Ebbel

The Big Shots


CD-Review

Reviewdatum: 26.03.2004
Jahr: 2004

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Ebbel
The Big Shots, Eigenvertrieb, 2004
Ebbel Vocals, Drums, Bass, Guitars, Piano, Keyboards, Lap-Steel
Dennis Jacobsen Solo Guitar
Björn Reschke Backing Vocals
Produziert von: Ruediger Weiss Länge: 62 Min 32 Sek Medium: CD
1. Judge the sky8. Some days
2. Eat the wall in front your eyes9. The boy and the beauty
3. Take that time10. Baby
4. Get over you11. Satellites
5. Where did she come12. You are welcome
6. The big shots13. Thank you
7. Your day14. The front

Groß-Midlum, irgendwo im friesischen Hinterland, entpuppt sich als Heimstätte eines talentierten, jungen Musikers. Eike Groenewald, 20 Jahre jung und von Hause aus Schlagzeuger, schickt sich an, die Hörerschaft mit ausgeklügelten Songstrukturen im Sinne der jüngeren englischen Bands á la COLDPLAY und RADIOHEAD zu beeindrucken.

In absolut professionellem Design und einem farblich sehr überzeugenden Digi-Pack kommt nun Ebbels zweites Solo-Album daher. Mehr oder weniger im Alleingang (zwei Kumpels halfen ihm bei Gesang und Sologitarre), schürt Ebbel hier ein Feuerwerk musikalischer Ideen, die freilich stark seinen oben erwähnten Vorbildern nacheifern, aber dennoch sein unverkennbares Talent unterstreichen.
Wie selbstverständlich bedient er diverse Gitarren, Bass, Synthies, Piano und sogar eine Lapsteel.
Die COLDPLAY'sche Melancholie, die verqueren, manchmal noisigen Ausbrüche der RADIOHEAD-Geräusche-Galerie, paaren sich gelegentlich mit PINK FLOYD'scher Harmonieseligkeit oder der Lässigkeit einer WORLD PARTY-Sequenz. Hie und da schießen Reminiszenzen von EELS oder GOMEZ vorüber und zerfließen zu einem interessanten und kurzweiligen Stilmix.

Das Ganze gleicht natürlich einem Hochseilakt, bei dem der Artist ständig Gefahr läuft, sein Gleichgewicht zu verlieren. Gefährlich ins Taumeln gerät Ebbel zumindest beim Einsatz seiner Vocals, die zwar tendenziell mit angenehmen Charakterzügen ausgestattet sind, aber hin und wieder an Türen klopfen, deren Schlüssel für Ebbel nicht greifbar sind.

Im Laufe der vierzehn Songs und knapp fünfundsechsig Minuten Laufzeit stellt sich eigentlich nur ein kleiner, weiterer Schönheitsfehler ein. Die Titel Baby und Satellites wollen nicht so recht ins Gesamtbild passen, weil sie aus einer früheren Schaffensperiode des Künstlers zu kommen scheinen oder zumindest den schwermütigen, melancholischen Tenor des Gesamtkonzeptes in Frage stellen. Zwölf Songs würden vollkommen reichen, denn mit den hervorragenden Thank you (mein Lieblingslied) und The front schlösse sich ein wohlgeformter Kreis, der dem Mann auf dem Hochseil den verdienten Respekt und Applaus einbrächte.
Wir behalten im Hinterkopf, dass der Mann erst am Anfang seiner Karriere steht. Hut ab!

Frank Ipach, 26.03.2004

 

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