Joe Bonamassa

Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle, 12.05.2017

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Konzertbericht

Reviewdatum: 17.05.2017
Jahr: 2017
Stil: Blues

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Redakteur(e):

Marc Langels


Joe Bonamassa,
Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle, 12.05.2017

Ein frühsommerlicher Tag Mitte Mai in Düsseldorf. Sonnig, um die 23 Grad – eigentlich müsste hier an diesem Tag keiner den „Blues“ haben, aber 4.000 Menschen pilgern – statt in den nahegelegenen Volksgarten – lieber in die Mitsubishi Electric Halle um sich eine Vollbedienung in Sachen Blues-Rock abzuholen. Freundlicherweise werden die Fans um kurz vor acht Uhr – sofern sie noch im Vorraum stehen und sich ein kühlen Kaltgetränk munden lassen - von den überaus netten Servicekräften darauf hingewiesen werden, dass das Konzert pünktlich beginnen wird. Und wie ein Uhrwerk betritt dann der aktuelle Großmeister des Blues, Joe Bonamassa, mit seiner Band um Punkt 20 Uhr die Bühne und legt nach dem Intro gleich mal mit einer treibenden Version von This Train los, dem er nahezu nahtlos mit Mountain Climbing das erste einer ganzen Reihe an Highlights folgen lässt.

Der Sound ist schon von der ersten Sekunde nahezu perfekt, wenn man mal davon absieht, dass Michael Rhodes' Bass im Mix zu laut daherkommt und manches Mal die anderen Instrumente (abgesehen von Schlagzeug und Gitarre) ein wenig übertönt. Die Band spielt von Beginn an unglaublich tight und druckvoll – und auch das erinnert wieder an ein Schweizer Uhrwerk. Das liegt auch daran, dass sich Bonamassa hier wieder mit den Besten der Besten umgibt: so wird man Schwierigkeiten haben eine groovendere Rhythmus-Sektion als die aus Anton Fig (Schlagzeug) und Michael Rhodes (Bass) zu finden. Mit Reese Wynans hat Bonamassa zudem einen Keyboarder gefunden, der schon seit seiner Arbeit mit Stevie Ray Vaughan und DOUBLE TROUBLE allerhöchsten Respekt genießt. Abgerundet wird der Sound durch das Zwei-Mann-Bläser-Kommando von Lee Thornburg (Trompete & Posaune) sowie Paulie Cerra (Saxophon & Background-Gesang). Für diese Tournee hat sich Bonamassa zudem noch den Luxus von zwei exzellenten Background-Sängerinnen gegönnt: Mahalia Barnes und Jade MacRae sind den Fans natürlich von dem exzellenten "Live At The Greek Theatre" bekannt und sie verleihen dem Gesamt-Sound eine neue - deutlich fettere - Note.

Und diese Band ist an dem Abend in absoluter Spiellaune, die sich auch in langen Soli und Jams niederschlägt. Dabei steht der Mann, dessen Name auf den Tickets prangt, natürlich im Mittelpunkt des Interesses. Und auch wenn man den mittlerweile 40-Jährigen, der ja nicht mehr als „Wunderkind“ durchgeht, bereits mehrmals gesehen hat, so ist man doch jedes Mal wieder absolut fasziniert davon, wie perfekt und ausdrucksstark er sein Instrument beherrscht. Auch an diesem Abend beweist Bonamassa mit kleinen Figuren aber auch langen Bendings sowie dem Wechsel von Dynamiken in seinem Spiel wie technisch brillant er auf der einen Seite ist und dass er zugleich eben auch ein Gefühl dafür hat, was ein Song braucht und auch verträgt. Und dafür wird er – ebenso wie für seine Songs – an diesem Abend ordentlich gefeiert.

