Dolly Varden

Forgiven Now

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 21.08.2003
Jahr: 2003

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Dolly Varden
Forgiven Now, Zomba, 2003
Stephen Dawson & Diane Christiansen Vocals, Guitar
Mark Balletto Guitar
Michael Bradburn Bass
Matt Thobe Drums
Gast:
Al Perkins Pedal Steel Guitar
Produziert von: Brad Jones Länge: 45 Min 29 Sek Medium: CD
1. Surrounded By The Sound7. There's A Magic
2. Trying To Live Up8. Time For Me To Leave
3. Forgiven Now9. Disappear
4. The Lotus Hour10. 1000 Men Like Cigarettes
5. Overwhelming11. Meant To Be
6. Wish I Were Here

Schön zu wissen, dass man auf seine Kumpels bauen kann. Man kann bei der schier unüberschaubaren Musikpalette unserer modernen Welt schließlich nicht alles im Auge behalten. So empfahlen mir doch Onkel Klaus und Dirk, unbedingt mal in die CDs der Chicagoer Band DOLLY VARDEN hineinzuhören: Roots-getränkte Musik mit reichlich Pop-Anteilen sei zu erwarten. Genau meine Kragenweite, also...

Witzigerweise benennen sich die fünf Musiker aus dem hohen Norden der U.S.A. nach einer seltenen Forellenart, die einerseits als schillernd, andererseits aber auch als recht halsstarrig einzustufen sei.
Anteile davon darf man getrost auf unsere Combo übertragen. Zogen sie es doch vor, den windigen Sprüchen diverser Major-Companies zu widerstehen und trotz einiger verlockender Angebote, im Schosse einer beschaulichen Independent-Firma zu verharren.
Die verträglichere Arbeitsatmosphäre zeitigte bisher immerhin 4 Alben und ein seit der Gründerzeit (1995) konstantes Line-Up. Eine spürbar homogene Truppe.

Das Songwriter-Ehepaar Diane Christiansen und Stephen Dawson wusste sich im Laufe der jeweiligen Veröffentlichungen Stück für Stück zu steigern. Hört man sich die letzten drei Alben mal in Ruhe an, vollzieht sich offenkundig ein Reifeprozess, der nun im letztjährig erschienen Werk "Forgiven now" gipfelt.
Würzte man die Songs auf dem dritten Album "Dumbest magnets" (2000) vornehmlich mit Country-und-Folk-Anteilen, liegt der Fokus bei "Forgiven now", neben den eben genannten Zutaten, in einem offeneren und vielschichtigeren Umgang mit den immer schon vorhanden gewesenen Pop-Song-Anleihen und dessen Melodieseligkeit.

Hier werden wunderschöne Gesangsharmonien in einem abwechslungsreichen Kontext vorgestellt. Die formidable Band (Gitarrist Mark Balletto setzt einige beachtliche Solo-Akzente) unterstützt die beiden, häufig im Duett singenden Dawson und Christiansen, auf sehr feinsinnige Art und Weise.
Stephen Dawson, der nach wie vor den Hauptanteil am Songwriting für sich verbucht, brilliert auf "Forgiven now" mit einer hörbar gereiften und daher exzellenten Stimme, die sich irgendwo zwischen Marshall Crenshaw, Buddy Miller und Paul Carrack einordnen lässt. Man höre nur einen Song wie Overwhelming und lasse sich von der Emotionalität der Stimme gefangen nehmen.
Gattin Diane setzt ihren Glanzpunkt in dem mit Gitarrist Balletto verfassten Lotus hour. Dieses atmosphärisch dichte Lied besticht durch den gekonnten Einsatz einer wehmütigen Pedal Steel (Saiten-Legende Al Perkins), dem psychedelisch anmutenden E-Bow-Solo von Balletto und den in Pop-Songs lange nicht gehörten Tablas. Das hat Klasse.

Gerockt wird zuweilen auch. Zumindest in dem mit gebremsten Schaum vorgetragenen Titelstück zeigen sich DOLLY VARDEN mal von einer anderen Seite. Doch die wahren Stärken dieser Band liegen eindeutig in den subtileren Momenten. Zwei der berührendsten Songs treffen in direkter Abfolge aufeinander und dröseln die Unzulänglichkeiten einer gescheiterten Partnerschaft messerscharf auseinander.
Time for me to leave und Disappear stünden einem anderen Roots-Ehepaar, ich rede hier von Buddy und Julie Miller, sicherlich sehr gut zu Gesichte. Auch wenn sich in manchen Tracks die musikalische Nähe zum Ehepaar Miller nicht verleugnen lässt, besitzen DOLLY VARDEN unzweifelhaft ihr ureigenstes Gesicht und können für sich einige unverwechselbare stilistische Charakterzüge proklamieren.

Und solange sie die Maßgabe ihres wundervollen Album-Openers Surrounded by the sound beherzigen, nämlich "I wanna be surrounded by the sound - surrounded till I drown - now I'm turning the music up too loud - could never be loud enough", sollten wir uns auf das hoffentlich bald anstehende nächste Album freuen. Diese kleinen Fluchten aus dem Alltag liegen uns doch alle sehr am Herzen. Und mit der Musik von DOLLY VARDEN gelingt dies eindeutig auf sehr elegante Art und Weise.

Frank Ipach, 21.08.2003

 

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