The Musical Box

Duisburg, Theater am Marientor, 08.02.2007

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Konzertbericht

Reviewdatum: 08.02.2007

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Duisburg, Theater am Marientor, 08.02.2007

Tourposter Gestern stieg ich klammheimlich in H.G. Wells "Zeitmaschine" und katapultierte mich ins Jahr 1972, um eine Konzertaufführung von GENESIS' "Foxtrot" zu erleben. Da ich zu jener Zeit noch etwas zu jung war, um einem solchen Spektakel tatsächlich beizuwohnen, nahm ich diese unerwartete Gelegenheit dankbar an.
Da die altersschwache Zeitmaschine aber offenbar doch etwas gelitten hatte, ich die rostigen Schaltknüppel möglicherweise unsachgemäß justierte, landete ich verwirrenderweise im "Theater am Marientor" in Duisburg-City. Glücklicherweise unterschied sich dieser Konzertabend doch nicht wesentlich von dem, was sich wohl vor knapp 35 Jahren auf britischen Bühnen ereignet haben muss. Nur gut, dass mein Zeitsprung so glimpflich ablief.

Die Protagonisten nannten sich THE MUSICAL BOX, stammen aus Kanada, und ergingen sich quasi in einer maßstabsgetreuen Duplikation des Frühsiebziger-"Foxtrot"-Sets der forschen GENESIS-Akteure. Die kanadischen Kopierer lümmelten sich zwar auch auf der "Nursery Cryme"-Wiese, öffneten die Türen zur allseits beliebten Musical box und schlugen sich behende durch das giftige Giant hogweed, doch purzelten schließlich doch in ihr bravouröses Parade-Epos Supper's ready zurück.
Witzigerweise tummelten sich im Foyer dieses klanglich gut ausgestatteten Theatersaals in Duisburg noch weitere hunderte Zeitreisende, die sich mit ehrwürdig ergrauten Schläfen und gediegener Freizeitbekleidung dieser perfekten musikalischen wie optischen Illusion hingaben. Wie die wenigen Dutzend Frauen im Saale es geschafft haben mochten, die Zeitreise unbeschadet zu überstehen, entzieht sich meiner Kenntnis. Im Grunde erweckte der Abend den Anschein einer reinen Männerversammlung.

Die zertifizierten GENESIS-Doubles jedenfalls hievten die anwesenden Proggies mit ihrem detailgetreuen Spielfilm ganz sanft in die große Ära des Prog-Rock und spielten ihre Rollen meisterlich. Da saß innerhalb der filigranen Arrrangements jeder Ton, das dynamische Pendel zwischen Eleganz und Wuchtigkeit schlug zielsicher aus, der frappierende Klang der Originalinstrumente evozierte Aberdutzende von Aha-Erlebnissen, das asketisch anmutende Bühnenbild muß wohl jemand 35 Jahre lang im Keller sorgsam gepflegt haben und der als relativ einzigartig vermuteten Stimme Peter Gabriels erwuchs in Denis Gagné ein beeindruckender Zwillingsbruder.

Wahrheit oder Fiktion? Traum oder Wirklichkeit? Wahnsinn oder Witz?
THE MUSICAL BOX lassen dem Zuhörer/Zuschauer während des 90-minütigen Happenings einfach keine Chance darüber nachzudenken. Die Konsequenzen einer solchen Zeitreise muß jeder für sich selbst abwägen. Ich, für meine Person, habe keinen Schaden genommen, sondern wurde auf prächtigste Art und Weise unterhalten und darf mich noch einige Tage im Glanz der Siebziger suhlen.
Was wäre das Leben ohne die eine oder andere Illusion?

Frank Ipach, 09.02.2007

 

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