Ebbel

Tiny Fires


CD-Review

Reviewdatum: 19.04.2009
Jahr: 2009
Stil: Singer-Songwriter, Folk/Pop

Links:

Ebbel Homepage



Redakteur(e):

Frank Ipach


Ebbel
Tiny Fires, Eigenvertrieb, 2009
EbbelVocals, Guitars, Drums, Bass, Banjo, Piano, Wichtelgeige, Harfe, Cheap Timpani
Judith HessTrombone, Trumpet, Fluegelhorn
Jeske LangeVocals
Martin GallopPedal Steel
Guido SprengerContrabass
Vocal Ensemble VokalschlagVocals
Produziert von: Ebbel Länge: 59 Min 58 Sek Medium: CD
01. Dying Fireplaces07. Homunculus
02. As Time Passed By08. Knock On Your Door
03. No Smoke Without Fire09. Down By The Water
04. Tiny Fires10. Goodbye
05. Beyond11. The Shore
06. I Don't Know Why12. Dear Darling

Gibt es eigentlich noch diesen alten Leitspruch, mit dem dritten Album entscheide sich, ob die Karriere eines Künstlers nachhaltig Bestand hat? Unsere schnelllebige Zeit, insbesondere das Gieren der großen Macher und Geschäftsleute nach schnellen, kurzfristig verkäuflichen Acts und deren Elaboraten, führen diese Idee schon seit Jahren ad absurdum. Doch da unser liebenswerter Friese aus Groß-Midlum, der seit einiger Zeit in Köln lebt, sowieso auf eigene Faust produziert und investiert, scheint er zunächst nicht abhängig von den üblichen Mechanismen des Business.

Mit "Tiny Fires" erscheint nun eben jenes "schwierige" dritte Album des jungen Songwriters und Multiinstrumentalisten Ebbel (Eike Groenewold) und er beweist erneut eine weitere Steigerung seiner Fähigkeiten, zeigt Mut zur Veränderung und zur Erweiterung seines kompositorischen Horizonts. Das gelungene und von Ebbels Lebensgefährtin Christine Neumann inszenierte Artwork komplettiert "Tiny Fires" schließlich zu einem kleinen Meisterwerk.
Wo auf seinen beiden Vorgängeralben häufiger noch fette, breitwandige Arrangements dominierten, die gerne mit stämmigen Rock-Säulen seine Liebe zu RADIOHEAD, GOMEZ und ähnlich gelagerten Combos manifestierten, überrascht Ebbel anno 2009 zumeist mit fein ziseliertem, bisweilen sehr sensiblen und fragilen Minimalarrangements, die es aber, gemessen an der glaubhaft transportierten Emotionalität, schwer in sich haben. Der Rock weicht nur allzu gerne dem Folk, bzw. der Singer-Songwriter-Idee mit Tiefgang und dem wachen Blick auf die Welt im allgemeinen und den Untiefen und Fallstricken des zwischenmenschlichen Miteinanders im Besonderen.
Ebbel scheint inzwischen erwachsen geworden zu sein, blickt er doch mittlerweile auch schon auf 25 Lebensjahre zurück. Sein Aufenthalt in Köln schärft die Blicke sicherlich auch auf völlig andere Art und Weise, als eine beschauliche und behütete Adoleszenz im weiten, friesischen Hinterland.

Akustikgitarren, gepaart mit Ebbels inzwischen voll ausgereifter Stimme, die manchmal sogar fast an Jeff Buckleys Subtilität erinnert, dominieren die Szenerie. Der junge Mann erlaubt sich den enorm kurzweiligen Luxus, auf Freunde und Musikerkollegen zurückzugreifen, die seine zwar luftigen, harmonisch jedoch nie gänzlich vorhersehbaren Arrangements mit glänzend schimmernder Substanz aufzufüllen und dem Hörer eine stille und beschauliche Reise ins Innere zu vergönnen.
Elfengleiche Frauenstimmen, tröpfelnde Pianokaskaden, dunkel gewandete Bläsersequenzen, tapsendes Banjogeplucker, brummende Standbassläufe und himmlische Pedal-Steel Schleifen geistern durch diese 12 persönlich motivierten Titel. "Tiny Fires" wird somit zu einem Fest für Fans des anspruchsvollen Singer-Songwriter Genres neuerer und modernerer Prägung. Bei aller Ruhe und Besonnenheit steht Ebbels erlebnisreicher Songreigen stets unter dem Einfluss eines straff gezurrten Spannungsbogens, der auf die gereifte Größe dieses jungen Mannes verweist und keinen Zweifel über Ebbels endgültigen Schritt in die eigene musikalische Identität zulässt. Und wer so paradiesische Lieder wie das von Martin Gallops Pedal Steel veredelte Dying fireplaces zaubert, darf sich zumindest schon mal über einen Ehreneintrag in der Lieblingssongliste des Rezensenten erfreuen.
Alles weitere sollte der neugierig gewordene Leser schleunigst auf Ebbels Homepage bzw. seiner MySpace Präsenz erforschen und sich mit dem Gedanken anfreunden, auch in Deutschland vertrauensvoll auf sensible und gewitzte Songwriter setzen zu können. Ebbel ist der Mann der Stunde.

Frank Ipach, 19.04.2009

 

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