Desert Radio

Asleep At The Wheel

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 28.10.2008
Jahr: 2008

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Desert Radio Homepage



Redakteur(e):

Christian Gerecht


Asleep At The Wheel, Shut Eye Records, 2008
Patrick AldousDrums, Percussion, Vocals, Add. Guitars
Judd CochraneBass
Kevin ColesLead Guitar, Vocals
Scott LarsonVocals, Guitar
Guests:
Doug NauglerVocals, Piano, Organ, Guitar, Bass
Spencer CapierFiddle, Mandolin
Gord GrdinaDobro
Matt WarhurstBass
Produziert von: Desert Radio & Doug Naugler Länge: 41 Min 24 Sek Medium: CD
01. February Day07. Redwood Tree
02. Be There08. Something Happened To Me
03. Asleep At The Wheel09. Drunk
04. Bad Habits10. James Dean
05. Probably Anyway11. Wife
06. Down12. Juarez

Wie schon mehrfach angesprochen, ist der Aufenthalt in der Americana Nische nicht mehr besonders behaglich. Zuviel Massenware, zuviel Ramsch. Natürlich ist das genau das, was unsere, von unsäglicher Kakophonie geprägte "Geiz-ist-geil-" und "Superstar-Gesellschaft" braucht. Um mächtig Kohle zu machen brauchen wir keine Interpreten, die grandiose, mit individueller Artwork versehene Vorzeige-CDs schaffen, sondern offensichtlich jede Menge Mittelmaß und Massenware, "DsdSuperstars" und drittklassige Musikprojekte. Mehr und immer mehr davon. Leider nimmt sich da die, immer für ihre "ehrliche" Musik gelobte, Roots und Americana Ecke nicht mehr aus. Offensichtlich zählt sowohl für das "große" Musikbusiness, als auch für die hypen Zeitgeister nicht mehr die Qualität der Musik, sondern in erster Linie wie viel davon für möglichst viel Kohle verkauft wird bzw. auf welchen Chart-Rängen logiert. Ich weiß, ich bewege mich hier auf dünnem Eis, denn auch die Marketingstrategen vieler, von mir bevorzugten Bands arbeiten ähnlich. Wenngleich da meistens noch die Qualität stimmt, bleibt, angesichts von "Death Magnetic Särgen" und verschiedenfarbig ausgelegten AC/DC-Symbolen, ein überaus schaler Nachgeschmack.
Bleiben wir aber in der Americana (Roots Rock) Nische, denn immerhin darf ich den geneigten Lesern hier wieder einmal ein Album vorstellen, dass aus dem mittlerer Weile hundertfach erhältlichen Mittelmaß dieser Sparte heraus ragt.

