Frameshift

An Absence Of Empathy


CD-Review

Reviewdatum: 24.07.2005
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Frameshift
An Absence Of Empathy, ProgRock Records, 2005
Henning Pauly Guitar, Bass, Banjo, Warr Guitar, Piano, Organ, Synthesizer & Percussion
Sebastian Bach Vocals
Eddie Marvin Drums
Gäste:
Jody Ashworth Bass Vocals (I Killed You) & Choir Vocals
Matt Cah, Adam Evers, Michael Sadler, Gwen Sadler, Greck Cannon, Jesse Dutton, Shawn Gordon & Michael Donlon Choir Vocals (Miseducation, Push The Button & Blade)
Produziert von: Henning Pauly Länge: 73 Min 59 Sek Medium: CD
1. Human Grain7. In An Empty Room
2. Just One More8. Outcast
3. Miseducation9. Blade
4. I Killed You10. How Long Can I Resist
5. This Is Gonn Hurt11. When I Look Into My Eyes
6. Push The Button12. What Kind Of Animal

Und noch ein "German Wunderkind" in den USA, diesmal nicht Basketball spielend, sondern im musikalischen Fach tätig.
Henning Pauly wurde in Giessen geboren und ging im Alter von 21 Jahren über den großen Teich um an der Universität von Berkelee unter anderem Komposition zeitgemäßer Musik zu studieren.
Nach seinem Abschluss summa cum laude im Jahre 2000 ist er mittlerweile in Los Angeles beheimatet und ist mit Workaholic eigentlich nur unzureichend beschrieben. So zeigt er für die Werke von CHAIN verantwortlich, komponiert und produziert, schreibt an einer Rock-Oper und legt mit "An Absence Of Empathy" bereits den zweiten Output seines Projektes FRAMESHIFT vor.

Das Ganze kann man getrost als Konzeptalbum bezeichnen, gelegentlich liest man auch den Ausdruck Rock-Musical für das Werk, zieht sich doch die Geschichte eines Mannes wie ein roter Faden durch das Werk, der sich mit allen möglichen Formen menschlicher Gewalt auseinandersetzt: wie und wo diese sich entwickelt, wie sie durch die Medien glorifiziert wird, welche Konsequenzen sich daraus ergeben und letztendlich auch, wie man ihr begegnen kann, indem man nämlich einen noch jungen, unschuldigen Menschen von Beginn an verantwortungsvoll und gewaltfrei erzieht.
Das klingt zunächst einmal etwas abschreckend nach Pädagogen-Rock, aber Pauly hat schon so viel Musik regelrecht in sich aufgesogen (er nennt als Inspiration so unterschiedliche Musiker wie GENESIS, DREAM THEATER, Keith Jarrett, John Williams, Mike Stern, Steve Morse, RUSH, Steve Vai oder MEGADETH) und hat schon mit dermaßen vielen Musikern gearbeitet (immer wieder, wie hier auch, kreuzen z.B. Michael Sadler von SAGA oder Jody Ashworth vom TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA seinen Weg), dass man von ihm etwas Besonderes erwarten darf. Und die Scheibe rockt auch ganz gehörig.

War auf dem ersten Release von FRAMESHIFT noch James LaBrie von DREAM THEATER für den Gesang zuständig, konnte Pauly diesmal den für diesen harten, düsteren Stoff sicherlich geeigneteren Sebastian Bach von SKID ROW gewinnen (übrigens mit Hilfe von LaBrie, das nenne ich doch mal kollegial). Und entgegen erster Befürchtungen erweist sich Bach als gute Wahl und auch durchaus als wandlungsfähig. Zwar geht es bei Human Grain, Just One More und Miseducation mit Volldampf Richtung achtziger Jahre Hardrockklischee, aber mit der Zeit kommen doch auch noch etwas komplexere, differenziertere Songideen zum Tragen. Bei I Killed you treten die dunklen Vocals von Ashworth in reizvollem Kontrast zu Bachs Röhre, es wird zunehmend verzwickter und ausladender, mit dem Höhepunkt in Blade. Da gibt es dann wirklich die große Prog-Metal-Leinwand zu genießen.
Und auch sonst hat das Album nach dem ersten Viertel von aggressiv-metallischen Tönen bis hin zu komplex verschachteltem Prog alles zu bieten, was sich zum Beispiel auch die Fans von Arjen Lucassen oder Devin Townsend gerne zu Gemüte führen. Einzig der Ausklang mit What Kind Of Animal ist mir etwas zu eindimensional balladesk geraten.

Alles in allem ist Henning Pauly mit "An Absence Of Empathy" noch nicht ganz auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt, aber auf dem besten Wege dort hin. Denn wie gesagt, bei einem derartig vielseitig veranlagten Musiker und Komponisten liegt die Messlatte der Erwartungshaltung schon ein wenig höher als sonst.

Ralf Stierlen, 24.07.2005

 

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