David Baerwald

Here Comes The New Folk Underground

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 02.12.2002
Jahr: 2002

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Redakteur(e):

Frank Ipach


David Baerwald
Here Comes The New Folk Underground, Lost Highway Records, 2002
Produziert von: David Baerwald, David Kitay & Will Sexton Länge: 46 Min 00 Sek Medium: CD
1. Why (4:56)6. Love # 29
2. Compassion (3:10)7. If (A Boy Whore in a Man's Jail) (4:21)
3. The Crash (4:43)8. Wondering (4:01)
4. Nothing's Gonna Bring Me Down (3:59)9. Hellbound Train (4:07)
5. Bozo Weirdo Wacko Creep10. Me And My Girl (8:52)

Das Jahr 2002 scheint für mich das Jahr der vergessenen "Helden" zu werden. Jackson Browne und Peter Wolf legten nach zig Jahren Pause ein neues Album vor und nun taucht auch noch David Baerwald völlig unerwartet aus der Versenkung hervor.

Gar so viele Leser werden ihn gar nicht kennen, deshalb ein paar erläuternde Worte zum musikalischen Werdegang David Baerwalds:
Als 26-jähriger (1986) startete er gemeinsam mit David Ricketts seine Profikarriere als David & David und landete mit Welcome to the boomtown einen veritablen Hit in den U.S.A. Das dazugehörige Album verkaufte sich seinerzeit knapp eine Million mal, konnte aber den Fortbestand des Duos nicht sichern.
1990 und 1993 veröffentlichte Baerwald zwei höchst interessante Solo-Alben, die zwar von der Kritik abgefeiert wurden, den erhofften und erwünschten Verkaufszahlen allerdings arg hinterherhinkte.
Seine kompositorische und musikalische Klasse stellte er erneut unter Beweis, als er 1993 gemeinsam mit Producer Bill Bottrel dem Debütalbum einer gewissen Sheryl Crow auf die Sprünge half. Wer die Liner-notes von Platten studiert, erinnert sich vielleicht.

Es folgte eine lange Pause, in der Baerwald sich mit dem Komponieren von Film-Scores und Werbe-Jingles über Wasser hielt, sein Songwriting indes, in Ermangelung einer interessierten Plattenfirma, nur für den Eigenbedarf vorantrieb.
Im vergangenen Jahr erregte er Aufsehen, als er mit der Nominierung für einen Golden Globe seinen Namen nachhaltig ins Gespräch brachte. Für den allseits bekannten Film "Moulin Rouge" (Nicole Kidman) komponierte er den Titel Come what may.

Der Zufall wollte es, dass jemand aus der Chefetage von Lost Highway Records Baerwalds selbst produziertes Demo-Tape "A fine mess" auf den Tisch bekam. Die Offerte der Label-Gewaltigen gefiel dem ambitionierten Künstler, so dass er sich entschloss, mit Lost Highway einen erneuten Versuch zu starten. Mit Ryan Adams, Johnny Cash, Kim Richey, Lucinda Williams und anderen Hochkarätern befindet er sich dort wahrlich in guter Gesellschaft.

David Baerwalds altbewährte Gabe, punktgenaue Beobachtungen der teilweise maroden und dekadenten amerikanischen Gesellschaft zu formulieren und sie mit beißendem Spott und Ironie zu verhöhnen, schimmert auf "NFU" hie und da wieder durch. Im Titel Compassion rockt er mit ätzender Stimme zu beißenden Gitarren und zeigt dem guten Mellencamp was eine musikalische Harke ist.
Die Bandbreite seines musikalischen wie textlichen Output ist hier allerdings noch lange nicht erschöpft. Im Eröffnungsstück Why lässt er es mit Banjo und Akkordeon bluegrass-mäßig krachen. Sehr gelungene Background-Vocals geleiten den Song zu einem echten Volltreffer.
Die Geschichte um die bei einem Autounfall tödlich verunglückte Tochter eines Freundes ist zwar traurig, strahlt aber durch exzellente musikalische Umsetzung eine hoffnungsvolle Zuversicht aus. Singer-Songwriter-Handwerk at it's best, ein absoluter Ohrwurm.

Andere Tracks wie Nothing's gonna bring me down bestechen durch den geschmackvollen Einsatz einer Horn-Section, während der Meister ein cooles Wurlitzer-Piano mit einem von den Beatles geborgtem Refrain verquirlt. Hier zeigt sich dann durchaus auch einmal die optimistische, lebensbejahende Seite Baerwalds.

Die Palette erstreckt sich weiter über Funky-Rhythmik (Bozo Weirdo Wacko Creep) bis hin zu waschechtem Memphis-Soul in dem vielleicht gelungenstem Song Love # 29. Authentisches Soul-Feeling in absolut lässiger Manier präsentiert.
Randy Newman-Reminiszenzen werden wach, hört man die Geschichte des orientierungslosen Typen der als Stricher im Knast endet und sich mit seinen Gedanken ständig im Kreise dreht. Das hat Klasse.
So folgt ein starker Song auf den anderen, bis hin zum ungelisteten Hidden-Track Little fat cowboy, der mit seinem augenzwinkerndem, torkelndem Arrangement auch von einem Jeff Tweedy (Wilco) inspiriert sein könnte.

Hut ab, Mr. Baerwald, mit diesem extrem spannenden Songreigen werden Sie unter meinen Top 10 des laufenden Jahres einen der vorderen Plätze belegen.
Prädikat: Sehr empfehlenswert!

Frank Ipach () , 02.12.2002

 

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