Me And Cassity

Düsseldorf, Coffy, 25.03.2004

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 25.03.2004

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Düsseldorf, Coffy, 25.03.2004

Was könnte einen echten Duisburger nach Düsseldorf ziehen? Das Altbier sicher nicht, denn ich trinke Pilsener. Der Fußball? Du liebe Güte, Fortuna Düsseldorf, total abgestürzt, da lobe ich mir unseren MSV. Der Rhein? Quatsch, der fließt ca. drei Kilometer von meiner Haustür entfernt und bietet das schönste Naherholungsgebiet für windige Spaziergänge im März.
Nun gut, es waren eigentlich immer nur die musikalischen Ereignisse, die mich Richtung Düsseldorf trieben. Die gute alte Philipshalle sehr häufig und die Tonhalle hin und wieder. Aber am Donnerstag Abend mußte es dann mal wieder die Altstadt sein. ME AND CASSITY in einem kleinen Club namens "Coffy".
Von außen relativ unscheinbar zunächst, verbreitete sich auch aufgrund des kargen und einfach nur zweckmäßig eingerichteten Kneipenraums nicht gerade eine herzerwärmende Atmosphäre. Das Herz dieses Ladens befand sich allerdings im Keller, der sich im Anschluß an eine kurze Wendeltreppe als heimelig abgedunkeltes Gewölbe mit einladender Atmosphäre darbot. Das Ambiente erinnerte irgendwie an einen alten, leicht vernachlässigten Weinkeller. Die im Laufe der Zeit eintrudelnden knapp achtzig Zuschauer füllten das Gemäuer recht passend aus, so dass die klitzekleine Bühne jederzeit einsehbar war. Für ein intimes Singer-Songwriter-Konzert also genau das Richtige.

Tess Wiley

Das sogenannte Vorprogramm bestritt eine hypernervöse Tess Wiley, die in der nächsten Woche auf Tapete Records ihr erstes Soloalbum veröffentlichen wird und somit schon mal per Stimme und Akustikgitarre ein wenig Promotionarbeit leisten konnte.
Da Frau Wiley erst gestern Abend in den laufenden MaC-Tourneebetrieb einstieg, seien ihr die Nervosität und die damit einhergehenden Verspieler und Stimmunsicherheiten verziehen, denn das alles machte sie mittels charmanter Bühnenpräsenz und guter Songs im Laufe ihres kurzen Sets schnell wieder wett. Das dankbare Publikum klatschte sie auch umgehend auf die Bretter zurück und sie bedankte sich sichtlich erstaunt mit einem Iris De Ment-Cover.

Dirk Darmstaedter & Dave Storey

Umbaupausen blieben dem erwartungsfrohen Publikum, welches zum größten Teil aus jungen Frauen bestand (und hier haben wir die Begründung, warum ein Duisburger nach D'dorf fährt; Red.), erfreulicherweise erspart, denn die zwei Akustikgitarren und Mikros für ME AND CASSITY waren schon lange gerichtet.
Dirk Darmstaedter und sein alter kalifornischer Kumpel Dave Storey legten dann auch gleich mit dem Opener (Let the music be) ihres aktuellen Albums wie die Feuerwehr los.
Die beiden waren ab der ersten Note voll im Bilde und gestalteten mit einem wohldosierten Reigen aus Dirks drei Soloalben einen ultrakurzweiligen Abend. Das aktuelle Album wurde fast komplett vorgestellt und trotz aller dort verwendeten elektrifizierten Bandarrangements unterstrich die abendliche Reduktion auf Gitarre und Gesang nur noch einmal die Klasse von Darmstaedters Kompositionen. Da wurde nichts vermisst, denn die beiden Herren waren nach einer knappen Tour-Woche mittlerweilen gesanglich und saitentechnisch wunderbar aufeinander eingespielt, so dass die gelegentliche Unterstützung von Tess Wiley nur als willkommenes Sahnehäubchen betrachtet werden konnte. Wie sie das vertraute Trompetensolo von "Misunderstood" auf ihrer Melodica interpretierte, war aller Ehren wert und brachte ihr zudem noch den einen oder anderen wohlwollenden Schmunzler ein. Perfekt!

Dirk Darmstaedter

Apropos Schmunzler, wenn nicht sogar Lacher... Dirks Geschichte über den Erwerb seiner neuen australischen Akustikgitarre und den dazugehörigen Pick-Guards (siehe Foto), die er nur der mangelnden Kaufentschlossenheit eines Gunther Gabriels zu verdanken hatte, war schon große Klasse. Dass er sich dadurch laut eigener Aussage mit Leichtigkeit in die erste Riege der Glenn Campbell-Look-a-likes einschlich ist nun absolut verbürgt und abgemachte Sache.
So schüttelte denn Darmstaedter noch das eine oder andere Anekdötchen aus dem Ärmel und zementierte die Gewissheit um seine sympathische Musik mit dem Eindruck eines sympathischen und liebenswerten Entertainers. Das Publikum dankte den Akteuren mit hingebungsvoller Aufmerksamkeit, denn selten habe ich bei Balladen einen derart mucksmäuschenstillen Zuschauerraum erlebt. Das nenne ich perfekt getimte Bühnenpräsenz. Ein Auftritt voller Dynamik. Wirklich sehr beeindruckend.

Und die Tatsache, dass die Herren auf verstaubte JEREMY DAYS Reminiszenzen verzichteten, unterstrich nur die absolute Klasse von Darmstaedters Solomaterial. Der gegen Ende des Gigs eingestreute Fremdtitel von Ryan Adams (Come pick me up) unterstrich um so mehr wessen Geistes Kind Dirk mittlerweilen ist.
Nach dieser gelungenen Show stand fest, dass dieses ME AND CASSITY-Konzert auf jeden Fall die Reise wert war und dass sie mit ihren Songs zur créme de la créme des deutschen Musikbusiness gehören. Gehet hin und lauschet! Die Tournee läuft noch.

Frank Ipach, 26.03.2004

 

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