Trouble

Gorilla Monsoon
SAHG

Essen, Turock, 12.04.2008


Konzertbericht

Reviewdatum: 12.04.2008

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Redakteur(e):

Jörg Litges (* 1965, ✝ 2015)

Jürgen Ruland


Essen, Turock, 12.04.2008

Über die legendären Doom-Metaller TROUBLE berichteten wir ausführlich vor gar nicht allzu langer Zeit. Anlässlich deren zweiter Tour durch unsere Breitengrade innerhalb eines Zeitraums von knapp zehn Monaten, verschafften sich die Kollegen Litges und Ruland ein Bild zur Lage.

Nachdem Chicagos feinster Metal Act im Vorjahr während seiner Tour zum aktuellen Longplayer "Simple Mind Condition" einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen hatte, stand für das Frühjahr 2008 überraschend eine weitere mehrwöchige Konzertreise durch Europa an.
Wie bereits anno 2007 sollte einer der deutschen Gigs in der Ruhrgebiets-Metropole Essen stattfinden. Ließ man seinerzeit noch die Wände der altehrwürdigen Zeche Carl im Stadtteil Altenessen erzittern, so führte die neue Reise TROUBLE ins "Turock", einen Club im Zentrum der ehemaligen Bergarbeiterstadt und Heimat der Kruppschen Stahlschmieden.

Leider gab es in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Tourneen der Amerikaner häufig Ungereimtheiten. So auch jetzt. In den Vorankündigungen und auf Flyern waren DRAGONLORD (US Black Metal) und COVERED CALL (Schweden Rock) als Support angekündigt. Letztlich gab es im Vorprogramm jedoch Gigs von GORILLA MONSOON und SAHG zu begutachten.
DRAGONLORD, die Band um TESTAMENTs Axtschwinger Eric Peterson, sahen sich bereits frühzeitig zur Tourabsage genötigt. Laut deren Aussage hatte ihr früheres Label "Escapi", welches auch TROUBLE unter Vertrag hat, den Schwarzmetallern von der Westküste bereits im Oktober 2007 eine Tourbeteiligung angeboten. Dabei blieb es, fortan gab es keine weiteren Rückmeldungen. DRAGONLORD verzichteten und touren dieser Tage durch Kalifornien. Eventuell nicht eingeweihte Fans waren gewiß not amused... [Das war aber seit Wochen bekannt, Jürgen. Hätte DRAGONLORD auch gerne gesehen. Der Fotosklave]

Unverständlich auch die Taktik beim Merchandise des Headliners. Zur Info hing bereits im Eingangsbereich des ,Turock' der Hinweis aus, dass es T-Shirts nur über die Homepage der Band zu erwerben gäbe. Im Inneren der kleinen Halle angelangt und am Verkaufsstand nach der angekündigten Unplugged-CD von TROUBLE gefragt, fiel die Reaktion des Verkäufers ernüchternd aus. Mit einem Schulterzucken wurde mitgeteilt, das die edle (?) Scheibe ausverkauft sei. Bitte über die Homepage gehen ...
Für alle, die es interessiert, hier die Titel auf besagter CD: Rain, Flowers, Requiem, Misery plus die beiden neuen Tracks Smile und 7:00 AM. Woher ich das weiß? War auf der Homepage ...

Den Shows der beiden Special Guests haben wir (meine bessere Hälfte Bea hatte aufgrund des astreinen Gigs 2007 die Reise mit angetreten) den Genuß von Gyros, Pommes und Bauernsalat vorgezogen. Man muss Prioritäten setzen.
Von SAHG haben wir demzufolge nur knapp die Hälfte mitbekommen. Die anderen Cracks (GORILLA MONSOON) mussten ganz ohne uns auskommen. Der Adminator möge sich im weiteren Verlauf dazu äußern.

SAHG. Instrumental passabel, gesanglich zum Schaudern. Teilweise cooles Riffing, aber diese Vocals ... Schwamm drüber !!

