Deep Purple

Whoosh

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 04.08.2020
Jahr: 2020
Stil: Classic Rock
Spiellänge: 51:42
Produzent: Bob Ezrin

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Plattenfirma: ear music

Promotion: Networking Media


Redakteur(e):

Nachgehakt

Ralf Frank

Frank Ipach

Epi Schmidt

Michael Koenig

Marc Langels


s. weitere Künstler zum Review:

Gillan

Titel
01. Throw My Bones
02. Drop The Weapon
03. We‘re Alle The Same In The Dark
04. Nothing At All
05. No Need To Shout
06. Step By Step
07. What The What
 
08. The Long Way Round
09. The Power Of The Moon
10. Remission Possible
11. Man Alive
12. And The Adress
13. Dancing In My Sleep
Musiker Instrument
Ian Gillan Singer
Ian Paice Drums
Roger Glover Bass
Steve Morse Guitars
Don Airey Keyboards

Zeit ist relativ, das wusste schon ein gewisser Herr Einstein. Was sind schon 52 Jahre im kosmischen Kontext? Weniger als ein Fingerschnippen, einfach nur ein kurzes und knappes "Whoosh!".  Aus und vorbei.

In den Ohren ihrer zahlreichen Fans klingt die Karriere der ruhmreichen britischen Hard-Rock Institution DEEP PURPLE glücklicherweise nicht wie ein kurzes belangloses Zischen und ist auch im Jahre 2020 noch nicht am Ende, obwohl nach dem letzten Album ("Infinite") im Jahre 2017, immer wieder Gerüchte um den finalen Schlussstrich aufploppten.

Da sich die agilen Senioren offenbar selbst nicht allzu wichtig nehmen und ihre Existenz und ihr musikalisches Schaffen durchaus klug einzuordnen wissen, nimmt es sich auch nicht als ein Wunder aus, dass sich die Altvorderen nun - nachdem sie gesundheitliche Zipperlein überwunden haben oder in Schach halten können - gemeinsam mit Produzent Bob Ezrin abermals aufmachten, um dieses fast hundertprozentig stimmige Rock-Album namens "Whoosh!" einzuspielen.

Zugegebenermaßen weist "Whoosh!" hie und da auch ein paar Längen auf (Step By Step beispielsweise), die aber angesichts der Gesamtlaufzeit der Platte (knapp 50 Min.) kaum ins Gewicht fallen. Was Airey, Gillan, Glover, Morse & Paice vergangenen Sommer in einem Studio in Nashville vom Stapel ließen, bleibt unterm Strich bemerkenswert gut. Nicht nur gut für so einen Haufen alter Säcke, sondern auch insgesamt im Vergleich zu manch anderen Truppen, die sich mitunter nach zwanzig Alben nur noch im eigenen Glanze suhlen.

Davon sind DEEP PURPLE weit entfernt. Man hört und spürt, dass sie sich ihre Ideen nicht auf quälerische Art und Weise abgerungen haben, sondern in einem stetigen Prozess des Probierens in Form von etlichen Jam-Sessions gewachsen sind. Wie bereits erwähnt, fiel dem erfahrenen Bob Ezrin erneut die Rolle als Steuermann und musikalisches Korrektiv zu. Wie man in einigen Interviews liest, fühlte sich die Band im Studio als echtes Team und formte aus der Summe ihrer Einzelteile eine wunderbare und reibungslos funktionierende Einheit. Ja, im Alter lernt man auch mit einer gewissen Demut an die Sache heranzugehen.

Die musikalische Palette fällt ein wenig breit gefächerter aus als zuletzt auf "Infinite" und "So What?". Mitunter geht's sogar orchestral zu und Bombast mischt sich mit kernigen Rock-Riffs aus Steve Morses Fingern, der seine beklagenswerten Gelenkschmerzen wohl einigermaßen im Griff hat.

Ansonsten fällt heuer dem quirligen Tastenguru Don Airey ein größerer Anteil zu, als manch einer erwartet hat. Man hört neben der ehrwürdigen Hammond B-3 zumindest mehr Synthie-Kram als sonst. Das macht sich auf dem im Prog-Rock Sumpf watenden Man Alive natürlich besonders bemerkbar. Das gefällt möglicherweise nicht jedem alten PURPLE Fan. Doch die unentwegten Hard-Rock Spezis werden ganz bestimmt mit handfest rockenden Krachern wie Drop The Weapon, No Need To Shout und We're All The Same In The Dark mehr als entschädigt.

