Israel Nash Gripka

Duisburg, Steinbruch, 22.05.2012


Konzertbericht

Reviewdatum: 29.05.2012
Stil: Roots-Rock, Americana

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Israel Nash Gripka,
Duisburg, Steinbruch, 22.05.2012

Wenn man satte neun Stunden Autofahrt in den Knochen hat, kann man nicht unbedingt vor Tatendrang sprühend auf die Bühne springen und direkt ein Feuer entfachen. Da muss sich, wenn überhaupt, der Zauber langsam entwickeln. Israel Nash Gripka, der einst aus der Betonwüste New York Citys in die Weite des texanischen Hinterlands in eine großen Scheune flüchtete, um dort sein Studioalbum "Barn Doors And Concrete Floors" aufzunehmen, landete über den Umweg Oberbayern, wo er am Vortag gastierte, schließlich in Duisburg.

Der "Steinbruch", im Duisburger Süden gelegen, mit seinem heimeligen und diesmal sogar bestuhlten und betischten Ambiente, bot mit seinem nicht gerade überwältigenden Zuschauerzuspruch eine passende Heimstatt für die ausgelaugten Mucker, die sich im Laufe des Sets allerdings warm spielten und zuguterletzt ein funkensprühendes Repertoire zu bieten hatten, welches sich größtenteils aus dem aktuellen "Barn Doors"-Album speiste, gelegentlich auf Gripkas 2009er Debut "New York Town" zurückgriff, aber auch brandneues, unveröffentlichtes Material zu bieten hatte.

Während der ersten drei oder vier Songs brachte Nash Gripka, außer seinem exzellenten Gesang, kaum etwas über die Lippen, seine jungen Kollegen standen mehr oder weniger wie angewurzelt und mit relativ versteinerten Mienen auf der Bühne und servierten ihren nichtsdestotrotz sehr eingängigen, an Siebziger Jahre geschulten Roots-Rock, mit geflissentlicher Professionalität.

Erst der Kampf und die Nerverei mit einem defekten Mikroständer lockerte Gripkas Nervensystem auf, um dann aufgrund einer gerissenen Saite mit einem neuen Arbeitsgerät (die Telecaster des Kollegen) in eine weitere Runde zu starten, die den "Steinruch" mit einigen Solotracks in ein gemütliches Wohnzimmer verwandelten. Während sich seine Musikerkollegen komplett zurückzogen, um die lädierte Gitarre in Stand zu setzen, erzählte Nash nun freimütig aus seinem Leben und vom Tourstress. So kann man auch Sympathien gewinnen.

In der dritten Runde bewies die versierte Gripka Band, dass ihr Repertoire aus einer ansehnlichen Menge heimlicher Hits besteht und trat mit Knallern wie Fool's gold, Four winds, Baltimore und Louisiana den Beweis an, dass die tollen Songs des beliebten Studioalbums auch an einem schnöden Dienstagabend auf einer Bühne in Duisburg durchaus funktionieren können.
Nicht unbedingt ein Abend, dessen Zauber unvergessen bleibt, aber dennoch ein unbedingter Beleg dafür, dass mit Nash Gripkas hervorragendem Talent auch in Zukunft zu rechnen sein wird.

Frank Ipach, 22.05.2012

 

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