Drive By Truckers

Ugly Buildings Whores And Politicians Greatest Hits 1998-2009

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 05.12.2011
Jahr: 2011
Stil: Alt. Country, Southern Roots Rock

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Redakteur(e):

Christian Gerecht


Drive By Truckers
Ugly Buildings Whores And Politicians Greatest Hits 1998-2009, New West Records/Blue Rose Records, 2011
Mike CooleyVocals, Guitars
Patterson HoodVocals, Guitars, Banjo
Jason IsbellVocals, Guitars
Brad MorganDrums
John NeffPedal Steel, Guitars
Shonna TuckerBass, Vocals
David BarbeGuitar, Piano, Backing Vocals
Earl HicksDrums
Adam HowellGuitar, Banjo
Matt LaneDrums
Rob MaloneBass, Vocals
Spooner OldhamWurlitzer, Hammond B3
Jyl FreedBacking Vocals
Clay LeverettBacking Vocals
Amy PikeBacking Vocals
Anne Richmond-BostonBacking Vocals
Produziert von: David Barbe Länge: 75 Min 39 Sek Medium: CD
01. The Living Bubba (1998)09. Outfit (2003)
02. Bulldozers And Dirt (1999)10. The Righteous Path (2008)
03. Ronnie And Neil (2001)11. Gravity's Gone (2006)
04. Zip City (2001)12. Never Gonna Change (2004)
05. Let There Be Rock (2001)13. 3 Dimes Down (2008)
06. Marry Me (2003)14. Lookout Mountain (2004)
07. Sink Hole (2003)15. Uncle Frank [alternate version](2009)
08. Carl Perkins' Cadillac (2004)16. A World Of Hurt (2006)

Selbst wer regelmäßig über Musik schreibt, dem ist es unmöglich jede Band seines Ressorts von Beginn an im Auge gehabt zu haben. Die meisten Schreiber bekommen per Zufall eine Scheibe zur Besprechung, sind, im glücklichsten Fall, davon hingerissen und beginnen, so ist es eher die Regel, eine Reise in die Vergangenheit, die dann bei mancher Band Album um Album aufgearbeitet wird. Da wir ja zumeist über aktuelle Musik referieren, ist der Trip nach hinten in der Regel nicht länger als ein bis drei Scheiben. Doch hie und da geht es tatsächlich auch mal von vorne los und man findet sich in einer Situation, deren Schicksalsträchtigkeit anfangs vielleicht völlig unterschätzt wird.

