JJ Cale

Eric Clapton

The Road To Escondido

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2007
Jahr: 2006

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Redakteur(e):

Jürgen Ruland


JJ Cale
The Road To Escondido, Reprise Records/Warner Brothers Music Group, 2006
JJ Cale Vocals, Guitars
Eric Clapton Vocals, Guitars
u.a.
Produziert von: JJ Cale & Eric Clapton Länge: 57 Min 12 Sek Medium: CD
1. Danger (Cale)8. Hard To Thrill (Clapton, John Mayer)
2. Heads In Georgia (Cale)9. Anyway The Wind Blows (Cale)
3. Missing Person (Cale)10. Three Little Girls (Clapton)
4. When The War Is Over (Cale)11. Don't Cry Sister (Cale)
5. Sporting Life Blues (Brownie McGhee)12. Last Will And Testament (Cale)
6. Dead End Road (Cale)13. Who Am I Telling You? (Cale)
7. It's Easy (Cale)14. Ride The River (Cale)

Ich schweife mal etwas weiter zurück ... Im Logbuch des alltäglichen Wahnsinns schreiben wir den Anfang des Jahres 2006 und begeben uns während der unendlichen Reise durch das Universum der Rockmusik in einen Tempel des Kommerzes, wo der Geilheit des Geizes ein überdimensionaler Raum eingeräumt wird. Dort, wo neben dem Ramsch auch die Vermächtnisse der Ewiggestrigen ihren zwischenzeitlichen Platz gefunden haben, erblickte ein unmodisch Gekleideter (Röhren-Jeans, Lederjacke, Karohemd) eine CD, die ihn an seine fortgeschrittene Kindheit erinnerte. J.J. Cale ... da war doch mal was? Cocaine ... dazu hätte es eh nie gereicht, außerdem schmeckte Bier vermutlich viel besser, doch dieser Song? Ja, da war einst etwas. Eine Kneipe mit angegliederter Kleinstadt-Disco, vor welcher einen die wohlbesorgten, spießigen Erziehungsberechtigten immer gewarnt hatten. Und wo immer so eine g-e-i-l-e Musik lief ... Knapp sechs Euronen (laut einem Naturburschen namens Ted Nugent auch Euro-Pesos genannt) sollte der Preis des mit reichlich Vergangenheit beladenen Samplers lauten, und der "un-fashioned" gedresste Typ erwarb einen Silberling, betitelt "The Very Best Of J.J. Cale". Ende des Jahres 2006 lautete der diesbezügliche Eintrag im vorab erwähnten Logbuch: "Meist gespielte CD des Jahres" (zumindest, was den Typen in/mit der Lederjacke und seine bessere Hälfte betraf). Umso erstaunter blickte besagter Mensch aus der Wäsche, als ihm mittels eines werbemäßig informativen Druckwerks ein anderer, sorry, zwei andere Silberlinge, zum Kurs von 22,99 € angepriesen wurden. "Anyway The Wind Blows - The Anthology", u.a. auch durch die TV-Werbung hochgelobt, enthielt noch reichlich weiteren berauschenden Stoff vom Meister des Tulsa-Sounds und war gewiss auch selbst zu diesem Kurs für Freunde besagter Substanzen jeden verdammten Euro-Cent wert. Doch was hatte zu diesem Kursanstieg geführt?

Ride The River... der Song wird gewiss nicht nur im mir vertrauten Radiosender WDR2 bis zur Erbrechensgrenze gedudelt. Nach dem erstmaligen Hören zu nachtschlafender Zeit erschien dieser mir (vor Monaten) noch Ahnungslosen wie ein Song von besagtem J.J. Cale mit verdoppelten Lead-Vocals. Bingo, so war es auch. Beinahe jedenfalls, denn einer seiner größten Verehrer, ein gewisser Herr Clapton, durfte, wie ich später erfuhr, mitsingen. Nun war mir besagter Herr C. bis dato eher als großer Langeweiler aufgefallen. Ich weiß, "Clapton is God" soll vor Jahrzehnten bereits an den Mauern irgendwelcher Konzertpaläste gestanden haben, doch konnte ich diese Aussage nie so recht nachvollziehen. Trotzdem landeten Alben wie "Time Pieces - The Best Of Eric Clapton" oder "Just One Night" irgendwann in meinem CD-Regal und Songs wie Tulsa Time, After Midnight, Cocaine, Lay Down Sally oder Promises kommen bis in die heutigen Tage zu ihrem verdienten Recht auf Erhörung. Damit sind wir wieder bei Herrn Cale, denn der hat einst Klassiker wie Cocaine oder After Midnight geschrieben. Die anderen zuvor erwähnten Tracks klingen zudem so, als hätte unser Eric die Musik von J.J. sehr gemocht. Vermutlich tut er das bis heute noch. Und so hat er mit ihm gemeinsam ein Album aufgenommen.

