The Hooters

Dickey Betts

Freiburg, Zeltmusikfestival, 15.07.2008


Konzertbericht

Reviewdatum: 15.07.2008

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Redakteur(e):

Markus Hagner

Steve Braun


Freiburg, Zelt-Musik-Festival, 15.07.2008

Es war der Witz des Jahres: Dickey Betts kommt nach Freiburg, um VOR den HOOTERS aufzutreten - so richtig glauben wollte mir das keiner. Es war ein kurzer Wortwechsel, als wir während des laufenden Konzertes der HOOTERS das Festzelt verließen, der Bände sprach. Eine der Zuhörerinnen vor dem Zelt, die sich die Eintrittskarte offenbar sparen wollte, fragte mich erstaunt, ob die HOOTERS so schlecht seien, das wir die laufende Show verlassen. Ich: "Nöö, wir waren wegen Dickey Betts hier, worauf sie entgegnete: "Ach so, die Vorgruppe!" Die Dame muß aber an meinem entsetzten Gesichtsausdruck gemerkt haben, dass dieser Kommentar irgendwie "suboptimal" war. Verkehrte Welt - Dickey spielte zwar einen 90 Minuten-Set wie die HOOTERS, aber auf den Plakaten und den Eintrittskarten war sein Name nur etwa halb so groß gedruckt wie der Schriftzug des "Headliners". Mein Kollege Markus und ich wollen allerdings gar keinen Zweifel aufkommen lassen, wer an diesem Abend in Freiburg Koch und wer Kellner war.

Womit ich mich überhaupt nicht despektierlich gegenüber den HOOTERS äußern möchte. Diese Band hat in den 80ern mit "One Way Home" ein sehr gutes Album und ein gutes Dutzend Ohrwürmer und Hits geschrieben. Karla With A 'K' und Satellite sind auch heute noch echte Stimmungskanonen, mit der man die Stimmung auf lausigen Partys innerhalb von Sekunden umkrempeln vermag. Allerdings finde ich persönlich den Titel ihres neuen Albums "Time Stand Still" geradezu programmatisch: Die Zeit ist tatsächlich -für die HOOTERS zumindest- stehen geblieben, denn "neu" klingt bei den beiden Eröffnungsnummern von diesem Album nur sehr wenig. Doch davon wird Kollege Markus Hagner nachher berichten.

Widmen wir uns lieber der lebenden Legende Dickey Betts. NOCH lebt er, muss ich bar jeder Häme anfügen, denn sein Lebensstil ist reichlich "on the edge". Immer wieder ist vor dem Konzert von Besuchern zu hören, dass man nicht glaubt, Dickey noch einmal in Deutschland sehen zu können. Sein Output nach seinem Abgang, Rauswurf muss man wohl richtiger sagen, bei den ALLMAN BROTHERS war doch höchst enttäuschend. Gekrönt von dem miserablen Live-Album "Back Where It All Begins", bei dem Dickey musikalisch und stimmlich völlig von der Rolle war und nur von seiner großartigen Band GREAT SOUTHERN vor einer handfesten Blamage bewahrt wurde. Die Skepsis bei mir war groß, als ich hörte, dass Dickey für eine gute Handvoll Shows zu uns nach Deutschland kommt. Die Angst, dass dieser Gig in Freiburg sein Denkmal in meinem Herzen zu Fall bringen könnte, war groß. Allen Unkenrufen zum Trotz, allen Nörglern die Stirn bietend: DICKEY BETTS & GREAT SOUTHERN boten in Freiburg eine sensationelle Show und hinterließen freudestrahlende Die-Hard-Fans!!

Nun hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet, dass Dickey Betts während der gesamten Deutschland-Tour keine Interview-Termine einräumen würde. Umso größer war die Freude, als uns der Tourmanager kurz vor der Show ein paar Minuten mit Dickey in Aussicht stellte. Dass das Interview nach der Show dann letztendlich doch nicht stattfinden konnte, war halb so schlimm. Zu stark waren wir beide euphorisiert von der mitreißenden Performance von GREAT SOUTHERN. Unsere Autogramme haben wir bekommen und ich hatte wenigstens zwei, drei Smalltalk-Minuten mit Andy Aledort, dem dritten Mann in der "Guitar-Army".

