Thunder

Dark Sky

Darmstadt, Centralstation, 11.12.2005


Konzertbericht

Reviewdatum: 11.12.2005

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Darmstadt, Centralstation, 11.12.2005

Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen, auf dem Darmstädter Weihnachtsmarkt glüht der Wein und unweit davon rüsten sich die englischen Hard-Blues-Rocker von THUNDER für die Show des heutigen Abends. So viele Besucher wie der Weihnachtsmarkt werden sie nicht haben, aber das ist an so einem Adventssonntag durchaus normal.
Immerhin füllt sich, langsam aber stetig, die Centralstation doch ziemlich, begünstigt dadurch, dass der Getränkestand mittlerweile in die Hallenmitte verlegt wurde.
Mir ist's wurscht, denn ich hänge sowieso am vordersten Bühnenrand.

Dark Sky Zunächst unterhält noch die Band DARK SKY aus dem nahen Rottweil. Und sie unterhalten wirklich: Kurzweilig, engagiert und mit gutem Sound. Musikalisch muss man da natürlich schon auf 80's Hard Rock stehen, denn genau zu der Zeit wurden DARK SKY gegründet. Sänger Frank Breuninger erreicht mit seiner Stimme schwindelerregende Höhen und erinnert z.T. leicht an Steve Perry. Außerdem zählt er Bands wie EUROPE zu seinen Vorbildern und bei Titeln wie Save Our Souls kommt das auch deutlich zum Vorschein. Ein bisschen HELLOWEEN blitzt hier und da auch mal durch, bei Cute Little Lies fühlt man sich an BON JOVI zu "Fahrenheit"-Zeiten erinnert und bei der Rockballade You Are My Life kommt echtes Stadion-Feeling auf.
Die Band macht insgesamt einen prima Job, auch wenn mir Drummer Uwe Mayer hier und da etwas übermotiviert erscheint - etwa bei Light Up The Darkness - und den Einsatz seiner Double-Bass übertreibt.

Thunder Die Umbaupause hält sich in erträglicher Kürze und bald kündigt eine flotte Westernmelodie über die P.A. den Headliner an. Die meisten kennen dieses musikalische Thema als Untermalung der Werbung einer bekannten Zigarettenmarke, aber natürlich soll hier auf den Western "Die glorreichen Sieben" und somit wiederum auf THUNDERs aktuelles Album "The Magnificent Seventh" verwiesen werden.
Die Stimmung steigt und schon betreten Harry James, Luke Morley, Chris Childs und Ben Matthews die Bühne, auf die ihnen, zum Einstieg von Loser, Danny Bowes folgen sollte.
Alt sind sie geworden, fülliger, gezeichneter, grauer... aber sie blasen einen dermaßen geilen Sound von Bühne, dass man augenblicklich mitgerissen wird!
Am Sound gibt's nix zu kritisieren. Jedes Instrument klingt richtig klasse ergänzt sich mit den anderen perfekt. Dazu trägt natürlich auch das einzigartige Zusammenspiel der Gitarristen Luke Morley und Ben Matthews bei - klasse!
Mit Amy's On The Run folgt quasi schon ein erster Höhepunkt. Dieser Song vom neuen Album bekommt auf der Bühne noch einen Extraschub und dürfte sich zu einem Klassiker im Repertoire der Band mausern.

Mittelpunkt der Band ist Sänger Danny Bowes, der erneut mit seiner Wahnsinnsstimme beeindruckt und einem bei Higher Ground Schauer über den ganzen Körper jagt.
Thunder Mithalten kann man da gesanglich nicht, aber das Publikum singt viele der Texte mit und ist jedes Mal dabei, wenn Danny fordert: "Everybody scream!" oder "Make some noise!". Und wenn's ihm nicht laut genug war - was eigentlich immer der Fall ist - verharrt er mit leicht gesenktem Kopf am Bühnenrand, schüttelt ihn, winkt mit den Fingern, der Hand, dem Arm... solange bis wirklich jeder im Saal aus vollem Halse plärrt und den gewünschten Lärm produziert.
Verschnaufpausen werden einem bei gefühlvollen Balladen wie Dreaming Again gewährt, aber dann geht's mit dem unvergleichlichen Backstreet Symphony wieder in die Vollen.
Erwähnenswert ist auch der hervorragende Backgroundgesang, bei dem Luke, Ben und Chris mit Danny harmonieren. Da merkt und hört man die Erfahrung und Klasse dieser Band.

