Motörhead

Grand Magus
Doro

Düsseldorf, Philipshalle, 30.11.2010


Konzertbericht

Reviewdatum: 15.12.2010
Stil: Heavy Metal

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Redakteur(e):

Thomas Dietz


Motörhead, Doro, Grand Magus,
Düsseldorf, Philipshalle, 30.11.2010

Alle Jahre wieder…beehren uns Lemmy und seine anderen beiden MOTÖRHEADs Phil Campbell und Mikkey Dee in der Vorweihnachtszeit um die Predigt des Rock’n’Roll zu verbreiten. Das tun sie selbstverständlich auch in diesem Jahr und zwar mal wieder in der Düsseldorfer Philipshalle, die am heutigen Abend, zwei Tage nach dem 1.Advent, durchaus ansehnlich gefüllt ist. Im Vorprogramm stehen auch nicht zwei ganz unbekannte Namen, denn mit DORO und GRAND MAGUS hat man dem Fan des traditionellen Metals ein wirklich hochkarätiges Paket geschnürt.

Um 19:00 Uhr erlischen die Lichter. Und es wird zunächst erst mal ganz gemütlich vor der Bühne. Die drei Schweden von GRAND MAGUS sind zwar inzwischen längst keine Unbekannten mehr, so konnten sie doch insbesondere mit ihren letzten beiden Alben große Ausrufezeichen innerhalb der Metal-Szene setzten. Allerdings befinden sich bekanntermaßen bei einem MOTÖRHEAD Konzert längst nicht nur True Metalheads und Szenekenner im Publikum, sondern auch ein großer Teil „normaler“ Rock Fans und die, die es vielleicht noch werden wollen. Von dem her dauert es zunächst 2-3 Songs lang ehe sich die musikalische Klasse von GRAND MAGUS auch dem Mainstream Publikum erschließt. Danach allerdings steigert sich der Applaus für die Stockholmer von Song zu Song. Die Kehrtwende vom Doom Metal hin zum klassischen Heavy Metal a la JUDAS PRIEST war sicher nicht die schlechteste Entscheidung der Band. Auch wenn die ursprünglichen Doom Elemente (zum Glück) immer wieder mal hervorblitzen. Dies ist bereits der dritte Auftritt der Band in diesem Jahr, dem ich beiwohnen darf, und ich muss hier wirklich mal sagen, die Band war noch nie auch nur ansatzweise schlecht! Das gilt auch für den heutigen Abend. Leider beträgt die Spielzeit gerade mal eine halbe Stunde. Aber dennoch haben es GRAND MAGUS locker geschafft auch auf dem großen Parkett ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen! Sehr gut!

Tja, setzt folgt auch schon die deutsche Metal Queen und das noch in ihrer Heimatstadt. DORO PESCH ist seit Jahrzehnten im Geschäft und kann auf eine lange Karriere zurückblicken. Dass vor allem die letzten Jahre dabei zum absoluten Trauerspiel geraten sind, werde sicherlich nicht nur ich so sehen. Fernsehauftritte in äußerst fragwürdigen TV-Shows gehören da im Gegensatz zu den musikalischen Ergüssen fast noch zu den weniger peinlichen Ausrutschern. Bringen wir’s also hinter uns und kommen zum Auftritt. Der ist größtenteils solide und hat sogar auch seine guten Seiten. Nämlich immer dann wenn alte WARLOCK Klassiker gespielt werden, wie beispielsweise Burning The Witches oder I Rule The Ruins. Dies wird aber leider bei weitem von den weniger schönen Momenten überschattet, dazu seien nur die Stichpunke All We Are und allem voran Für immer genannt. Tante Doro lädt ein zur großen Weihnachts Metal Schlagerparade. Danke auch, aber der Bierstand ist gerade so schön leer. Ich nutze lieber meine Chance…Nur die gewohnt überaus peinlichen Ansagen zwischen den Songs, toppen noch so manche musikalische Entgleisung. Jetzt aber nix wie los zum Bier holen!

Der Höhepunkt des Abends rückt immer näher. Ein im Vergleich zur Hallengröße briefmarkengroßes MOTÖRHEAD Backdrop wird in Position gebracht und ne knappe halbe Stunde später kann’s dann losgehen. MOTÖRHEAD anno 2010 klingen wie MOTÖRHEAD anno 2009 und 8 und 7 und 1897. MOTÖRHEAD sind eben MOTÖRHEAD. Daran soll und wird sich glücklicherweise auch nichts ändern. Schön wär’s allerdings wenn die Herren mal von Zeit zu Zeit wenigstens einen Ticken ihre Setlist ändern würden, denn die ist bis auf die Songs vom neuen Album nämlich mindestens genau so antiquiert, wie Lemmy’s Uniform-Sammlung. Joar und so ist auch dieser MOTÖRHEAD Gig, dreimal dürft ihr raten, eben ein MOTÖRHEAD Gig. 90 Minuten Rock’n’Roll Vollbedienung, das allerdings ohne nennenswerte Höhepunkte. Punkt. Wer das anders sieht, darf jetzt gerne wutentbrannt aufbrausen. Zudem wirken die Herren heute auch noch recht lustlos und träge auf der Bühne und so ganz will der Funke wohl auch nicht auf das Publikum überspringen. Ich hab MOTÖRHEAD jedenfalls auch schon mal wesentlich agiler und mit mehr Spielfreude erlebt. Der heutige Gig ist weit davon entfernt schlecht zu sein, aber mindestens genauso weit ein Konzerthighlight zu werden. Ein kleines bisschen bin ich ja dann doch enttäuscht, muss ich gestehen. Aber gut, der nächste Advent kommt bestimmt und dann kann man ja vielleicht mal wieder ein Auge riskieren. Der Auftritt am heutigen Abend allerdings konnte mich nicht so recht überzeugen, daran lässt sich leider nichts ändern.

Thomas Dietz, 30.11.2010

 

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