Dabei fällt auch auf, dass Producer Ezrin den scharfzüngigen und bissigen Texten von Ian Gillan jede Menge Backing Vocals spendiert, um die verständlicherweise etwas eingebüßte Elastizität von Mr. Gillans Organ etwas zu unterfüttern und zu entlasten. Das ist mal was anderes und nimmt sich im Gesamtkontext als recht homogen aus. Die spitzen Lyrics des Mittsiebzigers Gillan fallen deswegen jedenfalls nicht weniger kritisch aus als beabsichtigt.

Und wenn sich die warm gespielten Helden zum Ende des Albums noch ihrer eigenen Uraltnummer vom allerersten PURPLE Album annehmen und aus dem 1968er Instrumentalknaller And The Adress eine akkurat aufgehübschte Neuversion zimmern, dann spürt man zwar, dass sich der Kreis so ganz allmählich zu schließen droht, die gebündelten Kräfte aber dennoch genügend Wucht und Würde aufweisen, um so ein geiles und lohnenswertes Alterswerk zu produzieren.

Dass es DEEP PURPLE auch nach mehr als 50 Jahren im Business immer noch schaffen, solch eine packende Musik zu kreieren nötigt hoffentlich allen Fans den allergrößten Respekt ab. Und die Sache mit dem Aus und Vorbei darf ruhig noch ein Weilchen dauern, Herrschaften.

Redakteur: Frank Ipach


Hätte man nicht eine gute Chance gehabt, mit “Now What?) oder “Infinite“ einen recht passablen Schlussstrich zu ziehen? Womöglich ärgert man sich später mal über die verpasste Chance, aber das kennen wir ja, dass Künstler, gegen Ende ihrer Karriere, dann doch nicht so recht loslassen wollen/können und so sind DEEP PURPLE auch 2020 mit einem neuen Album am Start.

Klar, da erwartet man kein “Fireball“ mehr und mit Throw My Bones wirft man uns zwar freundlich ein paar Knochen zu, aber, auch wenn sich Steve Morse redlich müht, letztlich schunkelt es etwas zu leger dahin. Steve Morse erinnert mich immer etwas an Daniel Craig. Ähnlich wie der Bond-Darsteller macht er den Job schon länger als irgendeiner seiner Vorgänger und wird doch nie deren Status erreichen. Dazu ist er einfach zu wenig prägend. Der kann alles spielen, aber ein Riff wie zu Smoke On The Wateroder Burn will ihm nicht aus den Fingern. Vielleicht zu einfach.

Und der Gegenspieler fehlt auch irgendwie. Da, wo sich Blackmore und Lord nahezu wütende Gefechte geliefert haben, umspielen sich Morse und Airey und werfen sich die Bälle locker zu. Da baut sich nicht unbedingt Spannung auf, auch wenn es blitzsaubere und hochkarätige Arbeit bleibt.

Und Nummern, wie We're All The Same In The Dark kommen auch gut druckvoll. Hier fehlt nur das krönenden Solo. Das folgende Nothing At All nimmt den Schwung leider wieder raus und taugt mehr die Fingerfertigkeit von Morse und Airley unter Beweis zu stellen.

No Need To Shout eröffnet mit einer Jon Lord-Gedächtnis-Hammond und hat auch sonst einiges von frühen Songs und deren Drive. Gillan knödelt sich durch die Songs engagiert, zum “Shout“ reicht es bestenfalls noch ansatzweise Gut, der Mann steht kurz vor seinem 75. Geburtstag. Da will man ihm kein Into The Fire mehr zumuten. Trotzdem, den Song würde ich gern mal live hören, wofür wir uns aber – ob der auf 2021 verschobenen Tour – vorerst gedulden müssen.

Das munter rockende What The What erinnert im Refrain an “Soul Man“ von den BLUES BROTHERS und kommt Gillans Rock'n'Roll-Leidenschaft entgegen. Für PURPLE vielleicht etwas zu rock'n'rollig, aber wenn's Spaß macht?

Letztlich reißt mich nichts wirklich vom Hocker. Songs wie The Power Of The Moon laden sich zu viel Bombast auf und erdrücken das schwache Grundgerüst damit. Dann lieber mehr Vertracktes, wie Remission, wo Morse von der Leine gelassen wird und auch Airey mehr gefordert ist. Das Glover und Paice ein perfekten und überzeugenden Job verrichten braucht man eigentlich – wie immer – nicht zu erwähnen. An Gillans Leistungsfähigkeit muss sich der Rest der Band orientieren und die ist heutzutage eingeschränkt. Da der Charakter aber noch vorhanden ist, ist es trotzdem noch ein DEEP PURPLE-Album, wenn auch mehr für die gemütliche Autofahrt.

