Deep Purple

Slaves And Masters


CD-Review

Reviewdatum: 28.07.2013
Jahr: 2013
Stil: Heavy Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Deep Purple
Slaves And Masters, Hear No Evil Records, 2013
Joe Lynn TurnerGesang
Ritchie BlackmoreGitarre
Roger GloverBass
Jon LordHammond & Keyboards
Ian PaiceSchlagzeug
Produziert von: Roger Glover Länge: 61 Min 04 Sek Medium: CD
01. King Of Dreams07.Fortuneteller
02. The Cut Runs Deep08. Too Much Is Not Enough
03. Fire In The Basement09. Wicked Ways
04. Truth Hurts10. Love Conquers All (Single Edit)
05. Breakfast In Bed11. King Of Dreams (Single Edit)
06. Love Conquers All12. Slow Down Sister (Single B-Side)

Die Geschichte kaum einer anderen Band ist dermaßen gezeichnet von Streitigkeiten und Besetzungswechseln wie die der britischen Heavy Rock-Institution DEEP PURPLE. Besonders turbulent waren dabei die 70er und 80er Jahre und einer der Streithähne war immer Gitarrist Ritchie Blackmore. Besonders gerne legte er sich dabei mit Frontmann Ian Gillan an, den der "Man In Black" der Rock-Szene gleich zwei Mal aus der Band herauskomplimentierte. Einmal 1973 nach dem Album "Who Do We Think We Are" und erneut 1989 nach dem Live-Werk "Nobody's Perfect". Bei der zweiten Gelegenheit besann Blackmore sich auch gleich seiner eigenen Vergangenheit bei RAINBOW und holte Joe Lynn Turner als neuen Sänger zu der Rest-Besetzung Roger Glover (Bass, der schon zusammen mit Blackmore und Turner zur letzten Besetzung von RAINBOW gehört hatte), Jon Lord (Hammond) und Ian Paice (Schlagzeug) an Bord.

In dieser - so genannten Mk. V - Besetzung nahm die Gruppe den Nachfolger zu "The House Of Blue Light" in Angriff, einem Werk, das die alten DEEP PURPLE-Anhänger doch etwas ratlos zurückgelassen hatte. Zu poliert der Sound (inlusive Gitarrensythesizer und elektronischen Drums), zu wenig mitreißend der Großteil der Kompositionen, kurz: zu wenig PURPLE. Nun sollte also mit "Slaves And Masters" die Kurskorrektur erfolgen. Aber leider blieb die Rückkehr zur ureigensten Klasse der früheren Werke wie "In Rock", “Fireball“, "Machine Head" oder auch "Burn" aus. Aber wirklich anknüpfen an das Niveau ihrer frühen Großtaten konnten PURPLE auch schon auf dem Reunion-Werk "Perfect Strangers" höchstens bei einzelnen Songs. Und schon alleine dadurch, dass Turner nur bei dieser einen Scheibe am Mikrofon mitwirkte, erscheint "Slaves And Masters" nicht wirklich wie ein DEEP PURPLE-Album.

Aber ist es deswegen auch automatisch als Ausfall zu werten? Oder hatte das Album angesichts der Erwartungen und der enttäuschten Rufe nach einer Rückkehr von Gillan (die dann auch prompt und auf Druck von Glover, Lord und Paice erfolgte) eigentlich nie eine faire Chance? Einiges spricht für die zweite Annahme. Denn die Herren Blackmore, Lord und Glover hatten die Kunst des Songwriting natürlich nicht verlernt. Dafür sprechen exzellente Rocker wie das sehr atmosphärische King Of Dreams, das ungemein treibende The Cut Runs Deep (fast schon in Burn-Manier) oder auch die ergreifende Hard Rock-Ballade Love Conquers All (nach der sich Bands wie SURVIVOR sicherlich die Finger geleckt hätten). Sie zeigen, dass die Band immer noch tolle Stücke komponieren konnte. Ein Stück wie Fire In The Basement unterstreicht zudem noch einmal die improvisationstechnisch brillante Seite der Band mit jazzigem Mittelteil und schönen Hammond-Einsätzen.

Dabei orientierte sich der Sound der gesamten Produktion sehr deutlich an den späteren RAINBOW-Alben (bei denen ebenfalls Roger Glover für die Produktion zuständig war) und den damals vorherrschenden sehr eingängigen Rock-Sounds (wie bei Truth Hurts, das ebenfalls sehr gut zu SURVIVOR gepasst hätte) als den eigenen Klassikern und diesem ziemlich einzigartigen Sound, den man ja selber kreiert hatte. Das bedeutet auch, dass damit ein ganzes Stücke Eigenständigkeit und Identifikation verloren ging. Ein zusätzliches Manko, das aber auch schon für "The House Of Blue Light" gegolten hatte.

Insofern dürfte die Erwartungshaltung an den Namen DEEP PURPLE einiges zum relativen schlechten Abschneiden des Werks beigetragen haben. Aber auch eher durchschnittliche Lieder wie Breakfast In Bed, Fortuneteller und insbesondere Too Much Is Not Enough sowie dem Umstand, dass hier kein wirklicher Klassiker – wie auch schon bei “The House Of Blue Light“ - vertreten war, durften sich die Anhänger in ihrer Einschätzung bestärkt fühlen, hier nicht die "richtigen" DEEP PURPLE vor sich zu haben. Dennoch war "Slaves And Masters" kein rundheraus schlechtes Album, sondern vielmehr eines unter den falschen Vorzeichen und dem eventuell falschen Namen. Zu RAINBOW - und gerade deren späteren Ausrichtung am Massengeschmack - hätte es vermutlich besser gepasst. Und die Fans hätten vorher schon gewusst, in welche Richtung es musikalischen laufen wird.

An dieser eher wenig vorteilhaften Rezeption durch die Anhänger wird wohl auch die „aufgewertete“ Version des Albums leider nur wenig ändern. Denn zum einen lassen sich alte Ressentiments selten so einfach korrigieren und zum anderen wurde das Album lediglich um drei Tracks erweitert. Dabei handelt es sich zum einen um die beiden lediglich etwas gekürzten Single-Edits zu King Of Dreams (37 Sekunden kürzer als die Album-Version) und Love Conquers All (minus 22 Sekunden) sowie die ganz ordentliche aber nicht umwerfende B-Seite Slow Down Sister. Da verwundert es nicht, wenn die PURPLE-Fans nicht gerade euphorisch über diese CD herfallen werden. Da wäre eine Bonus-CD mit Live-Aufnahmen oder aber zumindest vier bis fünf Live-Tracks (wenn man auf die zusätzliche CD verzichten wollte) von der anschließenden Tournee sicherlich der größere Kauf-Anreiz gewesen. Insofern tut die erweiterte Edition nichts dafür, den ramponierten Ruf dieses wahrlich nicht schlechten Rock-Albums zu retten.

Marc Langels, 23.07.2013

 

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