Bonamassa ist aber kein reiner Ego-Spieler, sondern erfreut sich auch an den Leistungen seiner Mitstreiter. So darf Wynans gleich mehrfach als Solist begeistern, und auch Cerra, Thornburg und Fig dürfen in Soli ausgiebig glänzen. Bestes Beispiel dafür ist der lange Jam in Breaking Up Somebody's Home, das mit so viel Feeling und Leidenschaft noch stärker als auf der Platte rüberkommt. Aber auch das feine "Question & Answer"-Duell von Bonamassa und Thornburg an der Trompete in Love Ain't A Love Song sorgt für begeisterten Beifall. Weitere Highlights sind Blues Of Desperation, das live zu einem Rock-Monolithen in feinster LED ZEPPELIN-Tradition gerät. Aber auch beim Song Of Yesterday läuft dem Hörer trotz der sommerlichen Temperaturen ein wohliger Schauer nach dem anderen den Rücken herunter. Und How Deep This River Runs ist live Dank der Bläser und Sänger und einem „Finale furioso“ noch einmal eine ganze Schippe fantastischer als das ohnehin sehr starke Original.

Auffällig ist, dass Bonamassa von Tournee zu Tournee sehr stark variiert, nicht bei der Besetzung, die aber auch zumeist etwas Neues zu bieten hat – dieses Mal eben die beiden Sängerinnen -, sondern auch bei der Setlist. Wo andere Künstler ein gewisses Grundgerüst an Songs haben, die bei jedem Konzert gespielt werden (auch gerne als Klassiker und Hits bezeichnet) und diese dann um ein paar aktuelle Nummern ergänzen, da zeichnen sich Bonamassa-Konzerte neben der spielerischen Klasse gerade dadurch aus, dass man vorher nie weiß, welche Songs man zu hören bekommen wird. Und so ist es auch an diesem Abend. Da vertraut Bonamassa auf viele neue Stücke von "Blues Of Desperation", zieht eine Nummer seines Rock-Projekts BLACK COUNTRY COMMUNION aus dem Hut und covert sich sehr ausgiebig durch Lieder seiner musikalischen Heroen.

Da wird Jimmy Page und LED ZEPPELIN (Boogie With Stu, How Many More Times) ebenso mehrfach gehuldigt wie Albert King (Breaking Up Somebody’s Home, Angel Of Mercy), zudem kommen John Mayall und seine Bluesbreakers (Little Girl) ebenso vor wie THE ALABAMA STATE TROUPERS (Going Down) und ein Ausschnitt von FREE (The Hunter) bevor die Show nach knapp zweieinviertel Stunden mit einem Tribut an B.B. King (in Form von Hummingbird) beendet wird. Das Ganze wird stimmig untermalt von einer sehr zurückhaltenden aber auch passenden Lightshow, die niemals von der Musik ablenkt, sondern diese nur effektiv untermalt. Hier sollen eben die Musiker und die Lieder im Vordergrund stehen und Emotionen und Eindrücke nur dezent durch das Ambiente „abgerundet“ werden.

Dieser Abend zeigt sehr eindrucksvoll auf, was der Popmusik heute meist fehlt (neben spielerischer Klasse): ganz viel Seele und Leidenschaft. Zu jeder Sekunde dieses Abends war zu spüren, mit welcher geradezu unglaublichen Freude sich die beteiligten Musiker in ihre Kunst stürzen, sich davon hinfort tragen lassen und Abend für Abend Höchstleistung erbringen – und dabei, das ist schließlich das Wichtigste, das Publikum fantastisch unterhalten. Joe Bonamassa ist auf jeder Tournee ein wahres Erlebnis. Natürlich präsentiert er den Blues von seiner glänzenden aber auch mitreißenden Seite, mit der es gelingt, eine stetig wachsende Anzahl an Menschen für den Blues zu begeistern. Denn an diesem Abend verlässt niemand die Mitsubishi Electric Halle unzufrieden.

An dieser Stelle gilt mein Dank noch Mark Dehler von NETINFECT für die spontane und freundliche Akkreditierung.

Marc Langels, 12.05.2017

 

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