Europe

Last Look At Eden (EP)


CD-Review

Reviewdatum: 10.07.2009
Jahr: 2009
Stil: Hard Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Europe
Last Look At Eden (EP), earMusic, 2009
Joey TempestGesang
John NorumGitarre
John LevenBass
Mic MichaeliKeyboards
Ian HauglandSchlagzeug
Produziert von: Europe Länge: 25 Min 00 Sek Medium: CD
01. Last Look At Eden04. Start From The Dark
02. U Devil U05. Since I've Been Loving You
03. Superstitious

EUROPE haben geschafft, was vielen anderen Bands nicht geglückt ist: die erfolgreiche Wandlung von der „Teenie-Band“ (sprich: die Anhängerschaft rekrutierte sich hauptsächlich aus dieser Altersgruppe) zur ernstzunehmenden Rock-Gruppe. In den 1980er Jahren vor allem durch das ultra-eingängige The Final Countdown und das nicht minder erfolgreiche Carrie an die Spitze der internationalen Charts katapultiert, brachte die Band zwar weitere hochklassige Alben heraus. Aber diesen singulären Chart-Erfolg von The Final Countdown konnten sie nicht wiederholen. Dann kam die fast schon logische Trennung, aber eben vor ein paar Jahren auch die genauso konsequente Reunion.

Im Gegensatz zu vielen anderen wiedervereinigten Bands, die verzweifelt versuchen, den Sound und die Erfolge der Vergangenheit erneut zu erreichen, haben sich EUROPE weiterentwickelt, zu einer Band mit modernem - wenn man so will erwachsenem und düsteren - Sound (dem manche das Label "grungig" aufzudrücken versuchen). So veröffentlichten sie dann zwei sehr gute wenn auch nicht überragende Alben: "Start From The Dark" und "Secret Society". Im vergangenen Jahr machten EUROPE dann durch die Semi-Akustik-CD namens “Almost Unplugged“ von sich reden, "nahezu akustisch" deswegen, weil Gitarrist John Norum und Keyboarder Mic Michaeli eben doch nicht ganz auf strombetriebene Instrumente verzichten wollten.

Nun aber steht im Herbst das neue - mittlerweile achte - Studiowerk an und als Appetitanreger servieren uns EUROPE eine EP. Der Titeltrack Last Look At Eden macht dabei sofort Lust auf das nächste Werk, denn hier schlagen EUROPE die soundtechnische Brücke zwischen den Werken der Vergangenheit und den jüngsten Studio-CDs. Die Band klingt nach wie vor erwachsen und etwas düsterer, bezieht sich aber offensichtlich deutlicher wieder auf die Anfänge der Band. Hier gibt es zwar keine Mitsing-Refrains wie noch zu seligen “The Final Countdown“-Zeiten, aber Last Look At Eden setzt sich trotzdem gut im Ohr fest, ganz im Gegensatz zu einigen Liedern von “Start From The Dark“ oder “Secret Society“.

Klanglich sind Parallelen zum Puff Daddy-Song Come With Me festzustellen, sowohl was das Riffing betrifft (der Hip-Hop-Mogul bediente sich damals des legendären LED ZEPPELIN-Riffs zu Kashmir), als auch was den Einsatz von Streichern zur Unterstützung anbelangt. Mit diesem sehr symphonischen Stück unterstreichen EUROPE erneut, dass mit ihnen im Bereich des eingängigen Hardrock wieder verstärkt zu rechnen ist. Denn der Refrain krallt sich im Ohr fest und das Stück findet genau den schmalen Grat zwischen hart und dennoch eingängig. Die Keyboards tragen mit dem Streichersound auch wieder gehörig zum Gelingen bei und sind nicht mehr bloßes Zierwerk im Hintergrund. Insgesamt dürfte Last Look At Eden insbesondere für die Fans der alten EUROPE ein Fingerzeig in die richtige Richtung sein. Wie bei anderen EPs auch haben EUROPE das Video zum Titel-Song mit auf die CD gepackt, aber besonderes sehenswert ist das Video nicht und daher eigentlich nur für Fans interessant.

Der zweite Album-Track U Devil U geht in eine ganz andere Richtung als Last Look At Eden, weiß aber auch zu überzeugen. Hier wird weniger pompös instrumentiert, sondern locker groovend drauflos gerockt. U Devil U dürfte ein sehr gutes Zwischenstück auf dem kommenden Album abgeben. Das Stück hätte sicherlich vom Gitarrenriff auch gut von KING’S X stammen können. Im Gegensatz dazu stehen wieder die zuckersüßen Gesangsmelodien von Joey Tempest – aber gerade der Kontrast macht hier auch den Reiz aus. U Devil U ist ebenfalls sehr gelungen.

Als Boni gibt es noch drei Live-Stücke. Superstitious ist alleine schon deswegen interessant, um zu sehen, was Gitarrist John Norum aus dem Original von Kee Marcello (der die beiden EUROPE-Werke “Out Of This World“ und “Prisoners In Paradise“ einspielte) macht. Bis auf einige kleinere Schlenker bleibt er aber dem Original - auch im Solo - treu. Start From The Dark hingegen klingt im Vergleich zu Superstitious gleich mal ein Stück düsterer und macht die Unterschiede zwischen den Anfängen in den 80er Jahren und der jüngeren Vergangenheit deutlich. Zugleich unterstreicht das Stück, dass EUROPE eben nicht nur den „guten alten Zeiten“ nachrennen, wie dies viele reformierte Bands tun, sondern neue frische Wege ausprobieren (auch auf die Gefahr hin bei ihren Fans auf Ablehnung zu stoßen). Der Sound der Live-Songs ist dabei als sehr gute Bootleg-Qualität zu beschreiben, der die Energie der Band in seiner rohesten Form konserviert. Da tragen die nicht ganz perfekten Background-Vocals eher noch zur Authentizität und zum Charme der Aufnahme bei. Generell machen die beiden Songs aber auch schmerzhaft deutlich, dass es von EUROPE immer noch ein richtiges Live-Album fehlt. Dabei gehört die Band auf der Bühne zum Stärksten und Überzeugendsten im Bereich Hardrock.

Abschließend servieren EUROPE noch ein Stück von ihrem “Almost Unplugged“-Album, das LED ZEPPELIN-Cover Since I’ve Been Loving You. Vorab sollte ich erklären, dass dieses Lied zu meinen absoluten All-Time-Faves der bleiernen Luftschiffe zählt, insofern ist es nicht verwunderlich, dass ich die EUROPE-Version etwas zwiegespalten sehe. Denn so nahe am Original wie Norum, Michaeli, Leven und Haugland das Stück auch musikalisch präsentieren, so sehr bleibt Tempest jene Emotionalität, Hingabe und pure Leidenschaft - kurz den Soul - von Plant schuldig. Sicherlich ist das Cover nicht schlecht, aber es erzeugt eben nicht die Gänsehaut, die sich bei der LED ZEPPELIN-Version jedes Mal bei mir einstellt.

Aber das ist auch das einzige Manko der EP. Denn ansonsten ist “Last Look At Eden“ ein sehr gelungener Vorgeschmack auf das kommende Studiowerk.

Marc Langels, 09.07.2009

 

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