David Gogo

Vibe


CD-Review

Reviewdatum: 16.01.2008
Jahr: 2008

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David Gogo Homepage



Redakteur(e):

Steve Braun


Vibe, Dixiefrog Records, 2008
David Gogo Vocals, Guitars
Brendan Hedley Keyboards
Jay Stevens Bass
Billy Hicks Drums, Percussion
Gäste:
Jeff Healey Guitar on # 1
Tom Wilson Vocals on # 7
Pierre Komen Saxophone
Tina Jones Trumpet, Vocals
Jona Kristinsson Vocals
Gerry Barnum Harmonica
Lloyd Christmas Bass
Produziert von: David Gogo and Rick Salt Länge: 44 Min 11 Sek Medium: CD
01. She's Alright06. Hey Juanita
02. 300 Pound Shoes07. Love In The City
03. Silk And Stone08. Hit Me From Above
04. Cry Harder09. Something Ain't Right
05. I'd Do Anything10. Why Don't You Show Me

"Ja, er heisst tatsächlich so" prangt auf dem Promo-Material von Gordeon Music ganz obenauf und das trifft einen berühmten Nagel auf den Kopf. Ob jetzt Nachkriegs-Kult-Automobil oder Hupf-Dohlen, irgendein doofer Spruch aus dieser Ecke kommt zumeist, wenn man von David Gogo, einem neuen Stern am Blues-Himmel, berichtet. Sobald die ersten Töne des neuen Albums erklingen, verstummt dieses "Gebabbel" schlagartig.

Immerhin schon sieben Alben hat David Gogo seit 1994 veröffentlicht und in seiner Heimat Kanada hat er es bereits geschafft. Dort teilt er mittlerweile mit den größten Acts die Bühnen und mit "Vibe" peilt er nun die BRD an. Er wird es auch hier schaffen, das ist gar keine Frage, denn die Blues-Szene hierzulande hat sich mit ihrer Sachkenntnis einen international hervorragenden Ruf unter den Blues-Künstlern erworben. Er wird im Februar im Vorprogramm von WISHBONE ASH bei uns unterwegs sein [siehe unsere Veranstaltungstermine!], und ich empfehle den Briten, sich schon 'mal auf einen ganz starken Support einzustellen. Auf dieser Tour werden vor allem die Songs seines aktuellen Albums "Vibe" zu hören sein, das hier besprochen werden soll, und, das kann ich vorweg schicken, es ist ein Kracher!!

Nun muss man allerdings vorweg schicken, dass "Vibe" nicht mehr ganz taufrisch ist. Es wurde bereits 2004 mit einem leicht veränderten Cover und einer anderen Songfolge in Nordamerika veröffentlicht. Love In The City wurde damals sogar ein kleiner Hit im kanadischen Mainstream-Radio. Nun will es Gogo wissen und das rührige französische Blueslabel Dixiefrog bringt nun "Vibe" erstmals in Europa heraus. Something Ain't Right soll es hier bei uns richten und ein Radio-Hit werden, das Potenzial hierfür hat der Song allemal. Ob er sich allerdings in unserem, wie es geplant ist, Mainstream-Radio durchsetzen kann, darf bezweifelt werden. Das liegt nicht an der Qualität des Songs, sondern eher an der Programmgestaltung der Sender, die eindeutig auf Kommerz ausgerichtet ist. Dagegen wird sich David Gogo in den diversen Blues-Online-Radios durchsetzen, davon darf mit Sicherheit ausgegangen werden.