Thunder Bei Can't Keep A Good Man Down ist wieder Mitsing-Party angesagt und willig folgt das Publikum den Vorgaben, während bei Don't Wait For Me kollektive Ergriffenheit, angesichts der stimmlichen wie dynamischen Leistung herrscht.
Das wabbernde Intro von Gods Of Love produziert Bassist Chris Childs einfach aber genial durch den Einsatz eines Wah-Wah Pedals. Und der Song rockt, gerade live richtig heftig und mit einer Power die einen umhaut.
Von zwölf Songs im regulären Set stammen sieben von den letzten beiden Alben - das will schon was heißen! Nichtsdestotrotz schreit man sich bei Evergreens wie River Of Pain die Seele aus dem Leib.

Thunder Luke Morley wechselt, etwa bei Love Walked, gekonnt und übergangslos zwischen Akustikgitarre und seiner Flying V und feuert die Rock'n'Roll-Riffs im Dutzend heraus. Auch er hat etwas mehr auf den Rippen als vor Jahren, aber die Pete Townshend-Sprünge und Armschwünge bringt er immer noch mühelos. Wenn er sich in Fade Into The Sun zum Gitarrenduell mit Ben Matthews in der Bühnenmitte trifft, zeigt sich erneut welch fantastisches und unterbewertetes Gespann da am Werke ist. Dass Ben hier und da kurz an die Orgel wechselt, fordert den Vergleich zusätzlich heraus: Zwischenzeitlich muss ich an THUNDERs Landsmänner von UFO denken. Ich glaube, besser waren die selbst in ihren besten Tagen nicht.
Thunder Wenn das Publikum bei I Love You More Than Rock'n'Roll aus Leibeskräften mitgrölt, kann man dieses Bekenntnis durchaus auf die Band münzen. Wenn Ben Matthews beim Honky-Tonk-Intro zu diesem Lied die Glocke aus der Hand fällt, sorgt das für zusätzliche gute Laune auf der Bühne.
Ein weiterer Pluspunkt von THUNDER: Diese Unverkrampftheit, diese sympathische Art, der offensichtliche Spaß. Das alles überträgt sich auf die Zuschauer und versetzt die in den gleichen Zustand. Mein Gott, wenn ich an das alberne Getue von NASHVILLE PUSSY gestern in Stuttgart denke...

Thunder Zur Zugabe ertönt erneut die Akustische und beim Text von Low Life In High Places ist das Publikum relativ sattelfest dabei. Suicide, vom Album "Giving The Game Away" sorgt für weitere Steigerung und dann krönt der Hardrock-Song schlechthin diesen Abend: Dirty Love. THUNDER rocken nochmals voll ab und das Publikum macht mit. Ob springen, winken, klatschen, mitsingen - die Vorgaben von der Bühne werden freudig mitgemacht.

Ich bin mir sicher, dass jeder restlos zufrieden dieses Konzert verlassen hat. Eine Demonstration, was Spaß, Engagement und Können angeht. Das einzige was mich ärgert ist, dass ich nicht zu den nächsten Konzerten fahren kann. Aber ich hoffe schon jetzt, die Band im nächsten Jahr wieder erleben zu dürfen, denn es gibt zwar noch eine kleine Zahl vergleichbarer Bands, aber besser geht's nicht!
Und wenn man dann, wie ich, auch noch einen Pass für die Aftershow-Party gewonnen hat, ist man endgültig "over the top"... "Welcome to the party...".

Epi Schmidt, 18.12.2005

 

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