Als Paul McCartney 1968 sagte "wenn sich zwei große Heilige begegnen, dann ist das eine erniedrigende Erfahrung", spielte er auf das zugegeben zumindest gewöhnungsbedürftige Album "Two Virgins - Unfinished Music No. 1" seines ex-Kumpels und immer weniger Songwriting-Partners John Lennon sowie dessen Lebenspartnerin Yoko Ono an. Fast vierzig Jahre später mag dieser Ausspruch (leider) oft noch auf viele gemeinsame Arbeiten (angeblich) hochverdienter Künstler zutreffen, im Falle Cale/Clapton jedoch geht der Kelch verbaler sarkastischer Ausschüttungen an den beiden vorbei.
Zugegeben, wenn Musiker wie diese beiden sich zusammen in ein Aufnahmestudio begeben, muss am Ende nicht immer ein Hochkaräter dabei herauskommen. Der Opener Danger mag für den einen relaxt klingen, ein anderer jedoch kann hier jedoch vielleicht auch schnell von langweilig sprechen. Das folgende Heads In Georgia rockt auch nicht gerade das Haus, besticht allerdings durch seinen geheimnisvoll anmutenden Mix von Cajun und Blues. Die sparsam eingesetzte Sologitarre lässt eindeutig die Handschrift J.J. Cales erkennen.
Nach einigen Jahrzehnten gegenseitiger Wertschätzung haben sich Cale und Clapton zusammengeschlossen und im August 2005 im sonnigen Kalifornien ein auf den ersten Eindruck hin gemeinsames Album aufgenommen. Die Einflüsse von Blues, Rock, Country oder Folk sind unüberhörbar, leider bleibt die Handschrift des amerikanischen Songwriters zuweilen arg im Hintergrund verborgen und lässt bei so manchem Track den besonderen Charme seiner bisherigen Alben ein wenig vermissen. Obwohl Cale den überwiegenden Teil des Songwritings bestritt, hat Clapton sein Vorbild hier und da leider ausgebremst. Missing Person geht in einer Altherrenrunde locker durch und rettet sich mit einem einfachen, wirkungsvollen Solo noch gerade über die Ziellinie.
Dass man aus einem Klassiker wie Call Me The Breeze ganz was Dolles machen kann bewiesen LYNYRD SKYNYRD auf "Second Helping" bereits 1974. Über dreißig Jahre später hat sich Cale zwar erneut an seinem eigenen Hit orientiert, ohne aber dabei den alten Geist wieder ganz einfangen zu können. When The War Is Over ist ein netter kleiner Boogie, doch der raue Charme des berühmten Vorgängers wird auch hier verfehlt.
Die ganze Chose klingt stets ein wenig steril, der Wüstensand bzw. -staub ist vor der Studiotüre geblieben. Vielleicht hätten die beiden Helden noch einige Gäste mehr einladen sollen, eventuell zu einer Cajun-Fete. Dead End Road mit einem famosen Albert Lee an der Sologitarre rettet "Road To Escondido" vor einem weiteren Minuspunkt. Einmal Fahrt aufgenommen, tuckert It's Easy in hier leider viel zu selten erlebter "calescher" Manier als langsamer Boogie über die endlosen Highways.
J.J. und Eric hatten sich zwar reichlich Besuch eingeladen (u.a. Taj Mahal, John Mayer, Derek Trucks, Doyle Bramhall II, Albert Lee, Nathan West, Willie Weeks, Steve Jordan und den inzwischen verstorbenen Billie Preston), doch den Kurs haben anscheinend die beiden vorgegeben, denn auch ein angenehmes Klaviersolo von Walt Richmond auf Hard To Thrill kann dem Album keinen entscheidenden Ruck geben.

"Road To Escondido" bekommt seine Höhepunkte immer dann, wenn Fahrt aufgenommen wird wie im Falle Anyway The Wind Blows oder beim herrlich groovenden Last Will And Testament mit einem dezenten Piano im Hintergrund. Sobald die Abteilung "Rhythmus" köchelt bzw. brodelt - wie so oft von J.J. Cale und seiner Band in der Vergangenheit unnachahmlich praktiziert -, ahnt man, was noch alles auf dieser trotz diverser Mankos durchaus empfehlenswerten Scheibe hätte passieren können.
Eric Clapton kommt bei Three Little Girls zu seinem Recht und darf eine eigene Marke setzen. Warum ausgerechnet Don't Cry Sister noch einmal neu eingespielt wurde bleibt ein Geheimnis, ein weiterer Kracher wie das abschließende, überragende Ride The River hätte aus "Road To Escondido" ein absolutes Highlight werden lassen können. So ist es einfach nur ein "gutes" Alterswerk zweier legendärer Musiker geworden.

Jürgen Ruland, 01.01.2007

 

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