Popa Chubby

Paul Camilleri

Dudlange, Op De Schmelz, 12.03.2008

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 12.03.2008

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Redakteur(e):

Steve Braun


Dudlange, Op De Schmelz, 12.03.2008

Gott sei's gedankt, haben wir im kulturell etwas abgehängten Süd-Westen ein kleines Großherzogtum vor der Haustüre, das soviel mehr als Nummernkonten und billigen Sprit für den Fahrer und sein motorisiertes Vehikel zu bieten hat. Das kleine Luxembourg ist eine Hochburg für großartigen Blues und die Großen der Blues-Welt geben sich hier die Klinke in die Hand. Das Luxembourg-Bluesfestival ist alljährlich hochkarätig besetzt und jetzt war es wieder soweit: mit Popa Chubby hatte sich ein sprichwörtliches Blues-Schwergewicht angesagt.
Dudelange ist ein kleines Städtchen wenige Kilometer südlich der Hauptstadt, ein Zentrum des ehemaligen Kohle-Reviers. Im Gegensatz zu den ärmlichen Nachbarregionen Lothringen, Wallonie und Saarland trägt man seinen Reichtum stolz vor sich her. Hier mit einem pompösen Centre Culturel "Op de Schmelz" (ein etymologischer Hinweis auf eine ehemalige Glasschmelze), das in jeder Hinsicht großartig ist. Gut 500 Kulturbesessene finden hier Platz, eine vorbildliche Akustik und große Bühne. Lediglich das Licht könnte die Bühne etwas beeindruckender ausleuchten.

Der Laden war bereits gut gefüllt, als Paul Camilleri unter freundlichem Applaus mit seiner Band die Bühne betrat. Dieser ist ein sehr guter Freund von keinem Geringeren als Francis Rossi von STATUS QUO und dieser Rossi zeichnet auch für das co-writing des Grossteils des Songmaterials verantwortlich. Zudem hat er Camilleris neues Album ebenfalls produziert. Mit STATUS QUO war er bereits mehrfach auf Tour und auch Popa Chubby hat er bereits während zweier UK-Touren supportet.

Erfreulicherweise kommt Paule Camilleri live eine ganze Kante härter als auf seinen eher weichgespülten Studio-Scheiben. Sein Gitarrenton ist allerdings dem von Chris Duarte zum verwechseln ähnlich. Gets Better ist ein derber Boogie, wie er auch von QUO ständig zu hören ist und auch River Of Love haut in die gleiche Kerbe. Am besten kommt noch der Slow-Blues Jelous Man und das fröhlich pumpende Love Me Baby, bei dem vor allem Mr. Bassman Felix Mueller und Drummer Tom Beck zu glänzen wissen.
Alles in allem war Paul Camilleri und Band nicht mehr als ein netter Support, der ebenso freundlich wieder verabschiedet wurde. Keiner in Saal verlangte ernsthaft nach einer Zugabe. Jetzt wird der Saal schlagartig immer voller, aber von ausverkauftem Haus kann definitiv nicht die Rede sein - ich schätze 'mal vorsichtig gut 400 anwesende Blues-Fans.

Popa Chubby betritt die Bühne mit einer Handvoll Räucherkerzen und wie immer klappen erst einmal diverse Kinnladen herunter und dieser dämliche Werbeslogan "Mann, ist der dick, Mann!!" schiesst einem unwillkürlich durch die Birne. Ich finde das bewundernswert: da steht einer auf der Bühne, der nun garantiert nicht mit den Attributen belegt werden kann, die bei der "Superstarsuche" so massgeblich sind. Einer der dick, glatzköpfig und "häßlich" ist und keiner ist im Saal zu finden, der da irgendwie Anstoss daran nehmen würde. Nein, hier zählt nur die außergewöhnliche Klasse des Ausnahme-Musikers Popa Chubby und die Achtung vor den Flitzefingern dieses Bluesman steigt gewaltig.

Popa Chubby hört auf den bürgerlichen Namen Ted Horowitz und ist in der Bronx aufgewachsen, dummerweise als Kind von Süßwarenladen-Besitzern ;-) Mit 13 Jahren begann er zu trommeln um dann, inspiriert von den ROLLING STONES, an die Gitarre zu wechseln. Als Gitarrist haben ihn vor allem Jimi Hendrix und Eric Clapton beeinflusst.
Nun zählt Popa Chubby eindeutig zur "Zopfabschneider-Fraktion" innerhalb der Blues-Szene. Er ist also einer, der seine traditionellen Roots weiterentwickelt hat und um vielfältige funky Rhythms, ja gar Rap und Reggae erweitert hat, weshalb so mancher Purist die Nase über den New Yorker rümpft. Der stimmgewaltige Sänger hat somit schon einen eigenen typischen Style entwickelt, der so überhaupt nichts wuchtiges oder gar klotziges an sich hat.

Popa Chubby hat seine neue Scheibe "Deliveries After Dark" zu promoten und mit Let The Music Set You Free setzt der sympathische Glatzkopf gleich ein gewaltiges Schwergewicht als "Duftmarke". Massiv riffig - enorm funky - die Stimmung ist bereits nach den ersten Takten im ekstatischen Bereich angekommen. Nach den ersten drei Songs folgt dann der Woman In My Bed Dub - nomen est omen ein fröhlicher Reggae, der auf der Bühne wie im Saal ordentlich abgefeiert wird. Ein kleiner Hendrix-Block folgt und Popa Chubby nimmt erst einmal Platz, und mit Little Wing und The Wind Cries Mary erstmal etwas das Tempo heraus - zwei wunderbar interpretierte Klassiker hat er da anzubieten. Dass dabei der arme Stuhl unter dem Gewicht des Bären aus NYC seinen Geist aufgab und Mr. Horowitz ganz cool auf dem Boden sitzend weiter performte, glaubt mir sowieso keiner. Lachend und feixend erhob sich der Hüne, um treuherzig zu versichern, dass dies weder der erste noch der letzte Stuhl gewesen war, der da unter seinem Gewicht zerbrochen sei.
Der obligatorische New York City Blues, ein 12-Takter alten Zuschnitts, wurde vom Publikum gefordert und kam dann auch. "If you got the Blues, say yeah!" - ein Zwiegespräch zwischen Popa Chubby und seinen Fans. Der nächste Hammer kündigt sich an: Stoop Down Baby vielleicht DER Popa Chubby-Song überhaupt, enorm funky - Bassist A.J. Pappas lässt die Basssaiten nur so knallen und zeigt, dass ein klassischer Vier-Saiter für ein grossartiges Solo völlig ausreicht. Auch der Drummer, dessen Namen in leider auf keiner der aktuellen Bandsites finden konnte, wird von der Leine gelassen - er hatte bereits vorher seine aussergewöhnliche Klasse nachhaltig demonstriert.

Ohne eine Zugabe wird der Popa nicht in den Feierabend entlassen - die gesamte erste Reihe wird abgeklatscht und dann ist Schluss. Wie man mir sagte, ließ er sich später noch am Merch-Stand blicken, um mit schönen Luxembourgerinnen zu schäkern und jede Menge Autogramme zu schreiben. Da war ich aber schon lange auf der Heimreise.
Vor diesem Gig in Dudelanges guter Stube "Op der Schmelz" gehörte Popa Chubby nicht in die allererste Reihe meiner persönlichen Blues-Favs. Nach diesen kurzweiligen zwei Stunden bin erweckt, bekehrt und erleuchtet .... diesen Burschen sollte man mindestens einmal im Leben gesehen haben!

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