Delain

Last Day Here

Frankfurt, Nachtleben, 21.04.2009

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 23.04.2009

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Redakteur(e):

Marc Langels


Delain, Last Day Here,
Frankfurt, Nachtleben, 21.04.2009

Das Nachtleben ist in jüngster Zeit über die Grenzen von Frankfurt hinaus zu einer kleinen Berühmtheit geworden. Nicht nur, weil hier schon Bands wie etwa VOLBEAT am Anfang ihrer Bilderbuch-Karriere ihren Auftritt hatten, sondern weil hier an Ostern 2009 die Sängerin einer deutschlandweit bekannten Girl-Band festgenommen wurde und der Fall groß durch die Presse ging.

Heute Abend jedoch werden keinen Gefangenen sondern nur Freunde gemacht, denn die Niederländer DELAIN machen im Nachtleben Station und die Chancen stehen sehr gut, dass die Gothic Metal-Band eher den Dänen von VOLBEAT nacheifert, als dass sie den Karriereverlauf des ehemaligen Pop-Stars folgen.

Den Anfang machen an diesem Abend aber erst einmal LAST DAY HERE und die Slowenen machen ihre Sache ganz gut. Die Band hat vom Beginn an einen (für eine Support-Band) sehr ordentlichen Sound mit viel Druck, der dem modernen Metal von LAST DAY HERE entgegenkommt. Den fünf Musikern ist die Nervosität zwar durchaus anzumerken, aber gerade Sänger Marko liefert eine überzeugende (Gesangs-)Leistung, animiert das Publikum ständig zum mithüpfen und -klatschen und vergisst vor lauter Freude über die Möglichkeit in Deutschland aufzutreten manchmal, was er eigentlich in seinen Ansagen sagen wollte.

Aber egal, die Band liefert 35 Minuten lang Metal à la KORN, STAIND, DISTURBED oder GODSMACK und weiß damit durchaus zu überzeugen. Auch wenn man damit natürlich nicht auf der selben Wellenlänge wie der Headliner des Abends liegt, spricht die Musik doch einen Großteil der anwesenden Fans an und LAST DAY HERE ernten am Ende (und auch zwischen den einzelnen Songs) ihren verdienten Applaus. Zudem lassen sich die Jungs von ihren (meist weiblichen) Anhängern auch zu einer kleinen Foto-Session gewinnen. Die Slowenen dürften mit ihrem Auftritt einige Besucher dazu gebracht haben, die CD zu erwerben.

Vor ein paar Wochen noch waren DELAIN in Deutschland auf Tour als Support für KAMELOT. Nun statten sie uns schon den nächsten Besuch ab. Dieses Mal haben sich auch ihr neuestes Werk "April Rain" in den Plattenläden stehen (das war bei der KAMELOT-Mini-Tour noch nicht der Fall) und nun als Headliner können Martijn Westerholt, Charlotte Wessels und Band das neue Werk aber auch das Debüt "Lucidity" entsprechend ausgiebig vorstellen. Das tun sie dann auch in ihrem 14 Songs umfassenden Set. Dabei kommen die Songs vom neuen Album im Schnitt besser an, als die vom Erstling, einmal abgesehen von The Gathering.

Trumpfkarte von DELAIN ist neben dem exzellenten Songwriting von Westerholt vor allem Front-Frau Charlotte, die an diesem Abend nicht nur das männliche Publikum mit ihrer Ausstrahlung um den kleinen Finger wickelt. Ganz klar, sie braucht sich in dieser Hinsicht jetzt schon nicht mehr vor anderen Metal-Frontfrauen wie Simone Simons (EPICA) oder Sharon den Adel (WITHIN TEMPTATION) zu verstecken.

Woran sie aber hingegen noch arbeiten muss ist hin und wieder ihr Gesang. An diesem Abend kommt der leider manchmal zu hoch oder etwas zu dünn rüber. Dabei kann man sich manchmal nicht des Eindrucks erwehren, dass Wessels sich selbst trotz "In-Ear-Monitoring" nicht richtig hören kann. Denn an mancher Stelle des sicherlich auch anspruchsvollen Materials presst sie die Stimme teilweise aus der richtigen Lage in eine höhere (so als sei sie der Meinung gewesen, falsch zu singen und durch die versuchte Korrektur gerät sie dann erst in die falsche Tonlage). Aber das ist auch der einzige Kritikpunkt an diesem Abend und die Aussetzer kommen zum Glück auch nicht allzu häufig vor.

Der Rest der Band liefert eine sehr solide und fehlerfreie Leistung ab. Bass (Rob van der Loo) und Schlagzeug (Sander Zoer) spielen sehr tight und machen ordentlich Druck, die Gitarre klingt satt und fett, verliert sich auch nie in Soli sondern setzt lediglich bewusste Akzente. Und die Keyboards legen einen atmosphärischen Teppich mit einzelnen Highlights unter den Metal der Holländer. Dass es sich bei DELAIN um Westerholts Band handelt, würde man von seinem Auftreten nicht vermuten. Im Gegensatz zu anderen Keyboardern, die eine "eigene" Band haben, steht er im Hintergrund und genießt das sichtlich. Aber die gesamte Band ist seit ihrer Gründung offensichtlich zu einer Einheit zusammengewachsen, die auf der Bühne perfekt harmoniert und die Fans zu begeistern weiß.

Zu der allen anzumerkenden Spielfreude kommen dann auch noch die eingängigen Kompositionen. So gute Lieder wie Virtue & Vice, Control The Storm, The Gathering oder aber Pristine (um nur einige zu nennen) haben nicht viele Bands in ihrem Programm. Diese Songs werden zudem mit viel Leidenschaft präsentiert und können auf der Bühne fast 1:1 wie im Studio dargeboten werden. Einzig der markante Gesang von Marco Hietala (NIGHTWISH), der einige DELAIN-Stücke auf den Alben veredelte, wird live nicht umgesetzt. Da würde man sich schon wünschen, dass Gitarrist und Zweit-Sänger Ronald Landa diesen Part übernimmt. Dass er eine sehr taugliche Stimme hat, beweist er bei seinen Background-Einsätzen.

Nach etwa einer Stunde und zehn Minuten ist dann leider schon Schluss und die rund 100 Zuschauer im zu etwa zwei Drittel gefüllten Nachtleben verabschieden DELAIN mit gebührendem Applaus. Anschließend stellt sich die Band noch am Merchandising-Stand für Autogramme und Fotos mit den Fans. Es ist gut möglich, dass man den fünf Holländern bei künftigen Touren nicht mehr so nahe kommt, denn das Potenzial (sowohl was die Songs anbetrifft als auch das musikalische Können) zu einer großen Karriere und entsprechend größeren Hallen ist definitiv vorhanden. So können vielleicht in ein paar Jahren die Besucher des Nachtleben sagen, sie waren damals dabei, als die Band sich ihre ersten Sporen verdiente.

Marc Langels, 21.04.2009

 

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