Düsseldorf, Philipshalle, 15.12.2007

Nach Jahrzehnte langer Abstinenz endlich mal wieder ein X-Mas Metal Meeting (unter dem Namen Heavy Christmas Meeting) mit hochkarätigen Bands im Ruhrgebiet. Chapeau an den Veranstalter, und es wurde ihm gedankt. Die Metal Fans kamen in Scharen zum vorweihnachtlichen Matte schütteln.

Anscheinend hatte man in der Philipshalle selbst nicht mit einem solchen Ansturm gerechnet. Die Folge waren dicke Trauben vor den Bierständen, mit noch längeren Wartezeiten. 2 Schwälbkes hinter der Theke (dazu musste das Bier noch aus Flaschen umgefüllt werden) sind einfach zu wenig. Der größte Schock folgte aber als SAXON spielten: Bier ist alle! Weder Pils noch Alt, mit Mühe ergatterte ich noch ein CAB (grausames Gesöff). Angedroht wurde auch, dass nach der nächsten Pause ebenfalls die Softdrinks ausgehen würden. So kam es dann, dass neben Alkleichen der eine oder andere Metaller mit Mineralwasser oder Weißwein bangen musste. Ich bin auch sicher das DORO dieses Debakel ca. 30% der Zuschauer gekostet hat, die lieber in die Altstadt weiter zogen. Dazu noch die Leute, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angereist waren. Ansonsten war das Ganze perfekt organisiert, und man kann nur auf eine Wiederholung im nächsten Jahr hoffen.

High'n'Dry

Den Beginn des Abends machen HIGH'N'DRY, die ein großes Banner auf dem in großen Lettern "The Return" prangte aufgehängt haben. Der Running-Gag in kleiner Runde (beim Einlass gab's Probleme: 80% der Zuschauer warteten noch darauf, in die Halle zu kommen) war: "Dumm, das keiner die Ankunft mitbekommen hat." Naja, HIGH'N'DRY gab es tatsächlich schon mal in den 80ern, die Band fiel dann nach einigen Achtungserfolgen auseinander um jetzt wieder die Bühnen dieser Welt zu erobern. Im Angebot hat die Band 80er Jahre Hard Rock. Neuzugang Eyreen Sue röhrt wie Jutta Weinhold (der sie auch optisch ein wenig ähnelt). Kleiner Gag am Rande: Während der Show kommen einfach die Stagehands auf die Bühne und fangen, zu verdutzten Blicken der Band, an abzubauen. Auftrittsdauer überzogen! Da hilft auch die Androhung eines Überraschungsgastes nichts. Von HIGH'N'DRY heißt es jetzt Abschied nehmen!

High'n'Dry High'n'Dry

Iron Fire

Nächster Kandidat sind IRON FIRE. Die jungen Dänen passen mit ihrem melodischen True Metal natürlich gut ins Gesamtkonzept und werden von der Menge dankbar empfangen. Schöne Doublebass, klasse Gitarrenarbeit, aber Stageacting mäßig, finde ich die Jungs etwas zu lasch. Außerdem -ich sag's ja immer wieder- kommen kurze Haare beim Matte schütteln nicht gut. Dragonheart, Bridges Will Burn oder Thunderstorm sind sicher keine schlechten Songs. Akzeptabler Auftritt einer Band, die sicherlich noch ihren Weg machen wird.

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Iron Fire Iron Fire

Iron Fire

Primal Fear

So, jetzt gibt's was auf die Ohren: PRIMAL FEAR rollen über die Philipshalle hinweg. Brachialer Sound, ein Henny Wolter "on Fire", sprich wild bangend und rumtobend und ein stimmlich bestens aufgelegter Ralf Scheepers sorgen dafür, dass jetzt erstmal das Trommelfell kräftig gelüftet wird. Sign of Fear und Nuclear Fire sind ein mächtiger Einstieg. Irgendwie kann ich Ralf Scheepers den Halford-Clone nicht übel nehmen. Eigenartig, was bei Ripper Owens aufgesetzt wirkt, kommt bei Ralf wesentlich natürlicher rüber. Wahrscheinlich, weil er das nicht so konsequent durchzieht wie Kollege Owens. Running In The Dust, dann kleine Verschaufpause mit Fighting The Darkness, bevor die Band mit Metal Is Forever genau ins Herz des headbangenden Volks trifft. Klasse Gig, der jetzt allerdings von

Primal Fear Primal Fear

Primal Fear Primal Fear

UDO

getoppt wurde. Für mich ist UDO der klare Sieger des Abends, die Halle kocht bis in die letzten Reihen. Mastercutor und 24/7 gibt es als Vorspeise. Der Hauptgang besteht aus unsterblichen Songs wie Princess Of The Dawn, Midnight Mover, Metal Heart oder Man and Machine. Die Nachspeise glänzt durch Holy, I'm a Rebel (singt wirklich jeder mit!) und Balls To The Walls. Brüllwürfel Udo Dirkschneider erinnert noch mal daran, dass vor 30 Jahren alles auf der Bühne der Philipshalle begann und stellt stolz seinen Sohn vor, der die Drums -und das gar nicht mal schlecht- bei I'm A Rebel bediente. Udo selbst erinnert an eine schnaufende Dampframme, die alles weghaut was sich ihm in den Weg stellt. Stefan Kaufmann, Igor Gianola (beide Gitarre), Francesco Jovino (Drums) sowie Fitty Wienhold am Bass liefern dazu den passenden Soundtrack. Absoluter Respekt, geiler Auftritt, und er sollte auch stimmungsmäßig nicht mehr getoppt werden.

