Lynyrd Skynyrd

Essen, Grugahalle, 02.03.2010

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 04.03.2010
Stil: Southern Rock

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Lynyrd Skynyrd, Lake,
Essen, Grugahalle, 02.03.2010

Warum werden am Eingang eines Konzerttempels wie der Grugahalle in Essen Ohrstöpsel verteilt? Glauben die Verantwortlichen etwa, die Besucher, die in der Tat einen Altersdurchschnitt von 40 Jahren überschritten hatten, könnten einem ordentlichen Rock'n'Roll Gewitter nicht mehr standhalten? Selbst Grönemeyer sang doch einst schon: "Ich mag Musik nur, wenn sie laut ist". Mir geht's da nicht wesentlich anders...

Nachdem also die Support-Band LAKE, ja, ja, genau die aus den Siebzigern, mit Zimmerlautstärke und sagen wir mal provinziellem Charme, die kleine Meute von aufrechten Musikliebhabern in der Grugahalle anzuheizen versuchte, bliesen die von vielen als "Kings of Southern Rock" apostrophierten LYNYRD SKYNYRD mit einem wahren Brett die Gehörgänge durch. Was bei LAKE, die letztlich nur noch mit Urmitglied und Gitarrist Alex Conti an alte Zeiten erinnerten, moderat begann, steigerte sich anschließend tatsächlich zu einem echten Soundgewitter. Waren bei LAKE noch alle Instrumente klar und deutlich auszumachen, waberte es bei LYNYRD SKYNYRD doch schon gewaltig. Da mussten sich doch so manche Ohren erst einmal neu justieren.

LAKE operierten mit ihrem neuen Lead-Vocalisten Chris Thornton ganz ordentlich und stilsicher, kamen zwar sympathisch, aber irgendwie muckerhaft rüber. Für kleine Clubs mag das passen, für größere Hallen allerdings fehlte ihnen der letzte Biss. On the run und Jesus came down vom ersten, seinerzeit mit den 'Deutschen Schallplattenpreis' ausgezeichneten, Album durften da natürlich nicht fehlen. Doch, doch, es machte schon Spaß, diese ollen Kamellen mal wieder zu hören, doch die Eindringlichkeit des leider viel zu früh verstorbenen Sängers James Hopkins Harrison erreichte Chris Thornton zu keine Sekunde. Dafür kam der Satzgesang der restlichen Combo ziemlich gut. Nach einer alles in allem recht angenehmen und kurzweiligen halben Stunde verließen die einstigen Stars der Siebziger unter angemessenem Applaus die Bühne.

Apropos Stars der Siebziger: LYNYRD SKYNYRD leben schließlich auch nur noch von ihrem immensen Ruhm aus den seligen Siebzigern, als sie ein grandisoes Album nach dem anderen aus der Hüfte schossen und nach ihrem fatalen Flugzeugunglück irgendwie in eine künstlerische Sackgasse gerieten. Zahlreiche Umbesetzungen und zig weitere Todesfälle dezimierten LYN SKYN zu einem Torso, dem nur noch ein einziges Urmitglied, nämlich Gitarrist Gary Rossington, einen Funken Authentizität verleiht. Dies allerdings auch mehr schlecht als recht. Gary Rossington, dem man jahrzehntelangen Drogenabusus nachsagt, wirkte auf der großen Bühne eher statisch und maskenhaft, ganz so als stünde er unter dem Einfluss dämpfender Psychopharmaka. Seine Gitarrenarbeit erledigte der 59-jährige allerdings ohne Fehl und Tadel, wobei die etwas flinkeren und filigraneren Soli von seinen Kollegen Medlocke und Matejka übernommen wurden. Überhaupt, wenn jemand heutzutage die stolze Südstaatenfahne und das Erbe von SKYNYRD gut zu verwalten versteht, dann ist es wohl der sympathische und irgendwie witzige Ricky Medlocke, der offenbar mit Düsenantrieb ausgestattet für mächtig Alarm auf der Bühne sorgte. Da blitze neben einer weiß blinkenden Zahnreihe (ich stand immerhin ca. 20m von der Bühne entfernt) auch einiges an Leidenschaft und Enthusiasmus auf, was man von den übrigen Kollegen nur bedingt behaupten konnte.

Sänger Johnny van Zant agierte nach dem Motto 'business as usual', versteifte sich etwas zu heftig auf Publikumsanmache und spielte seine jahrelange Routine vollends aus. Diese routinierte Coolness, diese kaugummikauende Lässigkeit mag dem einen oder anderen durchaus gefallen, auf mich wirkte sie einstudiert und schon ein wenig abgenutzt. Der neue Keyboarder, mit dem treffenden Namen Peter Keys, saß langmähnig und mit dem Rücken zum Publikum gedreht auf seinem Pianostuhl und hämmerte recht unauffällig seine Honky-Tonk-Salven ins Rund. Der neu rekrutierte Bassmann Robert Keans überzeugte in passgenauem Seventies-Look samt Fliegerbrille und spielte ansonsten seinen Part sehr solide runter. Saitenschwinger Mark Matejka mag wohl rein technisch betrachtet der beste aller drei Gitarristen sein, wirkte auf der Bühne aber auch eher seltsam überdreht und affektiert. Die beiden blonden Sing-Miezen hinten rechts auf der Empore kamen kaum zur Geltung, weil sie im Gesamtsoundbild des Mixing Engineers wohl nur eine untergeordnete Rolle einnahmen.

Bleibende Momente bzw. erinnerungswürdige Szenen haben sich nicht wirklich festgesetzt, dafür schien alles etwas zu routiniert. Bei Gimme three steps, Call me the breeze und Sweet home Alabama kam zwangsläufig Wallung ins Publikum (es mögen übrigens um die 2000 gewesen sein), doch der letzte Funken, wollte zumindest bei mir nicht überspringen. Es war schön, die Jungs mal gesehen zu haben, sie sind immerhin Legenden, aber ein weiteres Mal brauche ich das nicht unbedingt.

Frank Ipach, 02.03.2010

Meine Fotostrecken findet ihr hier (LAKE) und hier (LYNYRD SKYNYRD)

Auch ein Wort zum Konzert wird der Fotograf sich noch erlauben, LAKE fand ich extrem amüsant, ich konnte den Text von On The Run noch aus dem Stegreif mitsingen, und würde mich freuen die Band nochmal länger anzuschauen.
Ich gehöre nicht zu den Leuten die LYNYRD SKYNYRD schon mal Live gesehen haben, schon gar nicht in der Original Besetzung. Ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die eine Band dissen, weil nicht mehr genug Originalmitglieder dabei sind. Wenn man so manch anderer Postille glauben schenkt, hätte an diesem Abend ja eine Trümmertruppe auf der Bühne stehen müssen. Weit gefehlt. Sicherlich ist Rossington nicht mehr der agilste, aber was er Gitarrentechnisch ablieferte war saubere Arbeit. Meine Highlights waren Still Unbroken, Simple Man und der LS-Song schlechhin: Freebird.
Der Sound hätte ein wenig differenzierter sein können, war aber am Mischput recht gut, ich für meinen Teil bin mit nem dicken Grinsen auf der Backe nach Hause getigert. Klasse Show!

Jörg Litges, 02.03.2010

 

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