Stell dir vor, lieber Leser, du bist November 1998 ein paar Tage in Louisiana. Auf dem Land natürlich. Ein paar legere Ferientage mit einfachem Gepäck zwischen einfachen Hotels, einfachen Farmhäusern, einfachen Menschen und einfachem Mietwagen. Seit zwei Tagen schon regnet es ohne Unterlass. Und weil du ein paar nass gewordene Socken und T-Shirts waschen müsstest, fährst du den gemieteten, etwas herunter gekommenen 92er Ford Tempo in dieses kleine, von endlosem Grün umschlungene und durchwirkte Städtchen.
Und weil der erste Waschsalon ohnehin der Beste ist und der Verkehr es zulässt, zwingst du den Ford zu einer 180 Grad Kehre über vier Fahrspuren, rumpelst über den Randstein und lässt die Karre genauso schief stehen, wie 's die Einheimischen auch zu tun pflegen. Mit Wäschesack und Kleingeld enterst du die drei, vier Treppenstufen hinauf zum Salon, wirfst T-Shirts, Boxer Shorts und drei paar Socken in das riesige Maul jener riesigen Waschautomaten, kippst ein bisschen Waschpulver dazu und hast dann gut eineinhalb Stunden Zeit.
Was nun? Zur Coffee Bar gegenüber oder lieber in diesen etwas merkwürdigen kleinen Laden zwei Türen neben dem Waschsalon. Mindestens zwanzig Schallplatten baumeln dort an Lederriemchen über dem Schaufenster. Ein Verbrechen, dem keine Vinylscheibe zum Opfer fallen sollte! Allerhand weitere Lederbänder, Kettchen, Federn, Krallen, Zähne und andere Voodoo Zaubereien hängen unter dem Sonnendach.
Im schwarz ausgelegten, schmalen Raum hinter dem Schaufenster liegen, wohl als "Basic-Deko", die nie verkauften Tonträger der letzten zwanzig Jahre; verblichene Vinyl Singles, Musik-Cassetten und Mini-Disks, dazwischen drapiert ein paar aktuelle CDs creolischer Musiker, Mojo Beutel, Päckchen mit Räucherwerk, Gitarrensaiten und Plektren. Konzerttermine des halben Delta Mississippi und eine schwungvolle Widmung CHUBBY CARRIERs auf dessen letzten CD Flyer sind krumm und schief an die Eingangstür gepinnt.
Aus dem dunklen Inneren hörst du leise die NEVILLE BROTHERS die Tonleitern erklimmen. Keine Frage. Du gehst stante pede in dieses schummrige Lädchen. Der Hauch zehntausender, verstorbener Räucherstäbchen erfüllt den Raum. Ein großer Ventilator schaufelt langsam die Luft von einem Ende des Ladens zum anderen. Ein Dutzend (CD-)Regale entlang aller vier Wände geben nur eine Tür zu den Hinterzimmern und den Platz für eine kleine Theke frei.
Erst auf den dritten Blick siehst du eine etwas moppelige, milchkaffeebraune Großmutter hinter der Bar sitzen. Sie guckt nur. Sagt kein Wort. Du salbst ihr freundlich deine besten Brocken reinen Englischs um die Ohren. Sie nickt nur und drückt einen Klingelknopf an der ersten Thekensäule. Durch deinen Kopf drängt sich gerade noch die belustigende Ansicht, dass es schon seit gefühlten zweitausend Jahren Ladenklingeln gibt, die auch ohne Großmutters Zeigefinger funktionieren, als ein zerfurchter, scheinbar hundert Jahre alter Creole mit fürchterlich fleckiger Gesichtsbehaarung durch die Hintertür tritt.
Er grüßt freundlich, bleibt aber distanziert. Natürlich will er, um gutes Englisch bemüht, sofort wissen, woher du kommst. Ehrlich nennst du "Bavaria" als deine Heimat. Selbst im tiefsten Dixie kennt man, trotz Mardi Gras, Bavarian Beer und "Octoberfest" und den Ami an sich freut es immer ungemein einen "echten" Shoeplattler, Fingerpuller oder Yodeler kennenzulernen. Gleich darauf wirst du gefragt, ob du etwas trinken möchtest.
Kaum hast du bejaht und ein 7 Up bestellt, wird dir mit unergründlichem Gebrummel eine eiskalte Flasche(!!!) Dixie Lager auf die Theke gestellt. Den Minen von "Bartträger" und Großmutter kannst du in Großbuchstaben entnehmen, dass aus Bayern kommend und kein Bier trinkend unmöglich zusammen passt. Auch nicht Vormittags in Lousiana's Süden! Zumal der Ladeninhaber keinen Zweifel daran lässt, dass diese erste Lage an ihn geht, trinkst du höflichkeitshalber gleich mal die halbe Flasche leer.
Nebenbei erfährst du, dass die Großmutter eigentlich die Schwester ist, die an irgendeinem (nicht übersetzbaren) Infekt der Stimmbänder leidet. Wie aufgerufen krächzt sie ein paar undefinierbare, aber wohl freundliche Worte, die du nur abnicken kannst. Ehe du fragen kannst, ob du ein bisschen nach aktuellen CDs kramen darfst, prostest dir der Ladenbesitzer ein drittes Mal zu. Nur nicht leer trinken, sonst ist Mittags schon Zapfenstreich!
CDs, Gitarrensaiten und Voodoo-Artikel sucht man in so einem Laden natürlich nicht alleine. Gebückt wieselt der ältere Herr an eines der CD Regale, wobei er dir, nun unbewusst im Slang des hiesigen County's, ein paar Fragen an den Kopp wirft. Nee, du suchst nicht wirklich nach creolischer Folklore, mehr so Southern oder Texas Rock. "Verstehe", murmelt der Mann und führt dich zum nächsten Regal.
