Evile

Eradicator
Warbringer
The Fading

Essen, Turock, 20.02.2010


Konzertbericht

Reviewdatum: 23.02.2010
Stil: Thrash Metal

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Redakteur(e):

Thomas Dietz

Daniel Horlbogen


Evile, Warbringer, The Fading, Eradicator,
Essen, Turock, 20.02.2010

Das Turock lädt heute zum Thrash Metal-Abend. Mit EVILE und WARBRINGER stehen bei dem heutigen Konzert gleich zwei der zurzeit erfolgreichsten Vertreter des Thrash Metal-Revivals auf der Bühne. Die beiden Bands reisten in den letzten fünf Wochen zusammen mit ihrem Support-Act THE FADING quer durch ganz Europa und spielen an diesem Abend ihre letzte Show der Tour. Dementsprechend ausgelassen ist die Stimmung bei allen Musikern. Und auch das zahlreich erschienene Publikum zeigt sich von Beginn an in bester Laune und ist gespannt darauf zu sehen, wie sich die "jungen Wilden" so schlagen. Es kann also losgehen.

Das tut es auch pünktlich um halb acht. Allerdings gibt's heute noch einen lokalen Opening-Act zu sehen bzw. zu hören. ERADICATOR kommen aus dem schönen Sauerland und spielen absolut überzeugenden Old School-Thrash. Dabei vermischen die Jungs den Härtegrad der frühen KREATOR mit dem technischen Können aus der Bay-Area. Die musikalischen Einflüsse wechseln nahezu von Song zu Song. Das macht das Gehörte auch gerade interessant. Anstatt sich nur einer Spielart zu verschreiben, zitiert die Truppe immer wieder andere Thrash-Klassiker. Da die Band derzeit auf der Suche nach einem neuen Gitarristen ist, steht beim heutigen Auftritt "nur" ein Ersatzmann auf der Bühne, der seine Sache allerdings durchaus gekonnt meistert. ERADICATOR kommen beim Publikum sehr gut an und können für ihren kurzen Auftritt eine Menge Beifall ernten. Damit haben sie sich heute mit Sicherheit die Gunst einiger neuer Fans erspielt. Jeder traditionsbewusste Thrasher sollte die Band mal anchecken. Es lohnt sich!

Als nächstes stehen THE FADING auf dem Programm. Dabei handelt es sich um eine junge, aufstrebende Band aus Israel, die sich dem melodischen Death Metal verschrieben hat. Der Sound der Gruppe ist dabei aber weit aus weniger Göteburg-lastig wie man zunächst annehmen möchte. Im Gegenteil, über weite Strecken haben die Lieder eine nicht zu verachtende Thrash Metal-Schlagseite. Somit passt das Quintett, trotz der stilistischen Abweichung, ja dennoch gut in das Tour-Paket. Das denken sich wohl auch viele der bisher anwesenden Zuhörer und spenden ordentlichen Applaus, der die Band im laufe ihres Sets immer weiter motiviert. Mit jedem Song gelingt es den Israeliten das Publikum ein Stück mehr für sich zu gewinnen. Wenn man bedankt, dass die Gruppe zum ersten Mal überhaupt auf Tour ist, wirkt das Dargebotene umso überzeugender. Die Jungs scheinen sich in den letzten Wochen richtig gut an die Live-Situation gewöhnt zu haben und bieten eine energievolle und äußerst kurzweilige Show. Guter Auftritt!

Jetzt wird es zeit für WARBRINGER das Schlachtfeld zu entern. Nicht wenige Headbanger scheinen heute nur wegen den kalifornischen Kriegtreibern hier zu sein. Die beiden bislang veröffentlichten Alben waren ein ziemlicher Erfolg und verhalfen der Band ihren Bekanntheitsgrad weit aus dem Underground heraus zu heben. In den ersten Reihen drängen sich Kuttenträger an Kuttenträger und dabei ist auffällig, dass WARBRINGER zu Großteilen wohl nur eine sehr junge Hörerschaft ansprechen. Als die Amis anfangen sich durch ihr Set zu knüppeln, bricht auf der Stelle ein riesiger Moshpit los, der bis zum letzten Ton des Auftritts kaum mehr verebbt. WARBRINGER sind die eigentlichen Headliner des Abends und sorgen mit ihrem Rumpel-Thrash für neue "Stagediver pro Minute"-Rekorde. Für mich ist zwar kaum nachvollziehbar wie man mit diesem Holterdiepolter-Sound die Fans dermaßen zum ausrasten bringen kann, aber vor allem die zahlreichen (Jung-) Thrasher scheinen sich diese Frage nicht zu stellen und toben sich während der 50-minütigen Spielzeit so richtig aus. Bis in die hintersten Reihen wird gemosht und mitgebrüllt und während der letzten Lieder wird sogar die komplette Bühne von der tobenden Meute belagert. Wenn die Band an den anderen Abenden ebenfalls so abräumen konnte wird es sicher nicht mehr lange dauern bis die Kalifornier selber den Headliner-Status genießen. Der Erfolg mag ihnen Recht geben, für mich bleibt das ganze aber Geschmackssache.

Als EVILE die Bühne betreten haben sich die Reihen schon deutlich gelichtet. Natürlich werden die Engländer trotzdem von einer angemessenen Anzahl Thrash-Fans begrüßt, die gespannt darauf sind das Material der neuen Scheibe "Infected Nations" live zu hören. Bevor die vier Briten zu Werke gehen richtet sich Sänger Matt Drake an das Publikum und informiert noch kurz die Anwesenden über die schicksalhafte Neu-Besetzung der Bass-Position. Wie inzwischen den meisten bekannt sein dürfte ist der bisherige Bassmann und Band-Mitbegründer Mike Alexander im Oktober letzten Jahres unerwartet an einer Lungenembolie verstorben. Wie EVILE auch schon öffentlich erklärt haben wollen sie sich trotz alle dem nicht beirren lassen weiter ihren Weg zu gehen, gerade um das Andenken an ihren verstorbenen Freund zu bewahren. Das ist auch gut so und mit Joel Graham wurde in kürzester Zeit auch ein adäquater Ersatz gefunden.

Nun ist die Mannschaft wieder komplett und zeigt auch am letzten Termin der Europa-Tour, dass sie zu Recht eine Spitzenposition in der neuen Thrash Metal-Bewegung inne hat. Das Material der aktuellen Scheibe fällt zwar beim ersten Hören etwas sperriger aus, zündet aber live genauso wie die Songs vom Debüt "Enter The Grave". Die Balance zwischen knallharten Old School-Nummern (Thrasher, Schizophrenia) und messerscharfen Riff-Monstern (Bathe In Blood) macht die Klasse von EVILE sofort deutlich. Technisch anspruchsvoller Thrash Metal mit der richtigen Durchschlagskraft, dazu jederzeit bangkompatibel. Das muss man erst mal hinkriegen. Respekt an die Jungs! Auch heute Abend können sie auf ganzer Linie Punkten und wissen eine treue Fanbasis hinter sich. Zum Tourabschluss gibt's heute noch ein Cover in Form von Creeping Death zu hören. Schlusspunkt des Abends wird der Titelsong des ersten Albums Enter The Grave. EVILE haben damit, nach den überzeugenden Shows im Vorprogramm von MEGADETH und EXODUS, eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass die Band auch locker als Headliner bestand hat. In der momentanen Verfassung dürften den Briten also alle Türen offen stehen. Weiter so!

Thomas Dietz, 20.02.2010

 

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