Edguy

Kottak

Filderstadt, Filharmonie, 04.10.2011


Konzertbericht

Reviewdatum: 01.11.2011
Stil: Heavy Metal

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Edguy, Kottak
Filderstadt, Filharmonie, 04.10.2011

Eine Hand wäscht die andere. Nachdem die SCORPIONS EDGUY als Gäste mit auf ihre Abschiedstournee nahmen, revanchieren sich Toby Samet & Co und liften KOTTAK, die Soloband von Schlagzeuger James Kottak, in ihr Vorprogramm.

Auf ihrem jüngsten Album "Attack" präsentieren sich KOTTAK ziemlich durchschnittlich und unspektakulär, live funktioniert der schmutzige Hardrock mit Punkeinflüssen wesentlich besser. James macht als Fronter eine gute Figur, wirkt spontan und kann den Spaß mit dem er bei der Sache ist dem Publikum gut vermitteln. Gitarristin Stephanie Smith wirbelt ausgelassen über die Bühne und ist ein echter Hingucker. Die ansprechende Präsentation des Quartetts macht die schlichten Songs zwischen GUNS 'N' ROSES und GREEN DAY nicht aufregender, aber für eine knackige Support-Show im Zeichen von motiviertem Gepose und gängiger Rock'n'Roll-Klischees reicht es. Mit Holiday schummelt sich gar ein SCORPIONS-Song ins Set, allerdings in einem rockigen Uptempoarrangement. Schade, dass bei Kottaks Noch-Hauptbetätigungsfeld solche Experimente tabu scheinen.

Verbuchen wir den Gig unter: Musikalisches Fast Food, mit kurzfristigem Unterhaltungswert, das weder Bauchschmerzen verursacht noch nachhaltig beeindruckt.

KOTTAK-Fotostrecke

EDGUY haben über die Jahre durch mitreißende Konzerte und starke Veröffentlichungen eine treue Anhängerschar auf sich eingeschworen. Verlässlich haben die Fans das neue Album kurz nach seinem Erscheinen erworben und der Band mit Platz 3 die bisher höchste Chartsnotierung ihrer Erfolgsgeschichte beschert. Die Nachfrage nach Liveshows ist ungebrochen, auch wenn in Filderstadt ein geringes Restkontingent der Tickets keinen Abnehmer findet.

Nach drei krankheitsbedingt abgesagten und verschobenen Shows steigen EDGUY an diesem Abend wieder in ihre "Age Of The Joker"-Tour ein. Etwaige Befürchtungen Tobi Sammet könnte noch angeschlagen sein sind mit dem forschen Eröffnungsdoppel Nobody's Hero und The Arcane Guild schnell entkräftet. Im Laufe der Show fällt allerdings auf, dass sich der Mittdreißiger, der sonst ohne Punkt und Komma seine Späßchen treibt, verbal merklich zurückhält. Einerseits schade, denn alleine die in Stuttgart üblichen Spitzen des bekennenden Bayern-Fans gegen die Roten aus Bad Cannstatt sind oft schon alleine den Eintritt wert. Andererseits wirken EDGUY durch die gestraffte, ernsthaftere Präsentation erwachsener und seriöser, was kein Fehler ist.

Vom überdimensionalen Backdrop aus wacht der Joker wohlwollend über die Show und visualisiert den musikalischen Schwerpunkt des Abends. Knapp die Hälfte des Sets besteht aus Titeln des neusten Outputs, ergänzt um die am wenigsten verzichtbar erscheinenden Klassiker. Jetzt bloß nicht maulen, denn EDGUY können sich das angesichts des starken, neuen Songmaterials erlauben. Besonders Rock Of Cashel und Robin Hood sind von solcher Güte, dass mittelfristig ein Liveset ohne sie schwer vorstellbar ist. Two Out Of Seven gehört ebenfalls in diese Kategorie, aber leider wird ausgerechnet der Track ausgespart. Vielleicht wäre aber eine weitere fröhlich-beschwingte Nummer neben Lavatory Love Machine und Superheroes ein wenig zu viel des Guten gewesen.

Unterstützt von einer opulenten Lightshow agiert die Band engagiert und spielfreudig. Die langjährige Bühnenerfahrung macht sich bezahlt, aber der Fünfer hat sich das nötige Feuer bewahrt und wirkt lange noch nicht satt oder gar gelangweilt.

Als besondere Showeinlage, durchaus mit einem kleinen, schelmischen Augenzwinkern versehen, erhebt sich bei Superheroes aus dem Mischpultbereich eine futuristische Turmkonstruktion und Toby intoniert die Nummer hoch über den Köpfen des Publikums.

Man kann es drehen und wenden wie man will: EDGUY haben live einfach Klasse und als eine der wenigen deutschen Bands genügen sie mit ihrer Performance auch höheren internationalen Ansprüchen.

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Martin Schneider, 04.10.2011

 

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