Dave Alvin

Eleven Eleven


CD-Review

Reviewdatum: 20.06.2011
Jahr: 2011
Stil: Americana, Roots-Rock

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Dave Alvin
Eleven Eleven, Yep Roc Records, 2011
Dave AlvinElectric & Acoustic Guitars, Vocals
Chris GaffneyVocals, Accordion
Phil AlvinVocals
Gene TaylorPiano
Bob GlaubBass
Don HeffingtonPercussion, Drums, Timbales
David JacksonAccordion, Upright Bass
Greg LeiszElectric Guitar, Baritone Guitar, Lap Steel
Christy McWilsonPiano, Vocals
Danny OttElectric & Acoustic Guitars
Reese WynansOrgan, Piano
Steve MugalianPercussion, Drums
Rick SheaAcoustic Guitar, Pedal Steel
Jack RudyHarmonica
Produziert von: Dave Alvin Länge: 49 Min 43 Sek Medium: CD
01. Harlan County Line07. What's Up With Your Brother
02. Johnny Ace Is Dead08. Murietta's Dead
03. Black Rose Of Texas09. Manzanita
04. Gary, Indiana, 195910. Dirty Nightgown
05. Run Conejo Run11. Two Lucky Bums
06. No Worries Mija

Mit Mitte Fünfzig erlangt man wohl diese gewisse Weisheit und Selbstsicherheit, um sich Sprüche wie diesen hier, von Dave Alvin getätigten, ans Revers heften zu können: “There are two types of folk music: quiet folk music and loud folk music. I play both.” Als Grammy-Gewinner und Songschreiber von erheblicher Reputation gelingt es Dave Alvin auf seinem neuen Album tatsächlich beide Facetten abzudecken. Heftig und laut bzw. mild und zärtlich.

Alvin, der einst in den Achtzigern mit der Roots-Rock Combo THE BLASTERS, sowie den L.A. Punkrockern X für Furore sorgte und in den Neunzigern eher für seine Folk-Attitüde gelobt wurde, öffnet auf seinem aktuellen Album sämtliche Ventile, lässt reichlich Dampf ab und entspricht dem gewählten Albumtitel "Eleven Eleven" nur allzu gerne. Die Amps quasi bis 11 aufgedreht (alte Spinal Tap-Anleihe) knallt uns Alvin einige knochentrockene Blues- und Boogienummern um die Ohren, die durch ihren offensichtlichen Live-im-Studio Charakter um so mehr Fahrt aufnehmen und auf eine unmissverständliche Zielrichtung vorgeben: Kein Firlefanz, keine Gimmicks, geradeaus und Spaß haben. Wobei die Geschichten, die Alvin zu erzählen weiß, Short Stories im besten Wortsinne präsentieren, die auf packende Art und Weise spannende Einzelschicksale aufdröseln. Ein echter Storyteller, dieser Dave Alvin, der mit seiner knorrigen, tiefen Baritonstimme für reichlich Authentizität sorgt und wie er selbst sagt die üblichen Themen abgrast, das Leben, die Liebe, Tod, Verlust, Geld, Gerechtigkeit, Arbeit, Zuversicht, Zweifel, Familie und Freundschaft.

Nun hat Alvin natürlich kein reines Blues-Rock Album produziert, sondern wirft noch ein paar andere Facetten seines roots-musikalischen Könnens in die Waagschale. Neben all seinen tollen Geschichten und scharfen Gitarrenattacken überzeugt dieses Album auch durch gemäßigtere Töne, die uns ebenfalls überzeugend an Alvins gewachsene Folk- und Country-Vergangenheit erinnert.

Eine weitere Reminiszenz an alte Tage liefert "Eleven Eleven" insofern, als sich Dave Alvin mit seinem älteren Bruder Phil (einst auch Mitglied bei den BLASTERS) auf ein stimmungsvolles, amüsantes Duett (What's up with your brother?) einlässt. Mit einer traurigen Randnotiz endet dieses formidable Album: Das Duett Two lucky bums vermittelt eine Portion Wehmut, weil hier Dave Alvins alter Kumpel Chris Gaffney (HACIENDA BROTHERS) zum letzten Male seine Stimme erhebt. Kurz nach den Aufnahmen zu diesem Album verstarb Gaffney an Leberkrebs. Doch letztlich versprüht dieser Song, genau wie das gesamte Werk, soviel Lebensfreude, dass für trübe Gedanken kaum Zeit bleibt. "Eleven Eleven" wird als echter Volltreffer in Dave Alvins Plattenhistorie eingehen. Ein wirklich lohnendes Album.

Frank Ipach, 18.06.2011

 

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