David Gogo wurde im kanadischen Nanaimo, B.C. geboren und dort lebt er auch heute noch. In zarten Alter von vier Jahren bekam er seine Ukulele geschenkt und mit Fünf hielt er seine erste Gitarre in den Händen. Seine massgeblichen Einflüsse waren die herausragenden Blueser Howlin' Wolf, Son House und Stevie Ray Vaughan. Bereits mit 16 Jahren stand er als Profi auf den Bühnen West-Canadas und eröffnete für Cracks wie Albert Collins und seine Icebreakers. Schon bald hielt Gogo einen Major-Vertrag von EMI/Capitol in den Händen, aber das Intermezzo bei der Industrie dauerte nicht allzulange. Blues wird einfach bei kleineren Indie-Labels besser supportet, das ist ein Fakt. So manchen Award konnte sich Gogo in den vergangenen Jahren in seine Vitrine stellen, was seine Ambitionen verdeutlicht. Mit nahezu jedem bedeutenden Blueser hat er bereits auf der Bühne gestanden, unter anderem auch bei dem legendären Montreux Jazz Festival.
Im Herbst 2007 war Gogo nach längerer Pause wieder für einige Live-Gigs in Europa und zwar in den Blues-Hochburgen Be-Ne-Lux , da dort bereits im Oktober "Vibe" veröffentlicht wurde. Im Rahmen eines Auftritts bei Radio Bremen am 04.10.2007 wurde eine akustische Performance mit seiner Band aufgezeichnet, die nun zum Veröffentlichungsstart von "Vibe" von dem Sender ausgestrahlt werden soll. Vielleicht wird ja mehr, ein Album (?), daraus - wäre ja nicht das erste Mal, dass Radio Bremen so ein Ding aufzieht.
Sein letztes Album "Acoustic" ist auch in unserem Rockhaus vom Kollegen Ruland mit der gebührenden Begeisterung aufgenommen worden und so will ich mich nun gerne dem neuen (eigentlich "alten") Album widmen.

Los geht's gleich richtig krachend: She's Alright bringt er gemeinsam mit seinem Freund Jeff Healey, der satte Licks einzustreuen versteht und eine bärenstarke Nummer damit veredelt. Einen Gang zurück geschaltet wird bei 300 Pound Shoes, hier flirrt eine Hammond B3 dezent im Hintergrund, während eine Slide herzzerreissend singt. Vertrackt rhythmisch dreht sich Silk And Stone ohrwurmartig in die Gehörgänge - ein ganz feiner Track! Cry Harder knallt thorogood-mäßig aus den Boxen, knallige Riffs werden Dir nur so um die Ohren geblasen - David Gogo zieht nun wirklich alle Register des Blues-Rock.
Auf einem traditionellen Muster basiert I'd Do Anything, eher im Slow-Tempo gehalten, messerscharfe Brass' setzen punktgenaue Nadelstiche. Hey Juanita klingt dagegen sowohl stimmlich als auch instrumental nach Van Morrison zu seinen allerbesten Zeiten. So gesehen fällt dieser Track eindeutig aus dem Rahmen.
Es folgt das bereits angesprochene Love In The City, der Gogo Single-Hit anno 2005 in Kanada. Co-Autor Tom Wilson (JUNKHOUSE)) unterstützt Gogo auch beim Gesang. Love In The City basiert auf einem richtig rotzigen Riff mit einer quietschenden Slide untermalt. Dies könnte der beste Song ein, den die ROLLING STONES nie geschrieben haben. Das etwas düstere Hit Me From Above folgt und damit mein persönlicher Lieblingssong auf "Vibe".
Dann kommt die Hit-Single für Europa Something Ain't Right und ich muss sagen: eine gute Wahl und es wäre wirklich schön, wenn dieser Song funktionieren würde - in den Online-Radios der Bluessparte ganz sicher!! Den Schlusspunkt setzt mit Why Don't You Show Me eine klassische Old-School-Nummer.

David Gogos "Vibe"-Album bedient eher nicht die Traditionalisten unter uns Blues-Fans. Puristen, die alle Weisheit für sich gepachtet haben, werden möglicherweise ebenfalls die Nase rümpfen. Für alle anderen hat Gogo ein Meisterwerk abgeliefert. Er bedient sich der Roots als seiner Basis, die er stilsicher erweitert und so -mit anderen Bluesern gemeinsam- den Blues in neuen Hörerschichten ankommen lässt. Er glänzt als facettenreicher Sänger, als Songwriter und als gefühlvoller Gitarrist sowieso. David Gogo wird der Sprung über den 'grossen Teich' gelingen, soviel ist sicher!

Steve Braun, 16.01.2008

 

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