Darkstar

News From Nowhere

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 04.02.2013
Jahr: 2013
Stil: Electronica

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Redakteur(e):

Steffen Frahm


Darkstar
News From Nowhere, Warp, 2013
James YoungElectronics
Aiden WhalleyElectronics
James ButteryVocals
Produziert von: Richard Formby Länge: 40 Min 37 Sek Medium: CD
01. Light Body Clock Starter06. Young Heart's
02. Timeaway07. Amplified Ease
03. Armonica08. You Don't Need A Weatherman
04. -09. Bed Music - North View
05. A Day's Pay For A Day's Work10. Hold Me Down

DARKSTAR sind also neuerdings auf Warp. Ich entdeckte sie letztes Jahr, als sie noch auf Hyperdub waren, weil ich einen ziemlichen Hyperdub-Fimmel hatte. Da aber Bässe, die Wellen ins Laminat schlagen, bisher nicht zu DARKSTARs prominentesten Ausdrucksmitteln gehörten, scheint mir der Labelwechsel stimmig.
"News From Nowhere" ist DARKSTARs erste gemeinsame Arbeit als Band. Sänger James Buttery ist erst während des Entstehungsprozesses des bisher letzten DARKSTAR-Albums "North" (2010) zur Band gestossen. Zusammen sind sie laut Presseinfo "...einmal um die Welt getourt...", um sich danach in einem Haus in der Wallachei West Yorkshires (ziemlich weit oben in England, ungenau gesagt) einzuigeln, mitten im Nirgendwo quasi - und von da kommt "News From Nowhere".

Die charaktergebenden Stimmungen auf "North" waren vor allem: Nahendes Unheil und starke, stellenweise schockartige Trauer einerseits, Taktgefühl, Behutsamkeit und Anteilnahme andererseits. In Stücken wie Aidys Girl Is A Computer ließen sich Ansätze einer entfernt an RADIOHEAD erinnernden melancholisch introspektiven Verspieltheit erkennen, und davon gibt es auf "News From Nowhere" wesentlich mehr. DARKSTAR selbst empfinden es als "... totally different record to North..." - schon mit einem helleren emotionalen Grundton aber auch mit mehr Tiefe ausgestattet als. Das trifft es eigentlich recht gut, aber wir wollen mal genauer reinhören...

Light Body Clock Starter kommt hineingefadet und eröffnet das Album wie eine Fata Morgana: Glitzernde, sich überlagernde Sägezahn-Frequenzen bilden eine pulsierende Fläche, vor der James Buttery zu einem repetitiven Falsett-Singsang über 2 Töne ansetzt. Ein Stück wie ein Ufo, das aus dem Nichts plötzlich vor dir schwebt und irritierend einladend aussieht, auch wenn du ein mulmiges Gefühl hast. Nach einem kurzen, kaskadierenden Vocal-Delay bricht es ab, und Timeaway beginnt mit sich beschleunigendem, Spieluhr-artigen Geklingel. Ein bei aller Detailverliebtheit wunderbar ausbalanciertes Stück avantgardistischen Elektro-Pop haben wir hier und ausserdem DARKSTARs bis dato definitiv milde gestimmtestes Stück Musik.

Hier und an vielen anderen Stellen des Albums setzen DARKSTAR auf die suggestive Kraft der Wiederholung: Harmoniewechsel finden zwar statt, aber es geht vor allem darum zum Hauptstrom zurückzukehren und eine Art kammermusikalischen Trance-Effekt zu erzeugen, denn DARKSTARs Musik zielt ja nunmal nicht so sehr auf den Floor. Sie will über intensives Zuhören erschlossen werden. Ihr Hang zur Metamorphose läßt zumindest mich assoziativ an Minimal Music denken, und das Video zu Amplified Ease zeigt dementsprechend vor allem ein sich mittels Reibung an einer Glasscheibe scheinbar permanent verformendes Gesicht. Überraschende Wahl für eine Single, dieser Track: James Buttery hat hier mehrere Doubletrack-Gesänge übereinandergeschichtet. Das Zusammenspiel der einzelnen Chants funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie gewisse Stücke auf dem TALKING HEADS-Klassiker "Remain In Light", aber DARKSTARs Musik ist natürlich ein anderer Boogie als das. Die krassen Phasing-Effekte auf den Gesängen erinnern mich persönlich vor allem an Sachen, die THE CLASH auf "Sandinista!" gemacht haben. Besonders ist das auf Armonica der Fall, meinem Lieblingsstück auf "News From Nowhere", bei dem eine stoische Drum-Machine den Rhythmus klöppelt und James Buttery, dessen Timbre stellenweise in Richtung Damon Albarn geht, lasziv "Hey, Mister London /Beautiful, I Know" säuselt. Halluzinatorische Kopfnicker-Musik! Ich bin begeistert und bekomme beim Hören einen leicht torkelnden Gang, das heißt, ich würde ihn bekommen, wenn ich nicht hier säße und versuchte, DARKSTARs Sound in passende Worte zu kleiden.

Ebenfalls herausragend: You Don't Need A Weatherman (Achtung, Dylan-Zitat!): Die rhythmische Struktur ist hier nah am Riddim, und das Arrangement verwandelt sich über knappe 3 Minuten in einen Wolkenstrudel, so dass einem nach wirklich langer Zeit mal wieder das gute, alte Hippiemusik-Beschreibungswort "kaleidoskopartig" in den Sinn kommt. Dann verschwindet der Rhythmus, die Gesänge schweben, an den Rändern flirrend, im Raum, und Stück für Stück kommt alles Andere zurück. Das erinnert methodisch natürlich auch an Dub. Gute Sachen klingen noch besser, wenn sie eine Weile verschwinden und dann wiederkommen. Und je öfter man, nach anfänglichem Befremden vielleicht, "News From Nowhere" laufen lässt, desto schöner entblättert sich die einzigartige Qualität dieses Albums.

Denn DARKSTAR haben es wirklich geschafft, inmitten einer längst unübersichtlich gewordenen Landschaft der gehobeneren elektronischen Popmusik einen ganz eigenen Flecken zu besetzen. Allein das ist ja schon eine Leistung, und "North" war ausserdem schon ein sehr berührendes Werk. Die Entwicklung, die dieses Projekt durchlaufen hat, ist aber das eigentliche Bemerkenswerte und war in diesem Umfang (zumindest für mich) nicht zu erwarten. DARKSTAR sind erst jetzt erstmalig zu ihrer vollen Blüte gelangt, und man kann gespannt sein, welchen Weg die Band in Zukunft gehen wird. Ich geh' gern mit!

Steffen Frahm, 30.01.2013

 

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