Pentagram

Trouble
Syrach

Essen, Turock, 03.10.2009


Konzertbericht

Reviewdatum: 07.10.2009
Stil: Doom Metal

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Redakteur(e):

Jörg Litges (* 1965, ✝ 2015)


Pentagram, Trouble, Syrach,
Essen, Turock, 03.10.2009

Tag der deutschen Einheit 2009. Abends "rockt" die frisch geliftete Blondine Gottschalk die geeinte Nation mit "Wetten das", Gott sei Dank hat das Turock ein Alternativprogramm parat, die Doom Legenden TROUBLE und PENTAGRAM in einem Package. Ich bin nun nicht der große Doom-Experte, aber TROUBLE kommen mit neuem Sänger (Kory Clarke, WARRIOR SOUL) und PENTAGRAM, die Urgesteine (1971 gegründet) der Doom-Szene, zum ersten Mal überhaupt nach Deutschland.

Als drittes im Boot sind SYRACH, die als Opener einen soliden Gig ohne nennenswerte Höhepunkte hinlegen. Bei einigen Gigs dieser Tour waren THE DEVILS BLOOD als Opener dabei. Meine Güte. Das wäre im Nachhinein ein Billing zum Niederknien gewesen.

Noch war ich aber gespannt. Was würden die Bands bringen. TROUBLE attestierte ich mit Eric Wagner ja eine langweilige Show. Aber schon nach den ersten Tönen von Ride The Sky wird klar, da steht eine komplett veränderte Band. Goldlocke Kory hat einen gehörigen Stapel Blätter mit Songtexten dabei, auf die er vor jedem Song mal draufblickt, dann aber weglegt. Macht mir den Mann sehr sympathisch, wenn ich an den letzten TESTAMENT Gig denke, wo Chuck Billy seine Monitore mit Texten bepflastert hatte.
Ablesen des Textes geht eh nicht. Der Knabe lebt die Songs. Mal an einen jungen Plant erinnernd, mal einfach agressiv wie ein Dave Mustaine, springend, tänzelnd, bangend, heizt er den Rest der Band ebenfalls zu Höchstleitungen an. Wesentlich agiler und interaktiver als noch vor einem Jahr bewegt sich die Band auf der Bühne, auch die Riffs kommen härter und schneller. Absolut geil. Wo letztes Jahr noch die Höchstleistung des Sängers darin bestand, unbeschadet von rechts nach links zu taumeln gibt's diesmal eine echte Rockshow! Korys Stimme ist bei den Ansagen zwar extrem heiser, liefert aber sonst eine sehr gute Leistung ab. Ist nicht zu toppen das Ding. Geiles Konzert. Einhelliger Tenor um mich rum: wesentlich besser als mit Eric Wagner.

Die Erwartungen an PENTAGRAM waren jetzt natürlich hoch, das gerade Gesehene zu überbieten ist eigentlich unmöglich. Und was machen die Knaben? Zeigen dann das man auch zugekifft (oder was immer die eingeworfen hatten) auch 'ne geile Show machen kann. Als die Jungs auf die Bühne kamen dachte ich erst "OK, bekommste den letzten Bus noch, die fallen eh gleich um" und dann? Scheiße! Die ersten Riffs schallen durch den Club und wie entfesselt legt die Band eine Show hin, die sich gewaschen hat. Bobby Liebling sieht zwar älter aus als er vermutlich jemals werden wird, ist aber ein solcher Sympath! Diabolisches Posen, unbeholfener Ausdruckstanz und Rumgealbere wechseln sich ab, gerade wenn er die Kamera sieht ist er immer für ein Spässken gut. Das macht verdammt viel Spaß, was die Vier da treiben! Die Songs (ich sage mal: Stil ganz frühe BLACK SABBATH) wirken nicht angestaubt, und haben nicht an Magie verloren, oft hört man die typischen Geezer Butler Riffs durch. Das Turock ist inzwischen gut gefüllt, und als ich mich nach einem kurzen Pitstop wieder auf meine Position durchgeschlagen hatte, springt gerade ein Stagediver in die Menge. Wie oft gibt es Stagediver bei Doom-Konzerten?

Das war ganz großes Kino was hier heute abging, und man kann den Turock Machern nicht genug danken, das sie immer wieder (auch wenn ein finanzielles Debakel drohen könnte) solche Billings ins Programm nehmen. Heute wurden sie für das Risiko belohnt, denn in anderen Städten waren die Zuschauerzahlen anscheinend wesentlich geringer.

Schaut euch unbedingt auch die große Fotostrecke an!

Jörg Litges, 03.10.2009

 

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