Errorhead

Live


CD-Review

Reviewdatum: 17.03.2011
Jahr: 2011
Stil: Blues, Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Errorhead
Live, Eigenvertrieb, 2011
Marcus DemlGitarre
Andrew GräserGesang
Frank IttBass
Athanasios “Zacky“ TsoukasSchlagzeug
Produziert von: Marcus Deml & Frank Itt Länge: 68 Min 15 Sek Medium: CD
01. Connected06. Jimi Hendrix Medley
02. Heaven07. Tata
03. For My Brothers08. 99
04. Northern Lights09. Watch My Cloud
05. Dead Or Alive10. Bhakti

Der Blues ist – vor allem in seiner rockigen Variante – eine Musik, die man am besten live erlebt. Diese Spontaneität, diese Virtuosität, diese Leidenschaft kann man häufig schwer auf CD oder DVD bannen. Aber selbst das, was man von dieser Atmosphäre einfangen kann ist meist recht beeindruckend und kann (wenn auch nicht in dem Maße wie live vor Ort) begeistern.

Ein sehr gutes Beispiel für diese Ausführungen ist die Live-CD von ERRORHEAD, der Band um den Kosmopoliten (geboren in Tschechien, gelebt in Deutschland, Österreich und den USA) und Gitarristen Marcus Deml. Der Absolvent und ehemalige Lehrer am "Guitar Institute of Technology" in Los Angeles hat sich bisher eigentlich vornehmlich einen Namen als Studio- und Tour-Gitarrist für eher Rock- und Blues-fremde Künstler wie Laith Al-Deen, Nena und Sabrina Setlur gemacht. Nun präsentiert sich der Student von Larry Carlton, Scott Henderson, Paul Gilbert und Frank Gambale mit seiner Band eben als Blueser vor dem Herren.

Und was für eine Band der begnadete Techniker da um sich geschart hat. Als Sänger konnte Deml Andrew Gräser gewinnen, der selber ein mehr als passabler Gitarrist ist, schließlich spielt er unter anderem in der Tour-Band von Howard Carpendale. Aber als Sänger zeigt Gräser hier, dass er den richtigen Ausdruck hat für diese Art Musik und den Blues zu transportieren weiß. Bassist Frank Itt kommt ebenfalls aus dem Umfeld mehrer deutscher Pop-Künstler und kann hier seinen Bass mal etwas fetter klingen lassen als gewöhnlich und darf zudem deutlich mehr in Erscheinung treten. So gehört sein Solo bei Dead Or Alive schon zum besseren, was man mit einem Bass so anstellen kann. Komplettiert wird die Band durch Schlagzeuger Athanasios “Zacky“ Tsoukas. Auch er kein Unbekannter, der unter anderem schon bei FAIR WARNING, SOUL DOCTOR und aktuell auch noch bei der "Helmut Zerlett Band" aktiv ist. Tsoukas beeindruckt hierbei neben seinem Groove auch durch eine exzellente Technik, mit der er auch die komplexesten Fills und Grooves locker und leicht aus dem Handgelenk schüttelt.

Die Songs auf dem schlicht “Live“ betitelten Werk stammen denn auch bis auf eine Ausnahme allesamt aus der Feder von Marcus Deml und repräsentieren ein breites Spektrum des Blues. Von treibenden Songs wie bei Connected, For My Brothers oder Dead Or Alive über stille und fast schon besinnliche Momente wie bei Heaven, Northern Lights bis hin zu jazzigen Anklängen in Tata oder auch modernen Momenten (Watch My Cloud, Bhakti) bieten ERRORHEAD eine enorme Bandbreite und begeistern die Zuschauer deutlich hörbar. Dabei darf das mittlerweile obligatorische Jimi Hendrix-Cover nicht fehlen. Hier machen ERRORHEAD aber aus meiner Sicht den Fehler, das schon zu Tode genudelte Little Wing zu wählen. Das spricht weder für besondere Originalität noch gibt es musikalisch hier etwas wirklich Neues und Aufregendes zu hören. Einmal davon abgesehen, dass am Ende dieses so genannten Medleys einige Passagen aus anderen Hendrix-Songs „angerissen“ werden. Da wäre mit etwas wirklich Neues lieber gewesen, etwa I Don’t Live Today, Stone Free, Third Stone From the Sun, Spanish Castle Magic oder auch Burning Of The Midnight Lamp oder, oder, oder. Mittlerweile werden auch Red House und Voodoo Chile wesentlich seltener aufgegriffen als Little Wing. Das sollte den Musikern zu denken geben.

Aber ansonsten machen Deml, Gräser, Itt und Tsoukas alles richtig und legen ein Album vor, das den Großteil der Live-Energie direkt ins heimische Wohnzimmer (oder wo man eben auch immer gerade das Album hören mag) transportiert. Dabei ist der Sound schlicht herausragend. Man kann sogar jeden Anschlag des Drumsticks hören, so transparent wurden die einzelnen Instrumente aufgezeichnet – und das ohne dabei steril zu wirken. Hier haben sowohl die Zuständigen vor Ort als auch das Produzententeam ganze Arbeit geleistet und ein wunderbares Live-Album produziert, das einen Großteil der Energie und Faszination des Auftritts einfängt. Besser kann man es nur erleben, wenn man selber dabei war.

Marc Langels, 17.03.2011

 

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