DESERT RADIO heißt die Band, "Asleep At The Wheel" ihr Album, daheim sind sie in Vancouver/CA und sicherlich auch in manchem Roots Rock Gig! ;-)
Besondere Lorbeeren haben sie sich mit February Day in einer Hommage an den verunglückten NASCAR Star Dale Earnhardt verdient. (Er war an einem Februartag während eines Rennens in Daytona tödlich verunglückt). Ansonsten war und ist in unseren Breitengraden nicht viel über DESERT RADIO bekannt. Sollten wir mal versuchen zu ändern...
"Asleep At The Wheel" startet mit dem gerade angesprochenen February Day. Entgegen der Vorgeschichte des Songs aber nicht verhaltend-anklagend, sondern mächtig nach vorne treibend. Der Song hat eine schöne Hook, mächtig schrubbende Gitarren, schöne Backing Vocals und mit 2:52 Minuten überhaupt keine Längen!
Etwas zurückhaltender agieren DESERT RADIO mit Be There. Der Song ist an sich ganz interessant, hat aber m.A. nach keinen richtigen Biss.
Das ändert sich schlagartig mit dem schleppend-schönen Titeltrack: Asleep At The Wheel vereint alle Vorzüge klassischem Roots Rocks, ist spannend aufgebaut, mit einprägsamer Hook und unendlicher Sehnsucht versehen. Augen zu und im Geiste auf schmalen Straßen irgendwo durch die Herbstwälder der Ostküste fahren...
-Und mit Bad Habits geht die Fahrt gleich weiter. Ebenfalls ein guter Song, wenngleich er sich doch ziemlich nah verwandt mit Asleep At The Wheel gibt. Auch hier finden wir herrlich dominantes Gitarrengeschrubbe, das sich zum Schluss hin auch noch mit einer ebenso geschrubbten Violine duelliert.
Das kurze Probably Anyway ist (nein, dass ist nicht paradox) etwas langatmig. Zudem macht sich hier ebenfalls eine weitere, sehr enge Wesensverwandtschaft zu den voran gegangenen Songs bemerkbar. Auch wenn man diesen schleppend-gitarrenlastigen Sound und die gepressten Vocals als Trademark der Band versteht, klingt mir hier vieles einfach zu gleich!
Rockiger geht es wieder mit Down zur Sache. Hier spielt die Band ihre Trümpfe wieder voll aus. Das Take ist wirklich sehr gut gelungen und könnte ohne weiteres als Single-Auskopplung dienen.
Nach den eher depressiven Vorgängern kommt Redwood Tree beinahe schon als "Gute-Laune-Song" 'rüber. Die Nummer verfügt über einen fast schon positiv-poppigen Refrain und über eine vielschichtige Instrumentierung. Macht Laune!
Das folgende Something Happened To Me dürfte unbestritten die beste Nummer der Scheibe sein. Eher wieder depressiv angehaucht, zieht einen der Song regelrecht in seinen Bann. Auch hier punkten wieder die unwahrscheinlich dichte, vielschichtige Instrumentierung, klasse Vocals und eine wunderschöne Hookline.
Über Drunk muss ich, glaub' ich, keine großen Worte verlieren. Der Song ist, sagen wir mal, sehr einfühlsam interpretiert. So fühlt man sich nun mal, wenn man irgendwann am Nachmittag aufwacht, im Gaumen der Beelzebub sitzt und die Hypophyse das Lied vom Tod spielt...
Ebenfalls sehr einfühlsam ist James Dean! Das Take ist ein wenig eckig, was ich immer ganz gern habe, und mit denselben Attributen versehen, wie alle Nummern davor. Schöne Gitarrenläufe, klagende Vocals und kantige Hook.
-?- Ein Fragezeichen taucht bei Wife auf. Ist dieser Rocker schon punkig, isser nur rebellisch oder isser einfach nur ein positives Signal in Richtung Frustrationstoleranz...?
Zuletzt bleibt noch Juarez, dem ich die gleichen herausragenden Qualitäten bescheinigen kann, wie zuvor schon Something Happened To Me. Juarez kommt jedoch noch melancholischer daher, verfügt, nichtsdestotrotz, ebenfalls über eine prägnant-schöne Hookline, ist großteils aber wesentlich sparsamer instrumentiert.

Mit "Asleep At The Wheel" legen DESERT RADIO eine wirklich gut gelungene Roots-Americana Scheibe vor. Musik, die gerade an nebelig-kalten Oktober- und Novembertagen zur gesamt-desolaten Grundstimmung, die den Schreiber während der "dunklen" Jahreszeit befällt, ihren Beitrag zu leisten vermag. Keine Sorge, ganz so depressiv, wie sich das jetzt anhört ist es bei weitem nicht, wenn auch der Vergleich zur "dunklen" Jahreszeit mehr als passend ist. Wenn es zu "duster" wird, hilft es ungemein ein paar Briketts in den Ofen zu werfen und die Stereoanlage ein bisschen weiter aufzudrehen...;-)
Wer sein Herz an Bands wie LAST TRAIN HOME, SLOBBERBONE, die WALKABOUTS oder von mir aus auch CROSS CANADIAN RAGWEED (wobei die selten so depressiv klingen) verloren hat, kann mit DESERT RADIO nicht viel verkehrt machen und sollte "Asleep At The Wheel" unbedingt mal antesten.

Christian "Grisu" Gerecht, 28.10.2008

 

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