"A"- wie ALLMAN BROTHERS... hier sind wir richtig. Du flippst also mit den Fingern zwischen "A" wie die berühmten Brüder und "Z" wie ZZ Top und weißt erstmal gar nicht nach was du suchst. BOTTLE ROCKETS "Leftovers", Outtakes der "24 Hours The Day", ist neu. Na das passt doch schon mal! "Silent Reign Of Heroes" dagegen bleibt erstmal liegen. Sicher ist Sicher...! Während du so dahinflippst (und dabei durchaus harte Entscheidungen triffst), fragt dich der Ladenbesitzer augenzwinkernd ob du ein zweites Bier möchtest. Na, was bleibt dir da schon anderes übrig...
Er bringt dir eine zweite Flasche Dixie Lager, guckt ein wenig auf deine flippenden Finger und drückt dir kurz darauf, mit den Worten "...new Band from Alabama", eine ungewöhnliche CD in die Hand. Als "New Country Southern Rock" wird dir der Musikstil umschrieben, während du die freche, kackebraun unterlegte Cover-Karikatur bestaunst. Ein breites Grinsen fährt dir ins Gesicht, denn die Botschaft der Zeichnung sagt eindeutig zweideutig aus, dass man auf alten Rädern gut Radfahrern lernt...!
Ob sich die Band nun "Gangstabilly" oder "Drive-By Truckers" nennt?! Egal. Ein Blick auf das Back-Cover und Songtitel wie Wife Beater, Panties In Your Purse oder Buttholeville und Sandwiches For The Road zeigt dass hier offensichtliche wahre Kreativköpfe am Werk sein müssen... Hoppala! Der Verwalter von Tonträgern, Saiten, Dixie Lager und Voodoo Zauber zupft dir die "Gangstabilly" CD aus den Händen, beendet schlagartig Aaron Neville's Vokal-Akrobatik, schiebt die DRIVE-BY TRUCKERS in den Player hinter der Bar und dreht den Volume-Regler ganze zwei Strichlein lauter:
Wife Beater rollt aus den Boxen, mmh, mehr Country als Southern Rock, aber kommt richtig gut. Der stimmgeschädigten Schwester, die immer noch wie angewachsen hinter der Bar sitzt, entfährt ein Krächzer. Ihrer Mimik nach mochte sie die NEVILLE BROTHERS wohl lieber. Du deutest dem Ladeninhaber nach vorne zu skippen und nach Titel 4, The Living Bubba hast du "Gangstabilly" schon allein aus Rücksicht auf die arme Frau, gekauft.
Ein erstes Kennenlernen, zumal ganz anders als bei jeder geschätzten Band zuvor, verbandelte also den, zugegeben, etwas kauzigen Grisu/Upper Bavaria mit der nicht minder kauzigen Songwriter-Gemeinschaft Hood-Cooley/Alabama zu einer bis heute andauernden Liaison. Eine Liebschaft, deren erstes Date in jenem kleinen Lädchen zwei Türen neben dem Fluff 'n' Fold Laundromat schrulliger nicht sein konnte. Natürlich blieb es bei Theodore und seiner Schwester Estelle nicht allein beim Kauf von "Gangstabilly" und "Leftovers".
Ein halbes Dutzend Mojo-Beutel hochinteressanten Inhalts, Alligatorenzähne und Vögelkrallen und (Moment... sachte ich grad' "Vögelkrallen...?!" Aber nun ganz schnell weg mit "die" Pünktchen!). Auch ein echtes Voodoo Püppchen musste mit an Bord. Und als zuletzt die stumme Schwester freudig strahlend und mehrfach mit Daumen und Zeigefinger "Okay" gestikulierend ein Album von BOOZOO CHAVIS zu "Gangstabilly", "Leftovers" und Voodoo Zauberkram legte und der Chef, treuherzig blickend, zugab, dass dies sein und Schwesterchens absoluter Superstar wäre, wurde der creolische Quetschen-Spieler mit der etwas merkwürdigen Stimme eben auch noch eingepackt... zehn Bucks, die man hätte auch schlechter anlegen können... (bei McDoof zum Bleistift!)
Der restliche Tag, das sei zuletzt noch erwähnt, klang mit endlosem Regen und einer mitgebrachten, ordentlichen Packung Jambalaya auf der schmalen Veranda eines kleinen Motels unter riesigen Sycamore Trees aus. In Gesellschaft einer Dose Dr. Pepper (für den kleinen Durst), einer 50cl Pulle Jack Daniels (natürlich in der Papiertüte), einer Schippe Eis, einem Löffel (für die Jambalaya) und den DRIVE-BY TRUCKERS und BOTTLE ROCKETS im CD-Walkman in Dauer-Rotation ging der Nachmittag und frühe Abend zu Ende. Dass wenige Tage später die fünf Mojo-Beutel vom Zoll des Fraport so gewissenhaft inspiziert werden mussten, dass der Euro City in die Heimat verpasst wurde (die Vogelkrallen steckten zum Glück in der linken Hosentasche), konnte die Stimmung nur kurz trüben.
Schlussendlich ist "Gangstabilly" auch heute noch eines der liebsten Alben, die der Schreiber aus dem mittlerer Weile immens gewachsenen Repertoire der TRUCKERS fischt; Erinnerungen an gastfreundliche, aber auch geschäftstüchtige Menschen, einen klapprigen "Tempo" und viel Regen inklusive! Sicher, manche Scheibe der DRIVE-BY TRUCKERS ist krachender, einvernehmender, schlicht besser. Aber so schlicht und doch rau und wild waren sie nur zwischen "Gangstabilly" und "Alabama Ass Whuppin'"!