Redakteur: Epi Schmidt


Bereits meine letzte Review zum 2017er „Infinite“ Album begann mit „Offensichtlich wollen es die rüstigen Rocker auf ihre alten Tage noch einmal wissen“ und gleiches gilt auch wieder für „Whoosh“.
Bereits auf „Infinite“ war allerdings eines der Highlights relativ proglastig und dieses Thema haben DP wieder aufgegriffen und sogar ausgebaut. Das liegt vor allem an Aireys Synthesizer und Morse Fusion Exkursionen. Man kann verstehen, dass beide gerne aus dem Schatten ihrer Vorgänger treten möchten, aber DPs Markenzeichen sind nun mal Lords Hammond Orgel und Blackmores Stratocaster, welche auch nach deren Ausstieg weiterhin gepflegt wurden, ohne dies, erinnert „Whoosh“ eher an ein spätes GILLAN Album.
Überhaupt ist Gillans Gesang hier einer der wenigen Wiedererkennungswerte, denkt man sich diese weg, könnte es sich hierbei auch um eine x-beliebige Retro Rock Band mit Prog Attitüde handeln, die vermutlich  nicht die Beachtung bekäme, wie unter dem DP Moniker. Natürlich gibt es auch den  ein oder anderen Ausflug in die gute alte Zeit, No Need To Shout und The Power Of The Moon reißen es dann aber alleine auch nicht raus.

Redakteur: Ralf Frank


Ist das also nun der Schwanengesang der legendären DEEP PURPLE? Nicht wenige hatten das wohl schon von dem Vorgänger “Infinite“ gedacht und wurden nun ebenso überrascht wie der Schreiber dieser Zeilen, aber die kreativen Säfte, der Band fließen offenbar immer noch. Und das neue Album “Whooosh!“ bereitet den Gentlemen des Heavy Rock und ihrer Historie keine Schande. Die Zeiten furioser Rocker wie Burn, Black Night, Stormbringer, Space Truckin‘ oder Highway Star usw. sind schon lange vorbei. Dafür hat mit dem Einstieg von Steve Morse vor sage und schreibe bereits 26 Jahren ohnehin eine neue spielerische Musikalität Einzug gehalten, die auch auf “Whooosh!“ zu hören ist: etwa bei Nothing At All mit seinen schnellen aber sehr klassischen Gitarren- und Keyboard-Läufen, die mittlerweile viel mehr das Soundbild der Band prägen als knackige Smoke On The Water-artige Riffs. Dabei lässt Gitarrist Morse auch hier wieder häufig den Orgel- und Keyboard-Sounds von Tasten-Zauberer Don Airey den rein akustischen Vortritt. Am besten gefallen mir dann aber doch die Stücke, in denen sie sich gegenseitig  „hochschaukeln“ wie etwa bei We‘re All The Same In The Dark, No Need To Shout oder And The Adress – und bei What The What wenn DP dann auch kurz mal den alten Rock ‘n‘ Roll auspacken. Aber auch die übrigen Stücke zeigen eine äußerst spielfreudige und kreative „Alt-Herren-Kapelle“ (mit einer wieder mal sehr agil und aktiv groovenden Rhythmus-Sektion und einem prächtig aufgelegten, sehr charmant singenden Ian Gillan am Mikrofon). “Whooosh!“ wird sicherlich nicht in die Kategorie der Band-Klassiker à la “Machine Head“, “In Rock“ oder “Burn“ vordringen, ist aber ein weiteres sehr gutes Album, dessen Qualität die Band in ihrer langen und an Höhepunkten reichen Karriere nicht immer erreichen konnte.

Redakteur: Marc Langels


Zunächst einmal dürfen wir höchst erfreut feststellen, dass die ganzen schon seit geraumer Zeit im Umlauf befindlichen und lange nicht wirklich entkräfteten, Zweifel am Fortbestand der nicht umsonst  immer noch verehrten und geliebten Gruppe DEEP PURPLE nährenden, Meldungen wohl  entweder von vornherein ins Reich der Fantasie gehörten oder man es sich im Bandlager inzwischen wieder anders überlegt hat. Das erscheint jedoch völlig gleichgültig vor dem Hintergrund, dass die Hard Rocker weiter aktiv sind und ihren Fans sowie dem Rest der globalen Gemeinschaft der qualitätsbewussten Rockfreunde tatsächlich neues Songmaterial präsentieren.  

