Cultus Ferox

Flamme Des Meeres


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2004

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Cultus Ferox
Flamme des Meeres, John Silver Musikverlag, 2004
Steffano di Pannoptico Sackpfeifen, Schalmeien, Stützelfackfack
Briantanus der EinsiedlerSackpfeifen, Flöten, Schalmeien
Der Heilige St. Brandanarius Gitarren, Bass, Gesang
Donar von AvignonWeidenrutentrommeln
AsmonHeerpauken
Strahli der AnimatorPerkolation, Schlagwerk
Gäste:
Sally GreavesSprechtext
TrishaSirenengesang
B. DeutungCello
Howard von RibnitzKontrabass
Steffan MeinkingSchlagzeug
Tommy KrawalloBandmaschinenbordunen
Produziert von: Konsistenz Länge: 23 Min 41 Sek Medium: EP
1. Rans Horder4. Guda Vrede Intro
2. Die Bernsteinhexe5. Guda Vrede
3. Skurkanas6. Rans Horder (Atomix Avenue)

Da dachten wir wirklich für einen Augenblick, CULTUS FEROX sei der neue Stern am Himmel traditioneller instrumentaler mittelalterlicher Musik, und schon werfen die Spielleute uns ein neues Minialbum vor, dass alle Spekulationen in dieser Hinsicht ad absurdum führt.
Dabei war dieser Gedanke angesichts des überzeugenden Debüts "Wiederkehr", das völlig frei von modernem Teufelszeug in Form von elektrischer oder elektronischer Zutaten war, gar nicht mal so abwegig.

"Flamme des Meeres" ist ein stark zwanzigminütiger Blick in die Kristallkugel einer Weissagerin, um eine Ahnung zu bekommen, wie die musikalische Zukunft von CULTUS FEROX aussehen könnte.

Rans Horder und Skurkanas sind zwei typische mittelalterliche Instrumentalnummern, wie sie in kompositorischer Hinsicht auch auf "Wiederkehr" zu finden waren. Allerdings schlagen CULTUS FEROX mit ihnen die Brücke zur Gegenwart reichern diese Stücke mit harten Gitarren und elektronischer Rhytmik an.
Die Bernsteinhexe von TRANSIT, eine gesungene Ballade, wurde schon auf Tour vorgestellt und vom Publikum sehr gut aufgenommen. Vor allem hinsichtlich des Gesangs ist diese Nummer für CULTUS FEROX im Vergleich zu den Vocal-Stücken von "Wiederkehr" ein deutlicher Schritt nach vorne.

Am schillerndsten scheint die "Flamme des Meeres" jedoch beim zweigeteilten Guda Vrede. Treibende tekknoide Elektrobeats katapultieren die Band vom strohbedeckten Marktplatz des Mittelalters auf die Tanzflächen der Clubs der Gegenwart. Harsche Härte geht mit mittelalterlicher Mystik eine an Faszination kaum zu überbietende Allianz ein und bildet den Höhepunkt des bisherigen Schaffens von CULTUS FEROX.

Zum Abschluss zeigt der Atomix-Avenue-Remix von Rans Horder allerdings, dass die elektronischen Welten nicht zwangsläufig die neue Heimat von CULTUS FEROX werden sollten. Was bei Guda Vrede eine Bereicherung und Aufwertung der Komposition bedeutet, wirkt bei Rans Horder wie überflüssiges Beiwerk ohne erkennbaren Nutzen. Im Gegenteil. Hier ist ganz klar die 'normale' Rans Horder-Version zu bevorzugen.

Was bringt "Flamme des Meeres" uns nun für Erkenntnisse? Vor allem, dass CULTUS FEROX nicht bereit sind, sich innerhalb des mittelalterlichen Kontextes unterschiedlichen Stoßrichtungen prinzipiell zu verweigern. Auch in Zukunft dürfte da noch die eine oder andere Überraschung auf die Anhänger der Spielleute zukommen.

So überzeugend "Wiederkehr" auch ausfiel, wird das Debüt von "Flamme des Meeres" doch deutlich übertroffen. Abgerundet wird dieser Höhepunkt mittelalterlich inspirierter Tonkunst, durch sein aufwändiges Artwork und der Bonusdreingabe in Form einiger kleiner Bernsteinsplitter.

Für Anhänger mittelalterlicher Klänge, in welcher Form auch immer, ist dieses Minialbum ein Muss.

Rabazco möchten demjenigen von Euch ein Exemplar der EP schenken, der uns am schnellsten mitteilt, bei welchen Bands Der Heilige Sankt Brandanarius zwischen 1992 und 2002 aktiv war.
Die EP ging an Jo nach Sindelfingen. Viel Spaß!

Martin Schneider, 11.05.2004

 

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