Eliza Gilkyson

Paradise Hotel


CD-Review

Reviewdatum: 21.02.2009
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Eliza Gilkyson
Paradise Hotel, Red House Records, 2005
Eliza GilkysonVocals, Acoustic Guitar, Pump Organ
Glenn FukunagaBass
Mike HardwickGuitars
Mark HallmannBass, Mellotron, Backing Vocals
Michael RamosOrgan
Cisco RyderDrums
Tony GilkysonGuitars
Rich BrothertonMandolin
Shawn Colvin, Jeff PlankenhornBacking Vocals
Produziert von: Mark Hall man & Eliza Gilkyson Länge: 40 Min 11 Sek Medium: CD
01. Borderline06. Think About You
02. Paradise Hotel07. Is It Like Today
03. Man Of God08. Calm Before The Storm
04. Jedidiah09. Requiem
05. Bellarosa10. When You Walk On

Die Musikalität wurde Eliza Gilkyson wohl in die Wiege gelegt, denn ihr Vater Terry Gilkyson (1916-1999) schrieb in den Fünfzigern immerhin einige Nummer Eins Hits für Kollegen wie Frankie Laine und Dean Martin und komponierte 1967 einen Grammy-nominierten Song (The bare necessities) für Disneys wohlbekanntes "Dschungelbuch".
Elizas Bruder Tony Gilkyson, der auf "Paradise Hotel" seine gitarristischen Fähigkeiten einbringt, verdiente sich seine Meriten bei namhaften Bands wie LONE JUSTICE und der Kult-Band X und arbeitete mit Songwriter-Grössen wie Jimmie Dale Gilmore und Chuck E. Weiss. Letzlich tummeln sich sogar Elizas Kinder, Cisco Ryder (Drums) und Delia Castillo (Vocals) auf dem aktuellen Longplayer und führen "Paradise Hotel" tatsächlich in die Nähe eines Familienprojektes.

Doch Eliza, die sich seit 1979 mit diversen Alben bei unterschiedlichsten Firmen einen Namen als Songwriter machte, ist weit davon entfernt, sich ausschliesslich auf familiäre Bande zu verlassen. Mark Hallmann (Michael Fracasso, Iain Matthews) dient ihr nach dem Grammy-nominierten Album "Land Of Milk And Honey" (2004) erneut als Produzent und gelegentlicher Musiker und trägt neben dem Saitenmann Mike Hardwick (Jon Dee Graham), dem Keyboarder Michael Ramos (Mellencamp, Patty Griffin, BODEANS) und dem Bassisten Glenn Fukunaga (Joe Ely, Trish Murphy) sehr wohl zum Gelingen dieses eindrucksvollen Albums bei.
Als bekannteste Vertreterin ihrer Zunft darf man wohl Shawn Colvin als Gastsängerin auf dem schunkelnden Calm before the storm in den Vordergrund rücken, die sich mit Eliza ein ausgeklügeltes Gesangs-Duett zwischen Fiddle und fliegenden Pedal-Steel-Schleifen liefert.

Überhaupt macht Frau Gilkyson als Sängerin eine recht eindrucksvolle Figur. Wie selbstverständlich wechselt sie innerhalb der 10 Songs immer wieder mal in unterschiedliche Stimmfärbungen, ohne sich ein einziges Mal zu überschätzen. Da passt alles und überzeugt restlos.
Klingt sie z.B. auf dem Opener Borderline wie eine gereifte Suzanne Vega, verfällt sie im blues-infizierten Man of God in ein kehliges Lucinda Williams-Timbre, um gleich darauf im mexikanischen Folklore-Stil ihre zärtlich gehauchten Visionen einer noch heilen Welt zu verkünden.Währenddessen sie im Abschlusslied When you walk on einige typische Eigenarten von Emmylou Harris' Stimme übernimmt.

Eine kleine Überraschung bereitet uns Eliza noch mit der Adaption des fast schon vergessenen WORLD PARTY-Edelsteins Is it like today, den sie zwar mit wenig Mut zur Veränderung angeht, aber dennoch sehr schnell zu altem Glanz verhilft und mit einem kleinen, aber feinen Mike Hardwick Gitarren-Ausflug poliert. Ein guter Song bleibt eben stets ein guter Song, nicht wahr Mr.Wallinger ?
Erwähnenswert sicherlich auch die geschickte Einflechtung des Whiter shade of pale-Motivs am Ende des wehmütigen Titelsongs Paradise Hotel.
Die immer schon politisch motivierte Eliza Gilkyson zeigt sich zumindest auf Man of God von ihrer etwas harscheren Seite, wenn sie im Grunde kein gutes Haar an ihrer amerikanischen Regierung lässt und sich bisweilen in Sarkasmus flüchtet, aber insgeheim um göttlichen Beistand für eine bessere Zukunft betet.

Man kann nur hoffen, dass Eliza Gilkyson ihren Biss, ihre Zärtlichkeit, ihren Sinn für feine Melodien, ihr Gespür für prickelnde Arrangements weiterhin pflegt. Denn mit "Paradise Hotel" beweist sie zum wiederholten Male, dass sie zu den Grossen ihres Genres zählt und sich durch die Einführung in die 'Austin Music Hall Of Fame' (2003) sicherlich auch bestätigt sieht, um dort selbstbewusst und ebenbürtig neben Kollegen wie Nanci Griffith, Willie Nelson, Townes Van Zandt, Butch Hancock, Billy Joe Shaver und Joe Ely dazustehen.

Frank Ipach, 21.02.2009

 

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