Driveway

Traveling Light


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Traveling Light, Curve Music, 2008
Jason TaylorVocals, Guitars
Corey MathesonVocals, Guitars, Pedal Steel
Chris SytnykBass
Robin MasonDrums
James GrayB3, Mandolin, Accordion, Fiddle
Melanie HilmiBacking Vocals
Produziert von: Jason Taylor & Lurch Länge: 47 Min 53 Sek Medium: CD
01. Looks And Money08. Collapsing
02. Peace Love09. California
03. Sweet Lorraine10. Baby's Revolution
04. Virginia11. Higher Ground
05. Since You've Been Gone12. I Feel Alright
06. Hollywood13. Fades To Black
07. Wasted Time

Zum Jahresende 2008 hin schneite noch eine Scheibe in die Redaktion, welche vom ersten Eindruck her besser in sonnigere Jahreszeiten gepasst hätte. Allerdings müssen DRIVEWAY noch viel lausigere Temperaturen gewohnt sein, stammen sie doch aus Kanada.
Kanada steht nicht nur als Garant für erstklassiges Eishockey und ein vergleichsweise hohes Niveau der Bevölkerung gegenüber seinem südlichen Nachbarn US of A, die Ahornblätter bringen auch seit Jahrzehnten immer wieder eigenständige Rockmusik (RUSH, TRIUMPH, Bryan Adams, Avril Lavigne) hervor. Bestes Beispiel für diese anscheinend nicht versiegende Quelle sind DRIVEWAY, welche dieser Tage mit ihrem zweiten Longplayer "Traveling Light" ein vom ersten bis zum letzten Ton beeindruckendes Album veröffentlicht haben.

"Traveling Light" steht für Rock, Country, Americana, Folk, Roots Rock. So innovativ klingt das nicht, zumal tausendundeine Bands genau so etwas ebenfalls auf ihre Fahnen geschrieben haben. DRIVEWAY schaffen es jedoch, sich durch viele kleine Nuancen von der breiten Masse abzusetzen und ein Werk einzuspielen, welches man zweifellos zu den besten Alben des vergangenen Jahres zählen darf.
Fragt man Jason Taylor (Vocals, Gitarre), in welchem Genre er seine Band einordnet, folgt als Antwort: Rockmusik! Damit trifft er den Nagel auf den vielzitierten Kopf. Schon der Begriff "Alternative Country" würde zu Vergleichen mit einem Welten entfernt anzusiedelnden Album wie "El Dorado" (Heather Knox) führen. Ehrliche, handgemachte Musik mit eingängigen Hooklines und melodischen Refrains, dafür steht "Traveling Light" wie ein einsamer Fels in der Brandung des Meeres der kaum noch zählbaren durchschnittlichen Veröffentlichungen.

Das der Name DRIVEWAY als Synonym für Rock gelten muss, beweist bereits der Opener Looks And Money mehr als eindrucksvoll. Die Ahornblätter rocken mit einer Lässigkeit, die verblüfft, quasi aus der Hüfte ins Herz!
Track zwo offenbart das nächste As im Ärmel der Band. Man besitzt mehr als nur einen fähigen Musiker am Mikro. Peace Love hätte eben so gut auf Tom Pettys Megaseller "Full Moon Fever" (1989) stehen können. Corey Matheson hat hier mehr als überzeugend die Lead Vocals übernommen und versetzt den Hörer in eine fast wehmütige Stimmung. Warum? Die auftauchende Frage, wann Petty zuletzt mit so überzeugendem Material aufwarten konnte, geistert nicht nur hier durch den Raum.
Bei Since You've Been Gone sagen Toms Vorgänger THE BYRDS guten Tag. Roger McGuinn hätte seine Freude daran, wetten? Das ist aber noch lange nicht alles. Wer eine begnadete Sängerin wie Melanie Hilmi als Gast im Studio begrüßen darf, der sollte sich glücklich schätzen. Ihre zweite Stimme veredelt nahezu jeden Track und hebt ihn zweifellos in höhere Sphären. Man stelle sich das so vor, als würde Susanna Hoffs (THE BANGLES) nicht mehr gar so kieksig klingen.
Wasted Time ist ein weiteres, bewegendes Duett zwischen Tom und Susanna, sorry, Jason & Melanie. Die zweite Gitarre klingt wie eine feine Rickenbacker, die Leads wie Mike Campbell (Pettys jahrzehntelanger Weggefährte an der Sologitarre) aus dem Gesicht geschnitten. DRIVEWAY verstehen es nicht nur hier, ihre Songs keineswegs altbacken klingen zu lassen. "Traveling Light" entpuppt sich als pures Gold.
California besitzt das Zeug zu einem Klassiker und wäre wohl einer, hätte das jemand vor einigen Dekaden veröffentlicht. Neil Young oder THE EAGLES haben in ihrem Backkatalog auch nicht unbedingt Überzeugenderes zu bieten. Das DRIVEWAY hier auch mit durchaus kritischen Texten aufzuwarten verstehen, komplettiert den perfekten Eindruck umso mehr.
Southern Rock Anleihen, gemischt mit West Coast-Elementen, serviert man mittels Higher Ground und glaubt ein weiteres Mal, besagter Tom hätte im Studio eine Eingebung bekommen. Sorry, Corey war's. Gemeinsam mit Frau Hilmi wird das nächste Bravourstück auf die Menschheit losgelassen.

Jason Taylor ist Mathesons Pendant an den Vocals. Stimmlich lässt er sich in Richtung Lou Reed ansiedeln. Hollywood, mit einer relaxten Slide beginnend, steht für feinstes Songwriting und ein ums andere ausgefeilte Backing Vocals. Taylors Duett mit Melanie Hilmi sorgt für Gänsehautmomente. Das schleppende Sweet Lorraine und das locker lässige, durch Harmonika und Akkordeon eingeleitete Viginia stehen dem kaum nach und heben "Traveling Light" in die Gruppe der besten Alben 2008.

DRIVEWAY bescheren uns ein Werk, bei dem man vergebens nach Schwächen suchen wird. Famoses Songwriting, abwechslungsreiche Arrangements, selten erlebte Melodik und ein erdiger Sound führen die Kanadier hoffentlich an den Platz, wo sie hingehören - nämlich an die Spitze!!!!

Jürgen Ruland, 12.01.09

 

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