Sie können es also wohl doch einfach nicht lassen. Und das ist verdammt noch mal auch gut so. Die mittlerweile etwas älter gewordenen fünf Herren Ian Gillan, Steve Morse, Roger Glover, Don Airey und Ian Paice haben es nämlich schon wieder getan. Nach dem formidablen Longplayer “Now What?!“ von 2013 und dem ebenso starken Tonträger “Infinite“ von 2017 wird (nach diversen, bereits im Vorfeld erfolgten Singleauskopplungen) in Kürze das nächste neue Studioalbum der Hard Rock Heroen herauskommen. “Whoosh!“ lautet der kurz und prägnant gehaltene, aber ebenso dynamisch klingende Titel des heiß ersehnten, in Zusammenarbeit beim Songwriting und bei der Produktion (der insgesamt dritten) mit Bob Ezrin auf dessen Einladung in Nashville, Tennessee, dem Zentrum der Countrymusic, entstandenen Werkes.  

Wir alle wissen, was DEEP PUPRLE im Laufe ihrer Karriere schon alles erreicht haben. Sie zählen beileibe nicht grundlos zu den ganz großen Protagonisten und Entwicklungshelfern der harten Rockmusik in den 1970er Jahren. Diesen Ruhm konnten sie letzten Endes bis in die heutige Zeit konservieren. Alte und neue Anhänger hielten die Bandfahne zumindest so weit hoch, dass PURPLE (selbst nach krassesten Krisen, Umbesetzungen und Streitereien) niemals komplett der Vergessenheit anheimfielen. Obendrein gelang ihnen auch danach noch (in Post-Blackmore-Zeiten, als die Chemie innerhalb der Formation wieder stimmte) der eine oder andere Erfolg. Alte und neue Anhänger hielten und halten die Bandfahne, trotz aller Probleme, hoch. Und alle, die weiterhin über die Jahre hindurch an diese Truppe glaubten, sollten Recht behalten, denn seit einigen Jahren zeigt das Hard-Rock-Urungetüm wieder gnadenlos seine  Reißzähne. Es explodiert geradezu vor Kreativität und Schaffenskraft. Da passt auch das unmittelbar bevorstehende Album genau ins Bild.

Es ist wirklich kaum zu glauben, wie jung und frisch, zeitlos und aktuell, gleichzeitig aber ebenso traditionell und vertraut sich die Tracks anhören. Sämtliche Zutaten, die den DEEP-PURPLE-Stil so unverwechselbar ausmachen, sind vorhanden. Diese ganz eigene Mixtur aus Gesang, Gitarre, Keyboards, Hammondorgel, Bass und Schlagzeug verzückt den Rockfan (egal welcher Generation) bis in die Gegenwart immer wieder. Die alten Meister zeigen den jungen Klangkünstlern von heute, wie es geht. Und das mit Leichtigkeit und Spielfreude. Beinahe ganz nebenbei.     

Mit “Whoosh!“ katapultieren sich DEEP PURPLE in ihren, wer weiß schon, wievielten Frühling und sparen neben der mitreißenden Musik nicht mit kritischen Wortmeldungen zur heutigen, komplett verworrenen und unüberschaubaren Weltsituation.

Alles in allem betrachtet, können wir uns auf eine höchst unterhaltsame, äußerst stimmige, vielschichtige, dezent experimentelle, vollkommen überzeugende Bandleistung und ohne jede Abnutzung oder Altersmüdigkeit daherkommende Einspielung freuen. Es gibt nicht etwa nur einen Überfliegersong, sondern die komplette Scheibe ist wohltuend so professionell ausbalanciert, dass es einen solchen gar nicht braucht, damit “Whoosh!“ sich in den Ohren festsetzt.

Da bleibt zum guten Schluss bloß noch übrig, DEEP PURPLE zum lupenreinen Hattrick zu gratulieren. Gleich drei Spitzenalben (so spät in ihrer Historie) hintereinander. Das soll ihnen erstmal jemand nachmachen.

Natürlich wird es 2020/2021 eine ausgedehnte Europatour zu dem grandiosen Output der schon vor Jahren wieder erstarkten Hard-Rock-Legende geben. Wenn Corona nicht dazwischen grätscht, versteht sich.  

Redakteur: Michael Koenig

 

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