ELP

40th Anniversary Reunion Concert


DVD-Review

Reviewdatum: 19.11.2011
Jahr: 2011
Stil: Progressive Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Emerson, Lake & Palmer
40th Anniversary Reunion Concert, In Akustik, 2011
Greg LakeGesang, Bass & Gitarre
Keith EmersonKeyboards
Carl PalmerSchlagzeug
Produziert von: Greg Lake & Marcus Viner Länge: 115 Min 00 Sek Medium: DVD
01. Karn Evil p: 1st Impression - Part 207. Take A Pebble/Tarkus/Piano Solo
02. The Barbarian08. Farewell To Arms
03. Bitches Crystal09. Lucky Man
04. Knife-Edge10. Pictures At An Exhibition
05. From The Beginning11. Fanfare For The Common Man/Drum Solo/Rondo
06. Touch And Go

Schluss, Aus, Vorbei. Nie wieder EMERSON, LAKE & PALMER. Das hat Carl Palmer in einem Radio-Interview mit den Worten verkündet: „EMERSON, LAKE & PALMER will never perform again.“ Nun soll man bei Rockbands mit Worten wie „never again“ und „last time“ sehr vorsichtig sein, aber EMERSON, LAKE & PLAMER (oder kurz ELP) waren ja zuvor schon längere Zeit inaktiv. Vielmehr läuft diese DVD - aufgenommen im Jahr 2010 - ja auch unter dem Titel “40th Anniversary Reunion Concert“ – eine sehr kurzlebige Reunion also.

Aber es ist ja nicht das Ende, das die Gruppe definiert, sondern das zuvor Geleistete. In dieser Hinsicht dürfen sich ELP auf der absolut sicheren Seite wähnen, denn ihre musikalische Vita ist mehr als nur beeindruckend, sie sucht im Bereich Progressive Rock fast schon ihres Gleichen. Denn wenige andere Bands haben es gewagt, ihre Einflüsse aus einem so großen Fundus an unterschiedlichen und fast kaum miteinander zu vereinbarenden Stilen zu beziehen: Klassik, Rock, Jazz, Country und Blues.

Insofern ist es auch phasenweise ein Parforce-Ritt, den ELP hier mit den Besuchern des High Voltage Festivals 2010 veranstalten. Von der ersten Minute an wird das Publikum gefordert, schließlich ist der Opener Karn Evil 9: 1st Impression – Part 2 nicht gerade die Definition von Eingängigkeit (dafür war dann eher Palmers zweite Spielwiese ASIA zuständig). Aber die Zuschauer sind offensichtlich wegen gerade dieser Musikalität anwesend, sie feiern und genießen das Gebotene von der ersten bis zur letzten Minute.

90 Minuten lang stellen ELP hier noch einmal ihre immer noch erstaunlichen musikalischen Fähigkeiten (die natürlich im Vergleich zu ihren Hochphasen etwas gelitten haben) unter Beweis. Dabei stehen insbesondere Keith Emerson an den Tasten und Schlagzeuger Carl Palmer bei den lang ausgedehnten Instrumentalparts im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Emerson mit seinen schnellen Läufen, wechselnden Soundgebilden und seiner schier grenzenlosen Phantasie was Melodien anbelangt. Palmer hingegen treibt seine Mitmusiker an, groovt sich dabei durch komplexeste Rhythmen und Tempowechsel und verbindet das mit einer eleganten Lässigkeit, als ob Schlagzeug spielen keine harte körperliche Arbeit wäre.

Und wenn schon alleine das individuelle Können vielleicht das Eintrittsgeld wert wäre, so schadet es auch nicht, einige hervorragende und weltbekannte Prog- sowie Pop-Perlen in der Hinterhand zu haben. Bei einer Setlist mit Songs wie etwa Knife-Edge, From The Beginning, Take A Pebble, Tarkus, Farewell To Arms, Lucky Man, Pictures At An Exhibition oder aber Fanfare For The Common Man bei gleichzeitigem Verzicht auf solche Klassiker wie etwa zum Beispiel Brain Salad Surgery hat man als Künstler schon einiges richtig gemacht.

Nun könnte man der Performance hier zumindest attestieren, dass sie sehr statisch ist. Welch Wunder, Emerson ist an seine Keyboards und Palmer an seine Drums gebunden. Und Bassist und Sänger Greg Lake ist auch kein Bewegungswunder (was zumindest seinen beachtlichen Körperumfang erklärt, oder aber darin begründet liegt). Aber durch die wechselnden Schnitte zu den einzelnen Musikern macht sich das auf diesem Mitschnitt keine Minute bemerkbar. Vielmehr ist man als Zuschauer von den Liedern und dem Können der Musiker gefesselt, sofern man die Geduld mitbringt, sich auf diese zumeist hochkomplexen Arrangements einzulassen. Einzig Lakes Stimme hat in den Jahren deutlich gelitten, klingt aber nach wie vor gut.

Das “40th Anniversary Reunion Concert“ ist ein würdiger Schlusspunkt unter eine erstaunliche Karriere, die vielleicht hätte noch größer werden können, wenn es damals zur angedachten und verabredeten Zusammenarbeit mit Jimi Hendrix gekommen wäre. So aber blieben ELP ohne festen Gitarristen (auch eine Rarität im Bereich des sehr Gitarren-fixierten Prog-Rock) und hatten trotzdem immensen Erfolg. Mit diesem Live-Dokument resümieren EMERSON, LAKE & PALMER noch einmal die Stationen ihrer Karriere und beweisen, dass sie zurecht zu den ganz Großen im Bereich Progressive Rock gehören, pardon gehörten. Wenn es denn wirklich ein „never again“ ist.

Marc Langels, 18.11.2011

 

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