Kommen wir aber nun zum eigentlichen Zweck dieses Reviews:

Nun sind tatsächliche dreizehn Jahre und elf (offizielle) Alben seit diesen Novembertagen 1998 geschrieben und diese besondere Zuneigung zu den DBT dauert weiter und weiter an. Vor allem auch, weil Wes Freed fast jede DBT Scheibe zu einem Gesamtkunstwerk macht. Was? Hier mault jemand, Freeds "Gekritzel" sei primitiv? Na dann Alter, setz' dich mal hin und versuch' es zu imitieren! Freeds Artwork mag vielleicht nicht von solch distinguierter Eleganz sein wie die Neon Parks (LITTLE FEAT, ZAPPA), aber sie repräsentiert sowohl die verschrobenen Charakterköpfe der Band, als auch deren Heimat bis ins Mark. Zudem lässt ihm, wie ja unschwer ersichtlich, der Schreiber seine uneingeschränkte Bewunderung zukommen. Dennoch und ganz ehrlich: Nicht jedes Album der DRIVE-BY TRUCKERS war, ob mit Freed Cover oder ohne, der absolute Burner, aber jedes Album war und ist echt; voll dem Herzblut aller Bandmitglieder!
Und so macht es nach wie vor irren Spaß die eckigen Kauzigkeiten und freakigen Rhythmen aus diesem "Alt. Country Southern Roots 'n' Folk Blues Rock" heraus zu selektieren, sich an endlos schöne Glissandi einer Pedal Steel zu hängen und sich von Typen wie Hood oder Cooley eine frech-frische Packung sau-cooler Lyrics oder packender, geradezu gepredigter Botschaften zu holen. Aberwitzig bis entsetzliche Geschichten wie Two Daughters And a Beautiful Wife, The Three Great Alabama Icons, The Presidents Penis..., Loaded Gun In The Closet oder Sorry Houston; von Angels And Fuselage fang' ich besser gar nicht an...
Die DBT haben sich heute zu einer festen Größe der US Rock Szene (im Süden sind sie ohnehin Heroes) etabliert. Die so inspirierende Zeit mit Jason Isbell konnte kompensiert werden und die beiden Hauptdarsteller und Songschreiber Cooley und Hood haben mit Shonna Tucker nicht nur eine ganz eigen spielende Bassistin, sondern auch wieder eine dritte, überaus angenehme Stimme an Bord geholt. Zudem kann und darf sich Shonna auch mit ihren eigenen, bislang sehr guten Songs in die Band einbringen. Ein Aspekt, der den TRUCKERS bisher überaus gut getan hat.

