Fates Warning

Divided Multitude
The Omega Experiment

Aschaffenburg, Colos-Saal, 07.10.2013

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 13.10.2013
Jahr: 2013
Stil: Progressive Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Fates Warning, Divided Multitude, The Omega Experiment,
Aschaffenburg, Colos-Saal, 07.10.2013

Kaum ist das bärenstarke neue Album "Darkness In A Different Light" auf dem Markt, da begeben sich die amerikanischen Progressive-Metal-Götter FATES WARNING auch schon wieder auf Tournee und besuchen dabei in Deutschland natürlich auch eines ihrer zweiten Wohnzimmer, den Colos-Saal in Aschaffenburg. Der „Club des Jahres 2013“ öffnet seine Pforten an diesem Abend um 19 Uhr, Beginn ist um 20 Uhr. Aber vor den Genuss hat der Gott des Prog an diesem Abend noch eine harte Probe für die Fans parat, vielmehr eigentlich deren zwei in Form der beiden Vorbands.

Den Auftakt machen THE OMEGA EXPERIMENT aus den USA. Dabei hat man im ersten Moment das Gefühl, eine Schüler- beziehungsweise College-Band vor Augen zu haben, so blutjung und noch relativ unbeholfen agieren die fünf Musiker auf der Bühne. Man merkt ihnen einfach ihre Unerfahrenheit noch deutlich an, so wissen sie nicht, wie sie mit dem Publikum umzugehen haben, um es bei Laune zu halten. Aber auch das sperrige Material gekoppelt mit einem arg breiigen Sound machen es der Gruppe schwer, an diesem Abend wirklich zu punkten. Nur wenn THE OMEGA EXPERIMENT Abstriche bei der Komplexität machen, kommt so etwas wie Stimmung auf. Ansonsten sind die rund 120 Besucher, die zu diesem Zeitpunkt im Colos-Saal sind, nicht böse als der Auftritt nach 30 Minuten wieder endet. Aber diese Tour steht für die Band wahrscheinlich ohnehin eher unter der Überschrift „Erfahrungen sammeln“- und dazu gehört auch vor einem weitestgehend desinteressierten Publikum zu bestehen.

Nach einer Rekord-Umbauzeit von lediglich knapp sieben Minuten gehen die Lichter schon wieder aus. Nun betreten die Norweger DIVIDED MULTITUDE die Bühne. Die Skandinavier sind ein ganz anderes Kaliber als noch die Amerikaner. Gegründet bereits Mitte der 1990er Jahre haben die Männer bereits vier Alben veröffentlicht und dadurch auch schon einen gewissen Fundus an möglichen Songs. Auch DIVIDED MULTITUDE dürfen eine halbe Stunde lang ran und versuchen dabei, mit ihrem Power Metal neue Freunde unter den jetzt so wohl 180 Anwesenden zu gewinnen. Dabei agieren sie deutlich souveräner als routinierter. Dabei merkt man aber Sänger Sindre Antonsen an, dass etwas mit seiner Stimme nicht ganz stimmt und er insbesondere mit den hohen und lang gehaltenen Tönen zu kämpfen hat. Aber wie ein echter Profi zieht er das Programm trotzdem durch und wird dabei von seiner Band tatkräftig unterstützt. Die Songs sind solide, bleiben aber nicht wirklich hängen, wenn man sie nicht vorher kannte. So bleibt der Applaus des Publikums am Ende des Auftritts denn auch eher freundlich.

Dann wird es während der gut halbstündigen Umbauphase etwas voller im Colos-Saal aber der altehrwürdige Club ist leider weit davon entfernt wirklich voll zu werden. Das war vor knapp eineinhalb Jahren noch anders gewesen, als FATES WARNING das letzte Mal ihre Visitenkarte hier abgegeben hatten und es wäre auch an diesem Abend gerechtfertigt. Damals waren sicherlich mindestens 100 Gäste mehr da, um Ray Alder, Jim Matheos & Co. zu sehen.

Um 21 Uhr 45 erlischt dann das Licht und eine gefühlt viel zu lange Intro-Musik startet, ehe die Band mit dem Opener des aktuellen Werks One Thousand Fires in ihren Set starten. Aber schon da ist das Staunen der Anwesenden groß: ist Frank Aresti etwa in einen Jungbrunnen gefallen? Und warum stellt man uns den jungen Mann an der zweiten Gitarre nicht vor? Es ist schon erstaunlich, dass es die Band den ganzen Abend nicht erwähnenswert findet, dass der etatmäßige zweite Gitarrist nach Heirat und Umzug nach Kalifornien diese Tournee aussetzt und durch den jungen und noch recht unbekannten Michael Abdow ersetzt wird. Dieser hat schon bereits zwei Solo-CDs herausgebracht und ist nebenbei noch in einigen Bands aktiv, deren Namen mir aber bisher nichts sagen. Aber eines kann man am Ende des Abends sagen: der junge Mann kann wahrlich verdammt gut spielen. Er bringt das ja nun nicht gerade simpel gestrickte Material mit einer Klasse, die einem schon gehörigen Respekt abverlangt und zumindest musikalisch fällt das Fehlen von Aresti mal nicht ins Gewicht. Aber den Grund dafür für die meisten Zuschauer einfach im Dunkeln zu lassen ist – meiner Meinung nach - nicht ganz die feine Art.

