David Gogo

"Nur nicht stehen bleiben...!"


Interview

Reviewdatum: 24.02.2008

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Redakteur(e):

Steve Braun


David Gogo
"Nur nicht stehen bleiben...!", Interview

Anl??lich seiner Deutschland-Tour mit WISHBONE ASH, machte David Gogo am 24. Februar im Ducsaal zu Freudenburg Station. Wir laden dazu ein, auch unseren Konzertbericht zu lesen. Leider war David bei einem Radio-Interview in Trier aufgehalten worden und somit etwas in Zeitnot. Er nahm's locker und lud mich zu einem kurzen Bierchen in die angeschlossene Restauration ein.

David Gogo in Action
Zum Einstand erstmal eine ungew?hnliche, nicht ganz ernst gemeinte Frage: Dein Landsmann John Campbelljohn war ja schon des ?fteren bei uns in Germany. Er schrieb einen Song ?ber das, was ihn an unserem Land am meisten faszinierte: die deutschen Autobahnen - Autobahn John heisst der Song. Welchen Song wirst Du ?ber Germany schreiben?

Drei Songs: je einen ?ber Schnitzel, Bier und Frauen .... [lacht herzhaft] Nun ich kenne nat?rlich John Campbelljohn sehr gut, aber von diesem Song [ich singe ihm unter allgemeinen Gel?chter den Refrain vor] habe ich noch nie etwas geh?rt. Wir sehen uns nicht oft, denn John wohnt ja genau am anderen Ende Kanadas in Halifax.

Ja, nun sag' schon, wie findest Du die Freiheiten auf unseren Autobahnen?

Ich wei?', dass es John Campbelljohn liebt, bei Euch "unlimited" herum zu rasen. Ich pers?nlich fahre sehr langsam. Ich fahre einen 1964er Mustang - das muss man ganz langsam tun. [lacht erneut] Mein Job ist es, hier Musik zu machen und ich genie?e es, mir Euer Land entspannt anschauen zu k?nnen.

Wir haben in Germany eine sehr grosse, begeisterungsf?hige Blues-Szene. Spricht sich so etwas bis nach Kanada herum?

Nun, das ist nat?rlich in Kanada bekannt. Die deutschen Bluesfans haben den Ruf, sehr kundige und kritische H?rer zu sein. Der grosse Unterschied zwischen deutschen und kanadischen Fans ist: in Kanada tanzen und feiern die Leute in den Blues-Bars. In Germany dagegen h?ren die Leute sehr aufmerksam, sehr intensiv zu. Sie interessieren sich mehr f?r "technische" Fragen, f?r Gitarren-Soli und Arrangements. Ich mag beides sehr gerne ....

Wie sind Deine Eindr?cke nach den ersten Gigs?

Fantastisch!! Wir haben 20 Shows mit WISHBONE ASH und viel Spa? miteinander. Gerade die unterschiedlichen Stilrichtungen zwischen uns machen f?r mich den Reiz aus. Die Fans lassen uns nicht sp?ren, dass wir nur der Support sind.
Nun werde ich diesen Oktober/November meine "eigene" Tour machen und hoffe dann [zwinkert.....], viele bekannte Gesichter wieder zu sehen [worauf Du Dich verlassen kannst....]. Es ist so praktisch bei Euch in Germany: in Kanada liegen die Auftrittsorte weit auseinander. Bei Euch ist man nach zwei, drei Stunden Fahrt am n?chsten Auftrittsort - da bleibt mehr Zeit zum Schlafen und auf Erkundungen zu gehen.

Im Januar erschien "Vibe" erstmals bei uns. Mich hat diese Scheibe in ihrer frischen Art ebenso wie viele andere Blues-Freunde umgehauen. "Vibe" ist aber wohl eher nicht f?r Traditionalisten/Puristen gemacht worden, oder?

Nun, Du kannst es nie allen gleichzeitig Recht machen. Pers?nlich bin ich stark von 'old-school" Bluesern wie B.B. King, Buddy Guy und Muddy Waters beeinflusst. Manche Leute m?gen nur den Chicago-Style, andere lieber den Mississippi- oder den Texas-Style. Ich mag all' diese Elemente des Blues und ich will sie zusammen bringen.
Muddy Waters ist da ein gutes Beispiel: er startete mit klassisch-traditionellem Mississippi- und Country-Blues und wurde sp?ter einer der herausragenden Vertreter des Chicago-Blues. Er blieb nicht in den Traditionen stecken sondern entwickelte sich weiter. Nun, er ging nicht so weit wie Jimi Hendrix, aber so ?hnlich .... Ich finde es sch?n, wenn die traditionell orientierten Folks mein Album m?gen. Aber wenn nicht, dann kann ich's auch nicht ?ndern.

