Eva Eastwood

Well Well Well


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2008

Links:

Eva Eastwood Homepage



Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Well Well Well, Bonnier Music, 2008
Eva EastwoodVocals, Backup Vocals, Guitar
Jesper WihlborgLead Guitar
Rebecca MeiselbachBackup Vocals, Keyboard, Percussion
Robert IvanssonBass, Backup Vocals
Peter DaminDrums, Percussion
Produziert von: Eva Eastwood Länge: 45 Min 48 Sek Medium: CD
01. My, My, My (2:54)07. 21st Century Jesus (3:49)
02. Soaking Up Rays (4:02)08. Instead Of Me (4:29)
03. Boredom (3:07)09. He's In Love (2:41)
04. Unmake U Mine (4:20)10. No Headlines (3:20)
05. Got To Go (3:20)11. A Call (3:14)
06. Ego With Servants (3:53)12. I Wanna Party (3:05)

Die Schwedin Eva Eastwood, nach meinen nicht hundertprozentigen Recherchen weder verwandt noch verschwägert mit einem gewissen Clint E. aus Kalifornien, konnte im Herbst 2008 mittels ihrer CD "Well Well Well" in ihrem Heimatland für einiges Aufsehen sorgen. Direkt hinter METALLICA krachte ihr aktuelles Album in die schwedischen Charts auf den zweiten Platz. Nach acht Wochen und guten Verkäufen war der Spuk wieder vorüber. Da tut sich auch hierzulande die Frage auf, was es mit dieser Dame und ihrer Platte auf sich hat.

1967 im provinziellen Örebro geboren, mit sechs Jahren Halbwaise und gemeinsam mit einem halben Dutzend weiterer Geschwister beim alleinstehenden Vater aufwachsend, da zeigt sich das Leben nicht immer von der Sonnenseite.
Die Musik scheint in Evas Genen zu liegen. Der Vater, selber als Mitglied eines Trios einst durch Schweden tourend, ermutigt sie nach ersten, frühen Eigenkompositonen im Alter von neun Jahren zu weiteren Versuchen. Ihr Bruder Hansa teilt ihre Liebe zur Musik, bringt ihr das Spiel auf dem Piano bei und schenkt seiner Schwester die erste Gitarre.
In den 1980ern spielt Eva in diversen Bands und testet verschiedene Stile. Die 90er zeigen sie vermehrt im Country/Rockabilly-Bereich. Mitte des Jahrzehnts heiratet sie und verbringt einige Zeit in den USA. Dort fällt Eva Eastwood durch ihre songschreiberischen Fähigkeiten auf und bekommt prompt einen Vertrag über fünf Jahre angeboten. Sie zieht allerdings ein Leben in Skandinavien vor. Vorher ändert sie noch ihren richtigen Namen Östlund in Eastwood. Nachdem Eva ihren Job gekündigt hat, plant sie erstmals ernsthaft eine Karriere als Musikerin und arbeitet mit verschiedenen lokalen Musikern an Demos.

Bis 2006 hat sich Eastwood in Schweden einen Namen gemacht. Im gleichen Jahr spielt sie im Vorprogramm von John Fogerty bei dessen Gig in Göteborg. Ein Jahr zuvor hat Eva in ihrer Heimat den Durchbruch geschafft und tritt nun auf großen Country- und Rockabilly Veranstaltungen auf. Alleine Ende 2005 gibt sie mit ihrer Band 21 Konzerte auf einer Weihnachts-Tournee durch Schweden. Zudem sieht man Eastwood jetzt häufiger im skandinavischen Fernsehen.
Mittlerweile bei einem Major-Label (Rival/Bonnier) unter Vertrag, gibt es im Frühjahr 2007 Differenzen mit ihrer Band. Die Musiker wollen mittels ausgedehnter Touren ihre Bankkonten füllen, während Eastwood Wert auf ein Familienleben mit ihren Kindern legt. Folge ist eine Trennung und der weitere Weg als Solistin.

Die heimische Presse beschreibt Eva Eastwoods Musik als eine Mischung aus Siw Malmquist und Gene Vincent. Sie selber zählt auch J.J. Cale zu ihren Einflüssen. Hört man"Well Well Well" allerdings das erste Mal, fällt einem direkt die glatte Produktion auf.
Der Opener My, My, My weckt Erinnerungen an Hits von Shakin' Stevens oder Dave Edmunds in seiner kommerziellen Phase ("D.E.7"; 1982 oder "Information";1983). Soaking Up Rays, Unmake U Mine und Got To Go sind nichts anderes als platteste Schlagermusik mit englischen Texten.
Mit Boredom hat sich allerdings ein satter Rhythm'n'Blueser dazwischen verirrt, welcher Hoffnung auf mehr macht. Tatsächlich gibt es mit Ego With Servants einen waschechten Rocker, bei dem man sich fragt, was der vorher zuweilen verzapfte Mist sollte.

Frau Eastwood hat bis heute, darf man ihrer Homepage Glauben schenken, rund 700 Songs geschrieben. Ein Fundus, aus dem sich schöpfen lässt. Das groovige 21st Century Jesus erinnert angenehm an eine Shania Twain, wenn diese nicht gerade auf dem Schmalz-Trip ist. Zudem haut der Sologitarrist hier vergleichsweise mächtig in die Saiten. Das folgende Instead Of Me, spartanisch mit akustischer Gitarre beginnend, schlägt nach einer guten Minute in einen angenehmen Pop-Rocker um. Der eingängige Track, bei dem Eastwood mit sich selbst im Duett singt, ist ein weiterer Song der Marke "Eva goes Shania".
He's In Love ist nicht ganz so flach, wie es der Titel vermuten lässt. Ein sauber produzierter Mix aus Rock'n'Roll, Country und Pop mit wenigen Ecken und Kanten, welcher sofort ins Ohr geht. Allerdings, die Haltbarkeitsdauer ist eher gering.

Von dem Gedanken an schmutzigen Rockabilly habe ich mich inzwischen verabschiedet. Eva Eastwood, die ausschaut wie eine Schwedin aus dem Bilderbuch, ist kein Vergleich zu den STRAY CATS. "Well Well Well" bietet eher angenehme Hintergrundmusik als eine Grundlage für schweißtreibende Live-Shows. Bestes Beispiel ist das seichte No Headlines, das niemandem weh tun wird.
Mit dem vertrackten A Call folgt ein Track, den ich gar nicht mehr erwartet habe. Schleppender Rhythmus mit wenig Country und einigen Nuancen aus dem Bereich der Alternative Music, rockiger Gitarre und wenig schmeichelnden Chorussen. Eva goes to the dirt, quasi sozusagen. Als ich den Rausschmeißer I Wanna Party um die Lauscher gehauen bekomme, begreife ich langsam gar nichts mehr. Warum erst jetzt? Die überzeugende Melange aus ROLLING STONES und Dan Baird reißt das Album in der Benotung doch um viele Stufen nach oben.

Fazit: Ein Album wie eine Achterbahn. Neben manchen Tiefpunkten doch eine ganze Reihe von Highlights. Antesten ist auf jeden Fall empfohlen!!

Jürgen Ruland, 19.01.09

 

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