Nach all diesen Jahren und Scheiben war es natürlich schon längst an der Zeit, dass ein Best Of Album der TRUCKERS erscheint. Und wie sich jeder, der die Band ein wenig besser kennt, denken kann, wird ein solches Best Of Album ganz gewiss nicht als "Best Of" Scheibe feilgeboten, sondern, den Eigenheiten der Band um Patterson Hood und Mike Cooley geschuldet, mit dem schönen Titel "Ugly Buildings, Whores & Politicians - Greatest Hits 1998 - 2009" bedacht. Wobei das mit den "Greatest Hits" ja ohnehin ein Kalauer vor dem Herrn ist. Ich würde mal frei heraus die Meinung kund tun, dass sich maximal nur drei Prozent der DBT Songs als Greatest Hits vermarkten ließen. Wobei die offiziell als Singles veröffentlichten Nummern dann nicht zwingend die wahren Hits der Fans darstellen müssen (siehe Santa Fe - von allen geliebt, jedoch keine Singleauskopplung).
Immerhin bietet uns "Ugly Buildings, Whores & Politicians" einen wirklich sauberen Abriss aus eben jener Schaffensphase und es ist, für mich, besonders schön, dass auch ihr "Frühchen", die allererste Single aus 1996, Bulldozers And Dirt, mit von der Partie ist. Nach diesem Einstieg (gemeinsam mit Song Nr. 1 The Living Bubba) aus den frühen Tagen der Band folgt gleich mal ein mächtiger Hattrick bestehend aus Ronnie And Neil, Zip City und Let There Be Rock von der Southern Rock Opera. Die beiden Messiasse der Band mit weit geöffneten Armen ihre Schäflein vor die Marshall Boxen holend. Da bleibt dem Neueinsteiger ganz gewiss erstmal die Luft weg. Den weiter anstehenden Wechsel mit Songs der diversen Alben, dieses herrliche hin und her hüpfen zwischen den Jahren, entnehmt bitte der Tracklist (die behufs dieses Zwecks mit den Jahreszahlen der entsprechenden Veröffentlichungen versehen ist).
Allein der gelungene Remix von Gravity's Gone (vom "A Blessing And A Curse" Album) ist bisher tatsächlich unveröffentlicht. Aber das soll erstmal egal sein. Viel wichtiger scheint, dass "Ugly Buildings, Whores & Politicians" den Hörer auf angenehme Weise in den Werdegang der Band einbezieht und durch die Song-Welt der DBT geleitet. Wobei natürlich auch die Zeit mit Jason Isbell entsprechend gewürdigt wird - herausragend: Never Gonna Change; mit sägenden Boogie-Äxten rollen die TRUCKERS und Isbell alles in Grund und Boden!
Ebenfalls nicht aus dem Repertoire der Band wegzudenken: Das düstere Sinkhole, die durch und durch amerikanischen Alt.Country-Novellen Carl Perkins' Cadillac, Uncle Frank (als alternate version) und Gravity's Gone. Einer regelrechten Wand an Gitarren sieht sich der Hörer bei Lookout Mountain (von der "Dirty South") gegenüber, während 3 Dimes Down genau die Nummer ist, die Jagger und Richards auf "Exile On Maine Street" fehlte. Eine besonders tief gehende Packung gibt es am Ende mit Hoods musisch gewordener Selbstgeißelung in A World Of Hurt, die den Zuhörer ganz tief in diesen Hood'schen Mikrokosmos hinein zieht und ein Greatest Hit der wohl gegensätzlichsten Art ist (zumindest zu dem, was die Musikbranche darunter versteht).

Natürlich ist es so, wie es bei einem Best Of/Greatest Hits Album immer ist: Der Hörer findet einen Gutteil seiner Lieblingssongs und doch wird so manche, direkt in Herz oder Ohr sitzende (wo, verdammt, ist Danko/Manuel?) oder laut um Beachtung buhlende Nummer vermissen. Bei den DRIVE-BY TRUCKERS ist es jedoch egal, denn ich schätze, dass die potentiellen Käufer in zwei Lagern zu suchen sind:
Die Neuen, die mal vorsichtshalber zur bewährten "Greatest Hits" greifen und die "Alten", langjährige Freunde und Fans der Band, Musiksammler, die allein nur der neuen Scheibe wegen zuschlagen. Dann gibt es vielleicht auch diejenigen, die endlich wieder ihren alten Plattenspieler vom Schlafzimmerschrank hieven, entstauben und nach endlos langer Zeit, mit größtem haptischen Vergnügen das Doppelalbum der "Ugly Buildings, Whores & Politicians" öffnen, die liebevolle Aufmachung und ebensolche Artwork bewundern, Langrillen in vorzüglich-schwerer Qualität auf den Plattenteller legen und mit einer Träne im Auge den lange vergessenen, warmen Sound einer Vinylscheibe genießen. Für die Freunde digitaler Tonträger sei noch angemerkt, dass die Fold-Out CD mit einem schönen Booklet und Liner Notes von David Fricke/"RS" versehen ist. "Ugly Buildings, Whores & Politicians" ist eine Scheibe, die Neueinsteiger, egal ob Vinyl- oder CDs liebend, unter Umständen völlig süchtig macht, Vielhörern wieder mal einen deutlich hörbaren Querverweis auf eine der besten US Bands durchs Gehör nagelt und den alten DBT Hasen das Gefühl gibt, weiter auf Augenhöhe mit einer ihrer liebsten Bands zu sein. Zuletzt wird wohl nicht nur der Schreiber ein weiteres Wes Freed Cover (und Tour Poster) in die lange Reihe der meist an der Stubenwand ausgestellten DRIVE-BY TRUCKERS Alben einreihen...
Uneingeschränkte Kaufempfehlung für alle die Musik lieben!

Christian "Grisu" Gerecht, 29.11.2011

 

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