Mein Eindruck von der deutschen Blues-Szene ist, dass sich die Traditionalisten und Modernisten oftmals recht unvers?hnlich gegen?ber stehen. Kannst Du das nachvollziehen?"

Du, das ist nicht nur in Germany so [lacht....]. Ich pers?nlich habe den Eindruck, dass es den meisten der Hendrix-J?nger [Namen m?ge sich der geneigte Leser bitte denken!] nur um Lautst?rke und Power geht. Was soll daran innovativ sein? Nein, f?r mich ist das nur ein ganz kleiner Auschnitt des gesamten Blues-Spektrums, das ich vorhin erw?hnt habe und ganz sicher verwende ich auch solche Elemente in meinem eigenen bluesy-style, aber nur ganz gering dosiert .... [lacht vielsagend].
Wei?t Du, Muddy Waters mag mich, Johnny Winter und B.B. King auch - so verkehrt scheine ich nicht zu liegen. Ich liebe nat?rlich diese Grossmeister des Blues und habe grossen Respekt vor deren Lebensleistungen, aber ich will mein eigenes Ding machen.

Der ungew?hnlichste Song ist Hey Juanita, das wie der junge Van Morrison klingt. Ist das einer Deiner Einfl?sse gewesen?

Ja sicher, aber das ist lustig, wenn Du Songs schreibst, Alben machst und dann Reviews bekommst. Jeder Reviewer l?sst seine eigenen Interpretationen einflie?en und das ist nat?rlich spannend f?r mich.
Der Vergleich mit Van Morrison wurde schon ein paar Mal gezogen und das ist nat?rlich eine grosse Ehre f?r mich, mit einem meiner gr?ssten Vorbildern und einem grossartigen Songwriter verglichen zu werden. Aber da haben wir's wieder: auch Van Morrison kam vom Blues und ist nicht am Ausgangspunkt stehen geblieben.

Dieser frische, unverbrauchte Sound von "Vibe" hat sogar Leuten gefallen, die zutiefst glauben, dass der Blues-Rock langweilig geworden und in einer tiefen Krise sei. Manche halten ihn gar f?r "klinisch tot". Was m?chtest Du diesen Kritikern sagen?

Ich denke, dieser Eindruck ist teilweise richtig und ich h?re oft solche kritischen Kommentare. Es gibt derzeitig wahnsinnig viel langweiligen Blues-Rock. Gerade in Nordamerika h?rt man sehr viele dieser klassischen 12-Takter oder diese f*cking Guitar-Solos, die den H?rer stundenlang qu?len und kein Ende nehmen wollen. Das wichtigste Ding im Blues ist f?r mich "Dynamik" und das geht den meisten ab. Sie starten den Song und bleiben bis zum Schluss auf demselben Level: konstantes guitar-linking und wenig flexible Rhythm-Sections - dazu Bullshit-Lyrics. Es gibt viel zu viel von diesem Zeug und das schadet nat?rlich der Blues-Scene ungemein!
Nat?rlich gibt's da eine Krise - mein Beitrag dagegen sollen ehrliche, handgemachte Songs mit vielschichtigen Arrangements sein. Die Soli sollen aber den Song nur unterst?tzen, alles andere ist nichts als Selbstbeweihr?ucherung.

.... und Du kannst au?erdem -im Gegensatz zu vielen anderen- singen! [wir lachen....]

Thanks, aber das ist ein sehr wichtiger Punkt f?r mich! In j?ngeren Jahren war ich beileibe kein guter S?nger. Aber ich habe hart an diesem Punkt gearbeitet und ich denke, dass man dies auf den letzten drei, vier Alben deutlich h?ren kann. Das hat sicher auch etwas mit Erfahrung und dem Alter zu tun. Meine Stimme ist f?r mich als Instrument genauso wichtig wie meine Gitarre.
Ich habe realisiert, dass wenn Deine Songs im kommerziellen Radio gespielt werden, die Leute -anders als auf den Blues-Stationen- zuerst auf den S?nger h?ren und sehr viel weniger auf den Gitarristen achten. Das ist f?r mich Ansporn, auch weiterhin an meinen Gesangstechniken zu arbeiten.

Warum wurde Something Ain't Right als Deine erste Europa-Single ausgew?hlt und nicht Dein Radio-Hit aus Kanada Love In The City?

