Peter Green

Canned Heat

Darmstadt, Centralstation, 13.03.2003

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 13.03.2003

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Canned Heat Homepage



Redakteur(e):

Epi Schmidt


Darmstadt, Centralstation, 13.03.2003

Zum zweiten Mal bin ich jetzt in der Darmstädter Centralstation - liegt ja auch erfreulich zentral. Weniger erfreulich, werd' ich gleich schmerzlich erinnert, ist die Bierversorgungs-Station! Das hat man immer noch nicht im Griff: Wie soll sich denn, bitteschön, da eine Schlange davor bilden? Wenn die Theke acht Meter breit, aber in ihrer Mitte eine einzige Bierausgabe ist? Oder soll sich das Ganze quer durch den Saal schlängeln??
Naja, schließlich und endlich haben wir doch unsere Biere gekriegt. Ist ja auch ein recht gesittetes Publikum heute Abend (kaum jemand unter 40, möchte ich meinen...).
Verwirrung stiftet noch bei mir das breite Banner über der Bühne: BOOGIE WITH CANNED HEAT steht da zu lesen. Ja wie? Ich dachte die HEAT wären die Hauptband und der PETER spielt davor... Hab ich mich wohl falsch in formiert.

Pünktlich um 21 Uhr entern CANNED HEAT die Bühne. Heutzutage schart Original-Drummer Fito de la Parra, u.a. die Gitarristen John Paulus und Dallas Hodge um sich. Letzterer hat quasi den "The Bear"-Job in der Band. Nicht so abgedreht wie Bob Hite, aber schwergewichtig und mit entsprechender Blues-Stimme. Außerdem spielt er 'ne feine Gitarre, die er auf seinem Bauch balanciert.
"Don't forget to Boogie" ist das Motto der Band und so steigen sie auch gleich mit einem fetten Boogie ein und bringen etwas Bewegung in das Publikum. Gleich als zweiten Song kommt der Bullfrog Blues und wird begeistert aufgenommen. Ich muss sagen, die fünf Herren auf der Bühne machen das schon sehr gut - da darf man nicht so lange über Originalbesetzung hin oder her sinnieren. Der Sound kommt sehr gut rüber und ist auch nicht übermäßig laut, was dem Großteil der Besucher entgegen kommen dürfte (wegen mir könnt's ruhig etwas mehr sein, da würde sich vielleicht nicht mancher unnötig dabei unterhalten).
Bereits als dritter Song wird On The Road Again gespielt und Stanley Behrens macht sich, sowohl an der Harp als auch beim Gesang, sehr verdient dabei, dem Song von seinem Original-Flair zu geben. Als nächstes wird ein Song vom neuen Album "Friends In The Can" präsentiert: Bad Trouble. Ein geiler Boogie in bester HEAT-Tradition gefolgt vom eher ruhigeren World Of Make Believe (von "Boogie 2000") das ein paar südamerikanische Einflüsse verarbeitet und Stanley Behrens zur Querflöte greifen lässt.

Es bleibt aktuell, auch wenn der neue Song Same Old Game heißt. Hat 'n bisschen was von Going Up The Country. Dann folgt vom neuen Album 1, 2, 3, Here We Go Again. Ist zwar ein Slow-Blues, aber zwischendurch wird immer mal richtig gefetzt, dass Dallas Hodge glatt das Baseball-Cap vom Kopf fliegt.
Von hinten wird die Band von Fito de la Parra geleitet, der einen beachtlichen Groove entfacht (immerhin auch schon 58, der Mann) und er bringt uns zurück nach 1969 und singt den Song I'm Her Man vom Album "Hallelujah", bei dem sich besonders John Paulus mit klasse Läufen auf der Gitarre hervor tut und Fito feuert die Band noch mit zusätzlichen "Let's Boogie" Rufen an. Fito macht auch noch schnell seine Ansicht zur Weltlage klar: "Canned Heat has always said: Make Love - Not War!".
Da muss natürlich der Song aus Woodstock folgen: Going Up The Country. Mir ist es allerdings etwas zu "brav" gespielt. Zuviel Erfurcht vor dem Original? Sänger Stanley Behrens ändert den Text bei der Stelle "it's a brand new game" von "I shure wanna play" in "I DON'T WANNA PLAY" um. Ob's viele gemerkt haben?

Anyway - weiter geht's mit dem swingenden It Don't Matter. Dann kommt wieder die Zeit für Dallas Hodge: Der Chicken Shack bringt wieder Schwung in die Bude und eine weiter Gelegenheit für John Paulus sich auszuzeichnen. Der schwingt sich für den nächsten Song eine rote Gibson SG um und zückt das Glasfläschchen für den Blues-Klassiker Rollin' und Tumblin' (hat er so nicht etwas Ähnlichkeit mit Duane Allman?). Da bietet sich der nächste Slide-Song natürlich an: Let's Work Together! Diese Intro kann wirklich nur Fito original spielen! Die Band hält sich größtenteils an die Vorgabe der Studioaufnahme, ohne es jedoch nicht zu versäumen einen langen Solopart einzubauen, an dem die Musiker ganz offensichtlich auch gewaltig Spaß haben. Das Greg Kage, am Bass, ein fantastischen Rhythmus spielt, sollte nicht unerwähnt bleiben. Nix von tumben "Ein-Saiten-Bass" und trotzdem alles zusammen haltend.

Zur Zugabe wird noch mal richtig "geboogiet". "If you wanna hear some boogie, like I'm gonna play..." Na klar: Reelin' And Rockin bei dem auch das Publikum noch mal mitsingen darf/muss.
Satte 1 1/4 Stunden sind um. Nicht schlecht für 'ne "Vorband". Die Jungs hätten wohl gern noch länger gespielt und es wird auch lautstark danach gefordert, aber wie die Band sagt: "We gotta pay respekt to Peter Green". Gut - haben sie auch wieder recht.

