Eilen Jewell

Sundown Over Ghost Town

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 20.05.2015
Jahr: 2015
Stil: Americana

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Redakteur(e):

Holger Müller


Eilen Jewell
Sundown Over Ghost Town, Signature Sounds, 2015
Eilen Jewellvocals, guitar, harmonica
Jerry Millerguitar, pedal steel
Jason Beekdrums
Johnny Sciasciabass
Jack Gardnertrumpet
Produziert von: Jerry Miller Länge: 37 Min 12 Sek Medium: CD
01. Worried Mind07. Down The Road
02. Hallelujah Band08. Somethings Weren't Meant To Be
03. Rio Grande09. Pages
04. Half-Broke Horse10. Green Hills
05. My Hometown11. Here With Me
06. Needle & Threat12. Songbird

Der Kino-Western, so das gängige Urteil, ist spätestens mit dem Tod von John Wayne ebenfalls gestorben. Und doch gibt es immer wieder grandiose Gegenbeispiele: Clint Eastwoods "Unforgiven" etwa oder James Mangolds "3:10 to Yuma". Auch die Musik aus den Weiten des Westens ist immer wieder für tot erklärt worde: Als die Elektronik in das Songwriting einzog, als Grunge die lauteste Stimme war, als der Stadion-Rock mit Bands wie den KINGS OF LEON seine Renaissance feierte.

Und doch lebt sie weiter, jene Musik aus den Gebieten fernab der amerikanischen Metropolen, wo Eigenbrötler noch ihre merkwürdigen Leidenschaften pflegen dürfen, wo Strassen meilenweit ins Nichts führen, wo verlassene Städte als Mahnmal vergangener Glücksritter am Horizont auftauchen. Musik, die vor allem Sehnsüchte beschreibt; nach besseren Tagen, nach verlorenen Lieben, nach den einfachen Dingen des Lebens.

Eilen Jewell wiederum hat die perfekte Stimme für solche Lieder - und die perfekte Band dafür. Eine Verführung im Baumwollkleid, mit gebrochenem Herzen, aber trotzig in ihrem Stolz. Melancholisch bis auf die Knochen, aber immer mit einem leisen Lächeln unterwegs. Und Jerry Miller spielt eine Gitarre dazu, die wie kleiner Fluss um Jewells Stimme fließt; mal sanft, mal mit kleinen Stromschnellen, immer in Bewegung.

"Sundown Over Ghost Town" heißt das neue, insgesamt siebte Album der Amerikanerin. Und sie zog dafür zurück in ihre Heimat nach Boise, Idaho, um sich dort, wie sie sagt, den Geistern ihrer Vergangenheit zu stellen, den Veränderungen und dem Verlust der eigenen Unschuld. Eine "ghost town" ist Boise deshalb keineswegs, aber viele Plätze dort, erläutert sie, sind "verwunschene Orte, voller Erinnerungen."

Und deshalb ist das Album nicht nur eine Hommage an die Provinz im Westen geworden, sondern eigentlich an alle Regionen im ländlichen Amerika, zu denen ihre Kinder irgendwann wieder zurückkehren. Im ersten Song Worried Mind klingt das tatsächlich wie auf einer "front-porch" im mittleren Westen, Hallelujah Band ist der gottverlassene Saloon in der kargen Wüstengegend, wo nur einmal im Monat ein Zug hält und Fred Eaglesmith aussteigt, Rio Grande führt in das Niemandsland an der amerikanisch-mexikanischen Grenze, das sonst vor allem von CALEXICO besungen wird.

"Sundown ..." ist aber auch ein Album, das die ganze Bandbreite der amerikanischen "hand-made-music" bietet. Von den "rolling rhythms" eines Songs wie Pages über das pastoral anmutende Green Hills bis hin zum leisen Schlussakkord von Songbird, einer kleinen Ode auf die jüngst geborene Tochter Mavis, die im Hintergrund leise mitkrähen darf. "Songbird, what did I do before you?", singt Jewell an ihre Tochter gerichtet. Die gleiche Frage könnte man guten Gewissens auch Eilen Jewell stellen.

Holger Müller, 17.05.2015

 

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