Wir hatten grossen Erfolg damit in Kanada [Top-30 Hit] und wir spielen es live sehr gerne und die Leute m?gen es auch. Unsere Plattenfirma hat ein paar Leute in Germany beauftragt, das Radio-Airplay zu organisieren und die fanden, dass Something Ain't Right der bessere Song f?r das deutsche Radio sei. Vielleicht war denen Love In The City zu rockig [lacht....], aber 'mal sehen, m?glicherweise wird es ja die n?chste Single.

Ich finde, dass Love In The City der beste Song ist, den die ROLLING STONES niemals geschrieben haben .....

Das ist lustig: sowas in dieser Richtung h?re ich in Kanada, in Holland und auch bei Euch in Germany. Das ist nat?rlich ein grosses Kompliment. Bedenke aber erneut: wie Van Morrison kamen auch die ROLLING STONES aus dem Blues. Vielleicht ergeht es mir ja wie ihnen und wir treffen uns das n?chste Mal in .... was ist das n?chste Stadion hier bei Euch?

...der Ludwigspark in Saarbr?cken!!

Yeah, dann treffen wir uns n?chstes Jahr dort wieder .... [grosses Gel?chter, die Umstehenden gucken schon ganz komisch....]

Nun ist "Vibe" ja bereits 2004 in Kanada erschienen und wurde f?r Europa nur nochmals neu aufgelegt. Wann d?rfen wir hierzulande mit etwas Neuem von Dir rechnen?

Dazwischen liegt ja das "Acoustic"-Album, das 2006 f?r den Juno Award, den kanadischen "Grammy", nominiert worden ist und wenn ich jetzt nach Hause komme, steht die Verleihung eines weiteren Awards f?r dieses Album an. Das wird der dritte wichtige Award f?r dieses Album sein.
Ich werde definitiv nach dieser Tour anfangen, neue Songs zu schreiben und werde sicherlich auch den einen oder anderen Eindruck aus Germany in den Texten verarbeiten. Wann wir ins Studio gehen werden ist noch nicht geplant, aber es wird Anfang des n?chsten Jahres ganz sicher ein neues Album von mir geben.

Letztes Jahr im Oktober ist ein Gig von Dir, der erste auf deutschem Boden, bei Radio Bremen aufgezeichnet worden. D?rfen wir da mit einer Ver?ffentlichung rechnen?

Nun, das war eine merkw?rdige Aufnahme: mein Manager sagte mir, dass mein Acoustic-Programm aufgezeichnet w?rde und ich ging davon aus, das ich solo auf der B?hne stehen w?rde. Es stellte sich aber heraus, dass ich mit meiner Band auftreten sollte, aber mit akustischen Instrumenten. So ist das ein seltsamer Mix geworden [lacht....]. Dummerweise ging meine Gitarre auf dem Flug verloren, sodass ich mit einer, in letzter Minute organisierten fremden Gitarre auftreten musste. Da waren zu allem Ungl?ck noch die falschen Saiten aufgezogen, nun es waren sicherlich nicht die besten Bedingungen f?r mich. Es war ein guter Gig, keine Frage, aber f?r eine Ver?ffentlichung reicht das nicht aus!!

Was machst Du am liebsten, wenn Du nicht auf Tour oder im Studio bist?

Nun, viel Zeit bleibt mir da nicht .... Ich bin ja st?ndig auf Tour, und wenn ich dann 'mal zuhause bin, kommt bestimmt ein Anruf: "Hey, hast Du nicht Lust die-und-die Show zu machen?". Wenn ich jetzt nach Hause komme muss ich schon bald wieder nach Toronto und Montreal .... man kommt viel herum, sieht viel von der Welt, aber manchmal erm?det es schon.
Ich liebe es nat?rlich zuhause auf Vancouver Island zu sein, es ist traumhaft sch?n dort. Ich lebe mit meiner Familie auf einer Ranch und wir machen viel zusammen. Dazu gehe ich sehr gerne angeln oder h?nge herum, um Musik zu h?ren.

'Famous last words' f?r unsere Leser? Nun, ich begeistert von Germany und nehme viele positive Eindr?cken mit nach Hause. Ihr habt gutes Essen hier und verdammt gutes Bier. Aber, hey, ich trinke ja gerne Wein und habe viel Gutes ?ber deutsche Weine gelesen. Gerade gestern hatte ich einen fantastischen Rheingau-Riesling, einen der besten Wei?weine, den ich jemals getrunken habe. Ich werde mit Sicherheit ein paar Flaschen davon mit nach Hause nehmen.

Ich wei?' ziemlich genau wovon Du redest. Du sprichst hiermit einem Weinliebhaber. Vielen Dank f?r das Interview!!
[...sagte der Interviewer und trank den letzten Schluck seines Bit's...]

Steve Braun, 05.03.2008

 

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