Die Umbaupause hält sich einigermaßen in Grenzen. Auffällig verzerrte Töne kommen beim Soundcheck aus den Verstärkern. Da bin ich ja mal gespannt...
Dann geht das Licht aus und die Band betritt die Bühne. Schließlich auch Peter Green. Der Mann ist einfach eine Legende. Punkt! Für dass was er der Musikwelt gebracht hat, verdient er einfach den schon angesprochenen Respekt. Egal wie fit er heute noch ist, oder auch nicht. Es geht auch gleich gut los, mit einem dieser Fleetwood Mac-Blues Boogies, die sich alle anhören wie Dust My Broom, dürfte sich aber um I Believe My Time Ain't Long gehandelt haben.
Wenn man, wie ich, zu nahe vor der Bühne steht, kriegt man leider vom P.A.-Sound wenig mit - vielleicht hat man weiter hinten im Saal mehr von Peter Green's Gesang verstanden. Ich hab aber Zweifel.

Running After You ist der zweite Song (von "Time Traders") und gleich darauf ein Stück vom aktuellen "Blues Don't Change"-Album: Das altbekannte Little Red Rooster.

Dominiert wird die Band eigentlich von Nigel Watson, der (obwohl nur mit dem Daumen spielend!) immer einiges lauter ist als Herr Green. Aber Nigel macht das auch wirklich fantastisch und versucht nie sich in Vordergrund zu spielen. Peter Green steht halt recht unbeweglich rum, spielt mal mehr, mal weniger, scheint manchmal gar nach den rechten Lagen zu suchen, aber tatsächlich, denke ich, weiß er schon was er macht. Halt einfach viel zu bescheiden und möglicherweise auch von ein paar Zweifeln gebremst um sich hier durchzusetzen. Wenn dann noch Roger Cotton von Piano/Orgel auf die Rhythmusgitarre umsattelt wird's vollends schwierig für Peter.

Nothing Changing ist der nächste Song. Peter Green greift hin und wieder mal zur Blues-Harp und fördert auch gute Blues(s)-Notes zutage.
Versteht mich nicht falsch: Das alles macht schon richtig Laune, der Sound kommt druckvoll und wenn Peter Green zu hören ist, ist es auch wirklich fantastisch. Was der noch für einen "Ton" drauf hat - werden viele nie erreichen. Shadow On My Door und Must Be A Fool von den letzten Splinter Group-Scheiben sind dran. Jedesmal wenn sich Peter Green die schwarze Gibson-Gitarre umschnallt ist er auch bedeutend deutlicher zu hören, als mit der bevorzugten Stratocaster. Die Moderation übernimmt hauptsächlich Roger Cotton, der ansonsten an Piano, Hammond und Gitarre überzeugt. Sein englischer Charme kommt beim Publikum auch gut an und er ist nie um einen Scherz oder die akustische Untermahlung, wenn es entweder in die Vergangenheit oder in die Gegenwart geht, verlegen.
Richtig gut wird's bei dem Bluesbreakers-Klassiker The Stumble. Hier läuft auch Peter Green zu Hochform auf, sichtlich erfreut an diesem Instrumental.

Wie der Titel schon sagt: Cool Down ist beim nächsten Song angesagt.
Dann, der Höhepunkt der Konzertes - aus meiner Sicht. Der Fleetwood Mac-Klassiker Man Of The World wird zwar auch "nur instrumental" gespielt, aber wie sich die drei Gitarren hier ergänzen, lässt keine Wünsche offen und Nigel Watson brilliert mit seinen Soli.
Irgendwie klingt's zwar etwas komisch wenn Peter Green dann I'm A Dangerous Man singt, aber wenn man genau hinschaut... Vielleicht hat er doch recht.
Ein weiterer Klassiker folgt mit Need Your Love So Bad. Mehr ein heißeres Flüstern, der Gesang des Herrn Green, aber er tut sein möglichstes.

Die einzig längere Ansage von ihm erfolgt vor Green Manalishi (und wenn ich nicht Angst gehabt hätte Peter Green zu unterbrechen, hätte ich dem Arschloch seitlich hinter mir wegen seines "Dazwischengequatsches" eins auf's Maul geschlagen!).
(Wer ist dann hier der "Dangerous Man"?)
Der Song wird auch richtig fetzig gebracht, die Hammond röhrt dazu und Nigel Watson spielt ein weiteres Mal (mit dem Daumen!) geniale Soli.
Wie kann man das steigern? Ganz klar mit Black Magic Woman. Da vertut sich Peter Green anfangs zwar mit seinem Gesang in der Tonlage, macht aber nix. Ist halt live. Und nur live kann es so abgehen. Alle fünf steigern sich in diesen Hit und auch Bassist Peter Stroud und Drummer Larry Tolfree zeigen was in ihnen steckt. Diese Version braucht sich vor keinem SANTANA-Jam zu verstecken!

Natürlich geht's auch hier nicht ohne Zugabe und so wird das Set mit eben so einem Boogie beschlossen, wie es eröffnet wurde - Dust My Broom-Style halt. Peter Green spielt noch mal eine gefühlvolle Slide-Gitarre und dann verabschiedet sich die Band nach gut 1 1/2 Stunden.

Fazit: Kein Oh Well (obwohl vom Publikum erhofft), kein Albatross hier - kein Amphetamine Annie und kein Fried Hockey Boogie dort, und trotzdem ein überzeugender Abend der bei allen Zufriedenheit hinterlässt.

Epi Schmidt, 14.03.2003

 

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