Ganz besonders fein ist an diesem Abend aber wieder einmal die Setliste, die FATES WARNING für die Tournee zusammengestellt haben. Nun gut, man muss fast einschränken, dass die Band dabei aber auch fast kaum etwas falsch machen kann, denn wer außer ihr hat einen solch reichen Fundus an Klassikern, Perlen und Schätzen, die es immer wieder neu zu mischen gilt? Dabei muss ich gestehen, ist mir persönlich “A Pleasant Shade Of Gray“ mit gleich drei Teilstücken III, VI und XI deutlich zu stark repräsentiert, zumal die Parts noch aufgeteilt sind. Vielleicht sollte die Band demnächst ein Medley aus den Teilen aufführen, weil das dann auch von der Stimmung, die die Stücke transportieren besser passen würde. Insbesondere wenn man ein neues Album zu bewerben hat, das mit persönlich mit ebenfalls drei Stücken zu wenig Berücksichtigung findet. Ich weiß: gemeckert auf ganz schön hohem Niveau, aber ein unkritisches Abfeiern des Auftritts will ja auch keiner lesen, oder?

Aberr ansonsten lässt die Setlist – mal abgesehen davon, dass wieder keine Songs aus der Frühphase der Band vertreten sind – keine Fan-Wünsche offen. Life In Still Water, One, Another Perfect Day, The Eleventh Hour, Point Of View, Through Different Eyes, Monument und zum krönenden Abschluss Still Remains sind einfach Klassiker im Bereich Progressive Metal und führen zum Teil sogar dazu, dass eine Besucherin nach dem Konzert und kurz vor Mitternacht auf der Straße vor dem Colos-Saal noch eine spontane Zugabe des Refrains von Point Of View gibt. Also haben FATES WARNING in dieser Hinsicht fast alles richtig gemacht.

Nicht ganz so viel Glück haben die Besucher an diesem Abend mit dem Sound. Zum einen ist Joey Veras Bass viel zu dominant im Gesamt-Klangbild der Band und zum anderen verschwindet die Gitarre von Michael Abdow zwischenzeitlich mal nahezu ganz aus dem Erscheinungsbild, so dass seine Soli kaum mehr wahrzunehmen sind. Aber zumindest dieser Umstand wird nach kurzer Zeit wieder korrigiert. Ein großes Lob verdienen sich aber zwei andere Musiker. Da wäre zum einen Frontmann Ray Alder, der die wirklich anspruchsvollen Songs wieder einmal souverän, mit Charisma und voller Inbrunst vorträgt. Das ist man zwar so gewöhnt, es schadet aber auch nicht noch einmal darauf hinzuweisen, was für ein überragender Sänger da am Werk ist. Und das andere Lob gehört Bobby Jarzombek, der mir beim letzten Auftritt im Colos-Saal vor etwa eineinhalb Jahren noch zu unrund und abgehackt spielte, dieses Mal aber alle Songs mit diesem magischen Groove auch in den schrägsten Rhythmen spielt, die zumeist sein Vorgänger Mark Zonder erdacht hatte.

FATES WARNING, das sind einfach fünf herausragende Musiker, die es sich in ihrer schon 30 Jahre andauernden Karriere nie leicht gemacht haben. Aber vielleicht ist es diese kompromisslose Haltung, die ihr Schaffen um so wertvoller macht als dies bei vielen anderen Bands der Fall ist. Und das haben sie an diesem Abend wieder einmal mehr unter Beweis gestellt. Auch wenn das Konzert im Vergleich zu dem vor anderthalb Jahren etwas schwächer war. Das lag neben dem Sound an der Song-Auswahl und deren Platzierung. Dennoch wird auch dieser Abend in sehr guter Erinnerung bleiben, denn all die Kritik ist wahrlich nur auf allerhöchstem Niveau und FATES WARNING haben wieder einmal eine außergewöhnlich gute Leistung an diesem Abend geboten.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Matthias vom Colos-Saal für die freundliche Akkreditierung.

Marc Langels, 07.10.2013

 

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