SAHG SAHG

Ob es am Frust über die unerhältliche Unplugged-CD lag, ob der Sound oben auf dem Balkon vielleicht nicht so superb ausfiel wie 2007 in der Zeche Carl? Mir hat TROUBLEs Gig nur bedingt gefallen. Warum?
Dass TROUBLE nicht eine vollständig neue Playlist haben würden war zu erwarten. Wenn man jedoch ein Mini-Album mit akustischen Aufnahmen anbietet, was bitte spricht dann gegen eine solche Einlage im Verlauf des Auftritts?
Die einzelnen Bandmitglieder machten einen fitten Eindruck. Keine Spur von müden, alten Doomstern. Mit reichlich Power ging es querbeet durch die eigene Historie. Eric Wagner sollte vielleicht etwas weniger rauchen, dann könnte er womöglich lauter singen. Die beiden Gitarreros Bruce Franklin und Rick Wartell spielten gewohnt souverän, allerdings nicht überragend wie noch vor zehn Monaten. Bassist Chuck Robinson stand oft unbeweglich wie ein Fels in der (metallischen) Brandung und Drummer Jeff Olson zeigte sich an seinem ungewöhnlich angeordnetem Kit in Höchstform. Spielte mit reichlich Schmackes und zerlegte dabei seine Snare ...

Trouble Trouble

TROUBLE sind die Altmeister des Doom Metal. Mit dem inhalierten Spirit von BLACK SABBATH verfeinerten sie im Laufe der Jahre ihren Stil. Alben wie "Psalm 9" oder "The Skull" gelten als Klassiker. Bands wie ANATHEMA, PARADISE LOST oder MY DYING BRIDE zählen die Chicagoer zu ihren wichtigsten Einflüssen. TROUBLE haben zuletzt mit "Simple Mind Condition" eine groovende Symbiose aus Doom und Siebziger Hard Rock veröffentlicht und konnten im Essener Turock erneut beweisen, das sie auch heute noch eine feste Größe darstellen.
Den Anwesenden schien es gefallen zu haben. TROUBLE waren gut, aber an manchen Tagen können sie eben auch genial sein...

Ich gebe das Wort an meinen Kollegen. Jörg, sag was !!

Jürgen Ruland, 12.04.2008

Jau! Hier! Reichlich Doom gab's heute Abend!
GORILLA MONSOON die ihr ja wegen leiblicher Gelüste verpasst habt, gefielen mir am besten. Doomig, ohne einen an Ozzy erinnernden Sänger zu haben, rockten sie die noch nicht sooo zahlreichen Fans. Gefielen mir sehr gut. Grade die thrashigen Elemente fand ich klasse. Im Publikum fanden sich einige tobende Fans, unter anderem der Basser von SAHG.

Gorilla Monsoon Gorilla Monsoon

SAHG, nun ja. Das war, stimmlich gesehen, Ozzy live. Über den meckert auch keiner. Musikalisch waren die Jungs genial, schön Retro-70's-mässig, ich war aber heute nur der Fotograf und finde Doom eher nicht so prickelnd, diese Mischung aus Retro-Stoner gefiel mir aber ganz gut. Über die stimmliche Leistung zu fachsimpeln fällt mir schwer, ich fand Eric Wagner auch nicht wesentlich überragender. Ich stehe nicht so auf diesen weinerlichen "Gesang", und Kollege und Vorbild Osbourne hat's halt nicht besser vorgemacht.

Allgemein waren TROUBLE aber doomig, praktisch, gut. Sound war unten recht gut, druckvoll und nicht so laut, so dass drei Tage Ohrenrauschen verhindert wurden . Und der Sinn einer Unplugged-CD einer Doom Metal Band entzieht sich mir total. Wenn sich die Jungs auf Barhockern zu 'ner Unplugged Session hingesetzt hätten, wäre meine Getränkekarte wahrscheinlich noch besser gefüllt gewesen.

Alles in allem war's aber ein genialer Abend, den kein Fan unglücklich verlassen hat. Ich steh trotzdem eher auf schnelle Riffattacken.

Bitte schaut euch unbedingt die Fotostrecke vom Konzert an!

Jörg Litges, 16.04.2008

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