Stockholm Syndrome

Dresden, Star Club, 14.05.2004

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Konzertbericht

Reviewdatum: 14.05.2004

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Dresden, Starclub, 14.05.2004

Stockholm Syndrome Was muss eigentlich noch passieren, dass eine Jam-Rock-Band die ihnen gebührende Zuschauerzahl erhält?
Da gab sich schon eine nicht anders als Supergroup des Genres zu bezeichnende Formation wie STOCKHOLM SYNDROME die Ehre, die mit Jerry Joseph, dem Leader der fabulösen Truppe Jerry Joseph & THE JACKMORMONS den Initiator des Projekts, Dave Schools, Mitgründer und Produzent von STOCKHOLM SYNDROME und Bassist bei WIDESPREAD PANIC und GOV'T MULE, Eric McFadden, der schon bei Keb Mo, Les Claypool, GEORGE CLINTON & P-FUNK ALLSTARS, FUNKADELIC und PARLIAMENT die Gitarre bediente, Keyboarder Danny Dziuk, außer von DZIUKS KÜCHE noch von STOPPOK bekannt sowie die Drum-Legende Wally Ingram, der schon bei David Lindley, Jackson Browne, Tracy Chapman und Sheryl Crow die Felle bearbeitete, echte Zungenschnalzer ihres Fachs aufbieten konnte und dann kommen dennoch nicht mehr Leute als in München. Wenigstens ist der Dresdner Star Club nicht ganz so groß, so dass die etwa 50-60 Leute locker stehend mehr als die Hälfte des Raumes einnehmen.
Wahrscheinlich müßte eine Band mit Jim Morrison, Jerry Garcia, Jimi Hendrix, Jaco Pastorius und Keith Moon aufwarten können um ein paar Leute mehr anlocken zu können (dann wären zumindest ein paar Paraphysiker oder Spiritisten dabei).

Stockholm Syndrome

Aber mit bewundernswerter Leichtigkeit und Professionalität gehen die Musiker darüber hinweg und bieten stattdessen eine Jam-Rock-Show die sich gewaschen hat. Das Publikum wird auch sofort von den schweren, erdigen Grooves von American fork, das durch orientalische Einwürfe gewürzt wird, mitgerissen. Joseph ist sicherlich, wenn nicht der Kopf so das Sprachrohr der Band, deshalb kommt dann auch gleich I know there's a darkness von seinem "Mouthfull of copper"-Album (unser Playerverstopfer), aber in dieser Gruppe stellt sich keiner heraus, es greift ein Rädchen ins andere zu einem runden Ganzen.
Der Sound ist ziemlich gut, nur Eric McFadden hat gelegentlich kleine Problemchen mit der Akustik.

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Über Kind of place und Big lagoon kommt man dann zu einem weiteren gemeinsamen Werk vom Album "Holy happy hour", Purple hearts, bei dem eine richtige Barjazzatmosphäre voll relaxter swinging moods aufkommt. Dann betritt plötzlich der freundlich-zauselige Roadie die Bühne und verteilt die Setlists. Zu diesem Zeitpunkt war schon eine gute Stunde vorbei!! Man sieht, hier haben sich fünf Vollblutmusiker gesucht und gefunden: Der intensive Sänger und vielseitige Gitarrist Jerry Joseph, der die filigranen Töne aber auch die Rockbreitseite beherrscht (Fred hat Recht mit Graham Parker; das kam mir auch in den Sinn als ich ihn das erste Mal hörte). Weiterhin Dave Schools als Mr.Groove zwischen Südstaaten-,Westcoast- und allen sonstigen erdigen Sounds schlechthin, Eric McFadden als äußerst ökonomischer Gitarrist, der funky aber auch rockig spielen kann, was man eher selten antrifft, Danny Dziuk als distinguierter Keyboard-Professor, der nicht nach billigen (Sound-)Effekten heischt wie mancher seiner Kollegen, sondern solide und verläßlich die Klanggebilde anreichert und über die Perkussionlegende Wally Ingram weitere Worte zu verlieren, Ihr wißt schon, Eulen und Athen.

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Mit Sack full of hearts stellt sich dann karibisches Feeling in Dresden ein (immerhin wurde "Holy happy hour" auch auf den Bahamas aufgenommen) bevor bei Couldn't get it right wieder gnadenlos gut abgejammt wird, das die CLIMAX BLUES BAND dagegen zur Fahrstuhlmuckentruppe wird.
Nach Ray of heaven verkündet dann Joseph "we have a short break for about fifteen minutes", was Dziuk fast korrekt mit "wir machen jetzt zwanzig Minuten Pause zum Mineralwasser trinken" übersetzt.

Auch der zweite Set steht dem ersten in nichts nach.
Nach dem drängelnden, furiosen Opener Counter clock world folgt das dichte Empire one. Any other day, Danny Dziuk's Song Spy, das grandiose Road to Damascus halten Spannung, Stimmung und gute Laune aller Beteiligten am Köcheln.
Nach etwa zweieinhalb Stunden verabschiedet sich die Band mit Crime and punishment nur kurz, um mit Light is like water von Jerry Joseph's "Goodlandia"-Album eine angemessen epische Zugabe abzuliefern. Nach weiteren mehr als zwanzig Minuten werden dann die Zuschauer in die Dresdner Nacht entlassen mit der Gewißheit, zu den wenigen Auserwählten zu gehören, die eines der Konzerthighlights des Jahres 2004 miterlebt haben.

Ralf Stierlen, 18.05.2004

 

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