Dziuks Küche

Gebet Und Revolver


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Dziuks Küche
Gebet & Revolver, BuschFunk, 2005
Danny Dziuk Vocals, Guitars, Mandolin, Orgel, Akkordeon, Piano, Banjo, Bass
Moe Jaksch Bass
Hans Rohe Electric Guitar
Kalle Dziuk Drums
Lello Lojewski Drums, Percussion
Skip Reinhard Trumpet
Uwe Langer Tuba
Lutz Kerschowski Percussion
Petra Jaksch, Ulla Meinecke, Ruben Wielsch, Ada Kreuzbildt Backing Vocals
Produziert von: Danny Dziuk Länge: 69 Min 52 Sek Medium: CD
1. Fisch und Pfeifen9. Tante Bank
2. Gebet und Revolver10. Was du nicht kannst
3. Down In Jamaica11. Teufels Küche
4. Spaghetti und Liebe12. Wer ist es, der da redet
5. Feuer, Wasser, Schere, Licht13. Sie stellen keine Juden...
6. Sei einfach, sprich deutlich...14. Festival der Lichter
7. Politik ist Privatsache15. Du bist es
8. Das war nicht der Hund

"Gebet & Revolver", neuestes Album aus Danny Dziuks sagenumwobener Küche, entpuppt sich grad nach mehrmaligem Hören als hochspannende Reise durch die Gemütswelt dieses vom grossen Publikum nach wie vor zu Unrecht missachteten Singer-Songwriters. Der Bandname DZIUKS KÜCHE steht hier erneut für ausgewogene Kost. Das ist nichts für den Fast-Food-Freak.

Der in Berlin ansässige Dziuk, der dem einen oder anderen durch seine Arbeit mit und bei STOPPOK und Wiglaf Droste bekannt sein dürfte [nicht zu vergessen STOCKHOLM SYNDROME; Red.], pflegt auch auf seinem neuesten Werk die spröde Schönheit deutscher Verse und verliert sich, wie seit Jahren schon, in den weitläufigen Gefilden seiner amerikanischen Vorbilder. Vorbilder, die man gemeinhin als Roots-Musikanten oder Americana-Künstler tituliert, stehen Pate für Dannys kreative musikalische Neuschöpfungen.
Da hört man öfters, mal mehr oder weniger deutlich, Dylan'sche Anwandlungen, nimmt Verschrobenes á la Tom Waits wahr und immer wieder ein nicht genau zu definierendes Hand-in-Hand-Gehen mit den texanischen Troubadouren vom Kaliber eines John Prine etc....

Gleich im Eröffnungs-Song verneigt sich Meister Dziuk tatsächlich in Richtung Prine, indem er das 1978er Fish & whistle ziemlich massstabsgetreu in den Dziuk'schen Kosmos geleitet und im Intro mit einem kleinen Never going back again-Fingerzeig auf FLEETWOOD MAC verweist.
Die Ironie, den Wortwitz seiner amerikanischen Helden setzt Dziuk ganz fabelhaft in die deutsche Sprache um, wiewohl er in der Folgezeit den Löwenanteil seiner höchsteigenen Kompositionen mit ebenso geistreichen wie witzigen Pointen ziert. Da stützt er sich auch schon mal dankend auf die liebevolle Hilfe der Kollegin Ulla Meinecke oder die geschmeidige sprachliche Unterstützung seines Kumpels Wiglaf Droste, der ihm bei der Umsetzung des Kinky Friedman-Songs They ain't making Jews like Jesus anymore tatkräftig zur Seite stand. [Dessen Platten und Bücher wir an dieser Stelle wärmstens empfehlen wollen! Red.]

Viele Songs leben von diesem hintergründigen Witz, den Dziuk auf ganz charmante Art und Weise zu vertonen weiss. Da hebelt er auch gerne mal das traditionelle Versmass aus und zersägt seine Sätze zu Gunsten der musikalischen Rhythmik, ohne auch nur einen Hauch von Zerrissenheit zu vermitteln. Sprache und Musik gehen hier, sich freundschaftlich umarmend, einen gemeinsamen Weg und führen den Hörer in eine Landschaft aus Blues, Folk und Country-Anleihen.
Ja, sogar eine rauchgeschwängerte Reggae-Pflanze wie Down in Jamaica wiegt sich gemütlich zwischen etwas sperrigeren Titeln wie Politik ist Privatsache und Teufels Küche, wo ätzende Giftpfeile in die Schläfen verschiedenster Herkunft geschossen werden.

Eines ist gewiss, DZIUKS KÜCHE steht erneut unter Volldampf, da braut sich was Hervorragendes zusammen, da kommt niemals Langeweile auf, da wird man bestens unterhalten. Da verfällt man zuweilen sogar in Wehmut, wenn Danny den unvergessenen Rio Reiser revitalisiert und ihm mittels Du bist es ein kleines, aber umso intensiveres Dankeschön zukommen lässt.
Alles liebevoll verpackt in ein absolut ungekünsteltes Soundgefüge. Die komplette Produktion, die Danny Dziuk selber verantwortet, klingt derart lebendig, so frei, so offen, so direkt, dass man nicht umhin kann, allen Beteiligten ein grosses Lob auszusprechen.
DZIUKS KÜCHE gehört mit zu den besten Adressen in Deutschland. "Gebet & Revolver" ist, wie sagt man so schön, grosses Kino.
Die unbedingte Empfehlung für alle Fans intelligenter Singer-Songwriter-Musik. Ein schwer sympathisches Werk.

Frank Ipach, 03.09.2005

 

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