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Doominicanes


CD-Review

Reviewdatum: 18.05.2013
Jahr: 2013
Stil: Doom

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Redakteur(e):

Marc Langels


Evangelist
Doominicanes, Doomentia Records, 2013
Produziert von: Evangelist Länge: 44 Min 38 Sek Medium: CD
01. Blood Curse04. To Praise, To Bless, To Preach
02. Pain And Rapture05. Militis Fidelis Deus
03. Deadspeak

Bisher ist Polens Musikszene vor allen Dingen für Death Metal (Beispiele: BEHEMOTH und VADER) oder progressive Klänge (wie RIVERSIDE, AFTER oder QUIDAM) bekannt. Nun schicken sich EVANGELIST an, unseren östlichen Nachbarn auch in der Doom Szene bekannt zu machen. Dabei darf man die Band nicht mit der gleichnamigen Death Metal-Gruppe aus Seattle im US-Bundesstaat Washington verwechseln. Diese EVANGELIST stammen aus Krakau und existieren seit 2008. Aber ansonsten ist nichts über die Band bekannt. Die Musiker sind ähnlich ominös wie es etwa die Schweden von GHOST sind, deren Identität ja auch geheim gehalten wird. Bei EVANGELIST ist noch nicht einmal bekannt, wie viele Musiker denn die Band bilden.

Mit "Doominicanes" legen die Polen ihre zweite LP mit fünf Stücken und dafür beachtlichen 44 Minuten Spielzeit vor. Das Debüt “In Partibus Infidelium“ erschien vor zwei Jahren und sorgte doch schon für beachtliches Aufsehen – wenn auch nicht in solchen Ausmaßen wie etwa GHOST. Auf ihrem neuen Werk bieten die Polen wieder einen stark von BLACK SABBATH (aber am ehesten in der Inkarnation als HEAVEN & HELL) beeinflussten Doom Metal, der sehr zupackend daherkommt. Insbesondere die instrumentale Fraktion weiß zu überzeugen. Der (oder vielleicht die) Gitarrist(en) zelebriert (zelebrieren) seine (ihre) Riffs in einem Tempo, das an langsam näherkommende Lava erinnert, während er (sie) in seinen (ihren) Soli passende melodische Kontrapunkte zu setzen versteht (verstehen). Die Rhythmusfraktion groovt sich wie weiland Butler/Ward durch die Kompositionen.

Damit ist aber auch deutlich, dass EVANGELIST musikalisch eher in die Kategorie der guten bis sehr guten Kopisten gehören. Aber das machen sie immerhin so gut und geschickt, dass die Musik zu keiner Sekunde langweilig wird. Etwas unpassend erscheint mir hingegen auf diesem Werk der Gesang, der ungewöhnlich und übertrieben pathetisch ist. Der Sänger würde fast besser zu einer Melodic Metal Band passen als zu EVANGELIST. Nur hin und wieder trifft er die Atmosphäre wie den Nagel auf den Kopf. Dann erzeugt er aber im Zusammenspiel mit den Instrumenten eine echte Gänsehaut beim Hörer.

Für die Polen ist "Doominicanes" nach dem sehr starken Debüt ein kleiner Rückschritt. Sie zeigen zwar durchaus deutlich ihr Potenzial, müssen aber schon noch ein paar kleinere Korrekturen oder Anpassungen vornehmen, um ihre Möglichkeiten in der Zukunft voll auszuschöpfen. Dies gilt insbesondere für den Gesang. Aber wenn ihnen das gelingt, dann ist mit EVANGELIST wahrlich zu rechnen und dann wird man Polen auch als Land des Doom wahrnehmen.

Marc Langels, 15.05.2013

 

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