Eva Cassidy

Live At Blues Alley - 25th Anniversary Edition

( English translation by Google Translation by Google )

LP-Review

Reviewdatum: 20.11.2021
Jahr: 2021
Stil: Blues, Jazz
Spiellänge: keine Angaben
Produzent: Chris Biondo

Links:

Eva Cassidy Homepage


Plattenfirma: Blix Street Records


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

T-Bone Walker

Simon & Garfunkel

Pete Seeger

Titel
Side 1:
01. Cheek To Cheek
02. Storm Monday
03. Bridge OverTroubled Water
Side 2:
01. Fine And Mellow
02. People Get Ready
03. Blue Skies
04. Tall Trees In Georgia
 
Side 3:
01. Fields Of Gold
02. Autumn Leaves
03. Honeysuckle Rose
Side 4:
01. Take Me To The River
02. What A Wonderful World
03. Oh, Had I A Golden Thread
Musiker Instrument
Eva Cassidy Vocals, Acoustic and Electric Guitar
Chris Biondo Bass Guitar
Keith Grimes Electric Guitar
Raice McLoed Drums
Lenny Williams Piano
Hilton Felton Hammond Organ on 'Oh, Had I A Golden Thread'

Das Musikbusiness ist wahrlich reich an Tragödien. Nichtsdestotrotz dürfte Eva Cassidy einen der Spitzenplätze einnehmen. Dass es eine Sängerin mit so enormen Potenzial zu Lebzeiten gerade mal auf ein Studio- und ein Live-Album gebracht hat und gerade, als ihr Stern am aufsteigen war, im Alter von 33 Jahren an Krebs starb, darf durchaus als tragisch gelten. Aus unterschiedlichen und schwer nachzuvollziehenden Gründen hatte sie es bis dahin nur zur regionalen Bekanntheit im Raum Washington gebracht. Hier nahm sie am 2. und 3. Januar 1996 ihr Album “Live At Blues Alley“ auf, welches nun, zum 25. Jubiläum, wiederveröffentlicht wird.

 

Blues und Jazz kommt auf Vinyl einfach am besten, oder? Umso erstaunlicher, dass das Album nun erstmals auf Vinyl veröffentlicht wird. Dafür wurde aber auch gleich gewichtiges 180 Gramm Material verwendet und die Original-Bänder für das “High Resoultion Mastering“ verwendet. Zweifellos auch eine Besonderheit, dass die beiden LP's nicht auf 33, sondern mit 45 Umdrehungen laufen. Also Achtung beim Auflegen, sonst singt hier plötzlich eine eher männliche Stimme. Und das wäre doch wirklich schade.

 

Grundsätzlich muss man sagen, wurde hier hervorragende Arbeit geleistet. Der Sound ist so glasklar wie warm und schließt man die Augen, kann man sich sehr leicht in den “Blues Alley“-Club an einem der beiden Abende versetzen. Bekanntlich konnten nur die Aufnahmen vom zweiten Abend verwendet werden und von den 31 Songs wurden auch nur 12 für das Album verwendet. Sänger*innen sind ja nie mit ihren Gesang zufrieden und auch Eva fand wohl das ein oder andere Haar in der Suppe. Ich kann keines finden und bereits bei Irving Berlins Cheek To Cheek, das von Eva nur Fingerschnippend eingeleitet wird, erlebt man ihre Klasse. Ich weiß nicht, ob das der erste Song des Abends war, die Sängerin ist in kürzester Zeit auf “Betriebstemperatur“ und überzeugt mit ihrer Stimme ebenso, wie Pianist Lenny Williams mit seinem ebenso flinken wie hervorragendem Spiel auf den schwarzen und weißen Tasten.

 

Das sollte nicht vergessen werden, dass hinter Eva Cassidy auch eine tolle Band agiert hat, die sicher keine Rock'n'Roll-Band war, aber von Jazz über R&B zu Soul und Blues alles perfekt drauf hatte. Und wie Eva nahtlos und genial zwischen diesen Stilarten pendelte, kann man beim Blues-Standart Stromy Monday miterleben. Allein die erste Seite dieses Albums ist schon ein Erlebnis, gekrönt von der Version von Bridge Over Troubled Water, der Originalvorlage aber sowas von auf den Fersen ist, was Gefühl und Dramatik angeht. Denn Cassidy glänzt längst nicht nur, wenn Power angesagt ist, sondern lässt den Hörer mit ihrem Timbre auch bei leisen Stellen dahinschmelzen.

 

Denkt man, die erste Seite wäre kaum zu übertreffen, setzen Eva und Band mit beindruckenden Versionen von Billie Holidays Fine And Mellow (wo Eva stark an Nina Simone erinnert), People Get Ready, Irving Berlins Blue Skies und Buffy Saint-Maries Tall Trees In Georgia da an Vielfalt und Klasse noch einen drauf. Gerade bei letztgenanntem Titel brilliert die Sängerin nur zur Gitarrenuntermalung überwältigend. Das muss man sich wirklich über eine gute Anlage oder über Kopfhörer geben.

 

Womöglich brachte es Richard Harrington von der Washington Post 1996 am besten auf den Punkt: “She could sing anything -- folk, blues, pop, jazz, R&B, gospel -- and make it sound like it was the only music that mattered.“ Wie anders kann man einem Sting bei dessen Fields Of Gold schier den Rang ablaufen? Oder eine Version von What A Wonderful World liefern, die gegen Louis Armstrong anstinken kann? Ob mit dem melancholisch-nachdenklichen Autumn Leaves, oder dem munteren Honeysuckle Rose – einmal mehr klasse, Lenny Williams am Piano! - und zum Finale hin, wird mit Al Greens Take Me To The River direkt ein bisschen gerockt. Hier hätte ich ihr direkt eine/n Gsangspartner*in gewünscht, die den Gegenüber-Part übernommen hätte. Wäre sicher grandios gewesen. Aber auch so überzeugt Eva Cassidy auch auf dieser vierten Seite.

 

Wie gesagt, stammen 12 Songs vom zweiten Abend der beiden Konzerte. Der dreizehnte ist eine Studioaufnahme von Pete Seegers Oh, Had I A Golden Thread, die auf Evas Wunsch hier mit drauf genommen wurde, weil es ihr Lieblingssong ist. Und das hört man ihm absolut an. Das Album legt Zeugnis davon ab, welch einzigartige Künstlerin der Welt verloren ging und wer sich für den Grenzbereich zwischen Blues und Jazz begeistern kann, sollte dieses Album spätestens jetzt kennenlernen. Wer noch zweifelt, den sollten diese Aufnahmen überzeugen:

 

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