Dan Baird

Essen, Zeche Carl, 16.11.2004

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Konzertbericht

Reviewdatum: 16.11.2004

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Dan Baird @ facebook



Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Essen, Zeche Carl, 16.11.2004

Das Konzert des Jahres verpasst? Hatten wir das nicht bereits im letzten Jahr als Schlusssatz für alle Nicht-Dabeigewesenen des Duisburger Auftritts von Dan Baird und seinen Mannen? Nicht doch, jetzt schon wieder?
Ja, das kann man wohl ohne Wenn und Aber sagen. Und überhaupt, vielleicht war's sogar noch 'ne Spur besser als im Vorjahr, denn in Essens Zeche Carl war auch der Sound tippi toppi. Dabei stand der Gig unter keinem guten Stern, denn es begann schon damit, dass es ein Nachholkonzert für die ausgefallene Tour im Juli 2004 war. Dann kackte der Van mitsamt Equipment irgendwo zwischen Berlin und Essen ab, und die Jungs hatten sich teilweise auch heftig erkältet. Die Rolle Lokuspapier auf dem Drumkit wurde von Mr. Baird immer wieder herangezogen. Egal, weg den Rotz und weitergerockt.

Als ich gegen 19.00 Uhr in Altenessen eintrudelte, schaute es in der Zeche Carl noch reichlich leer aus. Die Befürchtung vor maximal 20 Nasen spielen zu müssen bewahrheitete sich zum Glück nicht. Als Dan Baird, Ken McMahan, Keith Christopher und Mauro Magellan kurz nach 21.00 Uhr loslegten war die Hütte angenehm voll. Mit Dixie Beauxderant begann eine Show ohne Firlefanz immer voll auf die Glocke, nur gelegentlich von ruhigeren Songs unterbrochen. Dan ist mittlerweile 50 Jahre alt, da musste auch mal etwas Langsameres her. Aber nicht lange, die volle Rock'n'Roll Breitseite wurde über 2 Stunden lang geboten. Ihre Klampfen hatten die Jungs noch retten können, die Verstärker stellte ihnen freundlicherweise die Vorgruppe WEED zur Verfügung.

Es ist schwer eine Show dieser verkappten GEORGIA SATELLITES in Worte zu fassen. Es schaut alles so einfach aus und klingt so locker, aber wer ein wenig von Musik versteht, merkt schnell, dass die Band einfach traumhaft aufeinander eingespielt ist. Da sitzt jeder Ton, da gibt es nicht nur ein Runterleiern von alten Standards (mit neuem Material ist das ja so eine Sache...), sondern man jammt ein wenig und plötzlich ist man mitten im angepeilten Song. Und Spaß haben die Vier, das merkt jeder sofort. Dan und Ken spielen sich auf ihren Klampfen den A... ab, die Soli reißen dich von der Stelle, es kommt Bewegung in die müden Beine, und die Rhythmusparts grooven unnachahmlich. Dabei spielt es kaum eine Rolle was da gerade songmäßig abläuft, top quality ist angesagt. Rock'n'Roll von der Straße wie er besser nicht sein kann, schnörkellos und immer ein Volltreffer. Keith passt als Bassist wie der bereits gerade zitierte A... auf den Eimer, Mauro ist der Überdrummer schlechthin. Kein Neil Peart, aber das ist hier auch nicht gefragt. Ein solides Fundament wird benötigt, genau dieses wird auch geliefert.
Wer die beste R'n'R-Band ist wurde eindrucksvoll demonstriert, da können sich die vielgerühmten STATUS QUO mehr als eine Scheibe abschneiden. Wer ihre letzte Tour verfolgt hat und einen Monat darauf dieses Quartett hat über die Bühne rocken sehen, weiß was ich meine. Nichts wirkt einstudiert, da wird gewitzelt, da wird über die Bühne getobt, dass es einem als Konzertbesucher mehr als die wahre Freude ist.

Das Repertoire kann man sich beim Bericht zum Duisburger Konzert 2003 durchlesen... halt, ein kleiner Joke muss sein. Ganz so ist es nicht gewesen. Klar hält das Material der alten GEORGIA SATELLITES ausgiebigst her und natürlich wird im viel zu kleinen Fundus von Mr. Baird's Soloalben ausgiebigst geplündert, aber hier und da streut man mitten im gerade dargebotenen Track einen Klassiker der Rockgeschichte ein, so z. B. während Sheila mal eben das gute alte Gimme Some Lovin'. Walking The Dog bleibt in der Hütte, heute darf It's All Over Now raus. Open All Night und Six Years Gone fehlen leider im Set, aber bei der Vielzahl von Gassenhauern tut das der extrem guten Stimmung keinen Abbruch.
Egal ob das vom letztjährigen Resteverwerter (aber was für welche...) "Out Of Mothballs" stammende Picture On The Wall oder der Hit Keep Your Hands To Yourself, das Songmaterial klingt wie aus einem Guss.

Als die Band nach dem zweiten Zugabenblock I Dunno beendet hat und Dan die Leute mit einem freundlichen "Go Home" verabschiedet, geht ein großes Konzert zu Ende. Größe definiert sich nicht immer nach Hallengröße, Zuschauermenge, Equipment oder sonst was, nein hier hat gerade wieder die größte Rock'n'Roll Band zugeschlagen. Besser geht's nimmer!!!

Jürgen Ruland, 17.11.2004

 

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