UDO UDO

UDO UDO

WASP

WASP habe ich das letzte mal in den 80ern gesehen. Als Support von IRON MAIDEN auf deren "Somewhere On Tour"-Tour. (Ja, ich bin alt!) Bei einer Stunde Spielzeit hoffe ich auf einen Best Of Set, und nicht nach einem Song aus dem Foto-Graben geworfen zu werden. Beide Wünsche gehen in Erfüllung.

Blackie Lawless und seine (mir unbekannten) Mitstreiter legen gleich stürmisch los: On Your Knees, Electric Circus, Hate To Love Me, L.O.V.E. Machine. Blackie ist mit Make-up zugeschmiert, und erinnert eher an eine alternde Filmdiva als an einen Rockstar. Egal. Filmdiven rennen nicht so agil über die Bühne. Und ab dem vierten Song läuft die Suppe eh. Wirkt schon imposant auf der Bühne, dieser 1,90m große Frontmann. Die Band ist permanent in Bewegung, fürs Auge wird was geboten. Das haben sie schon drauf, die Amis. Wobei die Band austauschbare Staffage ist, WASP ist Blackie Lawless, was er auch bei den Ansagen recht klar macht: "Der Song ist von meinem Zweiten Album: Wild Child.

Chainsaw Charlie und The Idol von der "Crimson Idol" scheinen mir etwas zu orchestriert. Ob da wohl ein Tape im Spiel ist? Auch die Chöre kommen verdammt perfekt. Ich hätte eh lieber Animal gehört. I Wanna Be Somebody gibt's aber wenigstens noch vom Debut Album. Guter Gig, aber nicht so überzeugend wie U.D.O.

WASP WASP

WASP WASP

Saxon

SAXON kann man immer angucken. Immer. Immer gutes Entertainment. Bis auf Heute. Nee, schlecht waren sie nicht. Aber die falsche Setlist irgendwie. Der Funke springt nicht über. Wenn das Publikum wie heute zumeist aus Ü30 (um nicht Ü40 zu sagen) besteht, soll man sich nicht wundern wenn die Frage: "You want a new song or an old song?" mit "Old Song" beantwortet wird, Biff.
Motorcycle Man zum Einstig war ja OK, Let Me Feel Your Power und 747-Strangers in the Night waren aber einfach zu lahm. To Hell And Back Again ging wieder klar, das folgende Red Star Falling sorgte dann für dumme Gesichter bei den Die-Hard Fans, die dann kollektiv raus gingen, um sich ein Bier zu holen. Leider gab's schon nix mehr.
Strong Arm Of The Law und Witchfinder General heben die Stimmung. Das folgende Crusader nehme ich dann zur Gelegenheit, mal für kleine Fotografen zu gehen, und siehe da, auch auf dem Männerklo sind sich alle einig. SAXON sind heute schwach.
Heavy Metal Thunder, I've Gotta Rock To Stay Alive und das von mir vergötterte Princess Of The Night sorgen dann noch für einen versöhnlichen Abschluß. Die Band war klasse wie immer, Nibbs hat wohl einen neuen Rekord im Haare-Propellern aufgestellt, Doug und Paul bearbeiten ihre Gitarren versiert, Biff immer zu Scherzen aufgelegt. Die auf die Bühne geworfene Nikolausmütze setzt er nicht auf, weil sie nicht schwarz ist.dafür muss dann der wehrlose, in ein Solo verstrickte, Doug Scarratt herhalten.
Im Endeffekt nicht schlecht, aber SAXON können es besser.

Saxon Saxon

Saxon Saxon

Doro

Zwanzig vor Zwölf. Endlich kommt Doro auf die Bühne. Und die zeigt, wie man (Frau) es richtig macht. Den Fans erstmal ordentlich Feuer unterm Arsch machen, dann klappts später auch mit den Balladen. Always Live To Win, Earthshaker Rock, I Rule The Ruins. Geil. Doros Band ist energetisch wie immer, posed was das Zeug hält, und macht ordentlich Druck. We Are Family, True As Steel und auch ich muss mich dem Tross der Fans, die die Halle verlassen, anschließen. Es ist spät und der VRR reagiert nicht auf Zuruf. Wer nach Hause will, muss jetzt los. Schade. Ich wäre gerne bis zum Ende geblieben. Aber eventuell als Anregung fürs nächste Mal: eine Band weniger bzw. eine Stunde eher anfangen. War schon ein ganz schönes Pensum, was da abzuhandeln war, die Umbaupausen waren kurz, aber dennoch lassen sich Verschiebungen im Zeitplan nicht vermeiden.

Doro Doro

Doro Doro

Alles in allem ein gelungenes Festival, und ich freue mich auf hoffentlich viele weitere, ein Easter-Metal scheint schon angedacht zu sein. Also! Haut rein!

Jörg Litges, 17.12.2007

 

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