinn

In ihrer Reihe Private Music Club haben e-m-s bisher in erster Linie akustische Konzerte auf den Markt gebracht. BONFIRE waren da schon dabei und Chris Norman und ob der guten Qualität von Material und DVD kam das auch gut an.
Chris Thompson ist der aktuelle Release und akustisch geht da natürlich wenig bis nix, denn die Stimme der MANFRED MANN'S EARTH BAND braucht schon etwas Power unterm Hintern, eine fette Orgel braucht's und selber schrubbt der Chris auch lieber auf einer Elektrischen rum.
Aufgenommen wurde das Konzert 2003 in einem kleinen norwegischen Club in Tromso und Chris zu Seite stand die MADS ERIKSEN BAND, die ausnahmslos einen tollen Job machte.
Allen voran Bandleader Mads Eriksen, ein junger Kerl aber bereits ein ausgefuchster Gitarrist, der sowohl was Sound als auch Technik angeht selbst bei VAN HALEN-Fans gut dastehen dürfte.
Haupt- und Mittelpunkt ist aber selbstverständlich Chris Thompson und der ist auch prächtig bei Stimme.

Das relative heftige Wasting Time dürfte hierzulande einige Besucher, die vielleicht schon die Feuerzeuge für den Mighty Quinn-Schwof vorgeglüht haben, ganz schön vor den Kopf stoßen. Nee, da geht's ganz schön zu Sache und Hardrockbands wie, sagen wir, WHITE LION, sind da stilistisch nicht so weit entfernt.
Beim folgenden One Man Mission wird zünftig in die Texas/ZZ TOP Boogie-Ecke gefegt und da kommt natürlich weitere Stimmung auf. Macht total Spaß und es wird deutlich was für ein geiler Shouter der Chris Thompson war und noch ist. Außerdem spielt er ganz passabel Gitarre und ergänzt Mads Eriksen durch einen mehr bluesigen Ansatz.
Die Verkündigung von Hot Summer Nights sorgt natürlich ebenso für Stimmung - zumal wenn der Song in einen Reggae übergeht - wie das funkige Get Up And Dance.
Erste Schauer laufen mir allerdings erst bei Bob Marleys Redemption Song über den Rücken. Einfachst gespielt, entwickelt der Song, von dieser Stimme vorgetragen, auch so und weit oben im Norden seinen Flair. Liegt es an der Klasse des Titels oder am Gesang? Es ist etwas von beidem.

Ein paar ruhigere Titel werden eingestreut, aber die Leute warten natürlich auf die Nummern, die man mit dem Namen Chris Thompson assoziiert. Und sie werden nicht enttäuscht: Mighty Quinn kommt verhältnismäßig früh, aber dafür auch recht gut. Die Band gönnt sich im Mittelteil einen ausgiebigen Jam, was wirklich gut kommt. Ja, der Orgelsound ist dem von Manfred Mann nicht ebenbürtig und Chris Thompson arrangiert seinen Gesang so geschickt, dass er nicht an den einstmals von ihm selbst aufgestellten Hürden scheitert. Aber das ist schließlich schon 20..., ja von wegen, bald 30 Jahre her, seit die zugehörige LP "Watch" erschienen ist! Da gibt's wirklich nur wenige, die an die Leistungen von vor so langer Zeit noch heranreichen. Das Publikum, muss man sagen, ist allerdings ebenfalls gut bei Stimme und singt mit, als wären die beinahe 30 Jahre nicht vergangen. Am Schluss rast die Band in einen etwas gehetzt-geschluderten Rock-Part, der so nicht unbedingt von Nöten gewesen wäre.
Kurz geht's Schlag auf Schlag: Blinded By The Light, relativ straight gespielt, Davy's On The Road Again, auch ohne unnötige Schnörkel und sehr rockig, For You nur zum Piano, als Ballade, aber trotzdem ansprechend. Diese Titel sind halt zeitlos und machen immer wieder aufs Neue an. Der herausragende Sound auf dieser DVD tut ein übriges.
John Farnhams You're The Voice hätte es aber nicht gebraucht, oder? Denkste! Der Titel wurde von Chris Thompson geschrieben und somit hat er alles Recht diesen Song zu singen, der mir außerdem in dieser raueren Version weit besser gefällt. Jetzt müsste doch alles Pulver verschossen sein, nicht?
Questions, vom 76er Manfred Mann Album "The Roaring Silence", liefert einen stimmungsvollen, erhebenden Abschluss für dieses Konzert.

Neben dem guten Sound und Bild bietet die DVD reichlich Zusatzmaterial, wie Interview, das Video zu Ain't No Rain In The Farmyard sowie eine interessante Dokumentation zum 'Making Of' dieses Videoclips.
Äußerst lobenswert ist die Auflistung von weiteren Musik-DVDs aus dem Hause e-m-s. Zumal man sich aus jeder DVD ein paar Titel komplett ansehen kann. Da kann man bei BONFIRE reinschauen, oder bei Chris Norman. Letzterer natürlich mit etlichen SMOKIE Songs vertreten: , Living Next Door To Alice und Needles And Pins, die er auch alle noch sehr gut singt. Das Publikum mag zwar gesittet aussehen und dasitzen wie zum 5-Uhr-Tee, aber, fuck, mit so vielen tollen Frauen Im Publikum würd ich mich auch da hinsetzen.
[Hinsetzen? Prust! Red.]
Erschreckender ist z.B. die DVD "American Rock Master"! Da springen Gespenster wie Michael Bolton - Gott, den hätte ich kaum erkannt! - oder Eddie Money, brrr, und Mark Farner, Dickey Betts usw. herum. Das reinste Horrorkabinett! Die Typen sind teilweise so fertig, dass man sie nur noch nach Las Vegas schicken kann. Mark Farner: Im Glitzerjäckchen! Und dann noch Some Kind Of Wonderful singend (Gitarre spart er sich), anstatt wenigstens versuchsweise wie in GRAND FUNK RAILROAD-Tagen zu rocken. Fast müsste man sich das Teil schon wieder für einen lustigen Abend holen.
Also, man kann sagen: "One Hot Night In The Cold" ist eine rundum gelungene DVD, die Spaß und Laune macht und hoffentlich noch Nachfolger bekommt.

Ländercode: 0
Ton: DD 2.0
Bild: 4:3

Epi Schmidt, 05.04.2006

 

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