Dickey Betts betrat breitbeinig schwankend, wie das seit je her seine Art ist, die Bühne. Die Zeit hat reichlich an seinen Gesichtszügen genagt, doch er war in exzellenter Verfassung und wirkte gut aufgeräumt. Daran ließ er überhaupt keinen Zweifel aufkommen, denn mit einem furiosenStatesboro Blues steigt GREAT SOUTHERN in die Show ein. Aber wer singt denn da? Da sitzt ein Mann an der Hammond B3, der einem Special-Buddy von Dickey nicht nur äußerlich auffallend gleicht, sondern auch noch die Vocals wie eben jener Gregg Allman knödelt. Mike Kach ist in der Southern-Szene nun wahrlich kein Unbekannter. Zunächst war in einigen Line-Ups von MOLLY HATCHET vertreten, dann tourte er mit keinem Geringeren als Stevie Ray Vaughan bei dessen 89/90er "In Step"-Tour, um dann nach SRVs Tod mit DOUBLE TROUBLE zu arbeiten. Auch als Session-Musiker hat er bei zahlreichen Projekten mitgewirkt. Stimmlich ist er -wie gesagt- Gregg Allman recht ähnlich und die Keyboards betätigt er fulminant: Die B3 röhrt bis zum Anschlag verzerrt, während das Piano erfrischend wie Champagner perlt.
Ist es Zufall? Die Besetzung von GREAT SOUTHERN erinnert auffallend an die ABB. Nicht nur Mike Kach, nein, natürlich hat Dickey mit Frankie Lombardi und James Varnado (ein Afro-Ami: Ein Schelm, wer auf bestimmte Gedanken kommt) zwei versierte Drummer und der exquisite Bassist Pedro Avevalo spielt einen knurrigen Bass, ganz im Stil von Barry Oakley. Große Freude bei Markus und mir: der angekündigte Gitarrist Dan Toler ist durch Dickeys Sohnemann Duane Betts ersetzt und der Knabe ist Vaddern nicht nur aus dem Gesicht geschnitten, sondern hat zudem einen Gitarrenton wie der junge Dickey. Der "Slider" in der Truppe ist der mega-coole Andy Aledort, ein Southernman wie aus dem Bilderbuch.DREI Gitarristen, immerhin einer mehr als die ABB - das ist doch schon was .... ;-))

Nach dem Statesboro Blues folgt ein ganz alter Schinken: Nothing You Can Do stammt von Dickey Betts' self-titled Debüt-Album 1977. Die Band groovt ganz cool auf den Double-Drums und die Gitarrenmelodien kommen dreistimmig dargeboten noch viel besser als bei der Studio-Aufnahme. Get Away ist die einzige Nummer jüngeren Datums, erstmals hörte ich diesen Track auf der 2005er GREAT SOUTHERN-Scheibe "Back Where It All Begins". Ein erster umjubelter Höhepunkt ist der Klassiker Blue Sky, minutenlange Jams fackeln in purer Spielfreude auf der Bühne ab und längst ist die Stimmung im Zelt auf dem Siedepunkt. Das vielumjubelte One Way Out setzt dann noch einen obendrauf: Eine knappe halbe Stunde wird auf der groovigen Basis der exzellenten Drummer Lombardi und Varnado gejammt. Jeder darf einmal so richtig zeigen, was er drauf hat.

Leider zeigte Dickey Betts hier seine -auch sowas muß erwähnt werden- schwierige Seite. Das simple Reißen einer Gitarrensaite führte zu einem Wutausbruch der Gitarren-Diva gegenüber seinem Guitar-Tech. Die angereichte Les Paul genügte Dickey nicht - nach ein paar Minuten mußte eine Zweite angetragen werden. Dann paßte ihm der Gitarrenton nicht mehr und der arme Tech mußte zweimal an den Verstärker, um Einstellungen vorzunehmen, für die sich Dickey wohl zu schade war. Als danach die beiden Drummer zu ihren Schlagzeug-Soli kamen, verließ Dickey wutschnaubend, gegen einen imaginären Guitar-Tech tretend, die Bühne - nicht ohne noch einen gewaltigen "Frosch" auf die Bühne zu setzen.
Ich muß zugeben, dass mich diese Aktion peinlich berührt und meine angeheiterte Stimmung zwischenzeitlich erheblich gedämpft hat. Mich ärgert es, wenn sich ein Vollprofi nicht im Griff hat - die Fans sind von weither angereist und haben das Recht auf eine unbeschwerte Show. Dickey Betts haftet das Bad-Boy-Image beständig am Cowboy-Stiefel. So isser halt, es bringt letztendlich wenig, sich über flegelhafte Manieren zu echauffieren .... und immerhin hat GREAT SOUTHERN durch ihr ungerührtes, souveränes Spiel die Situation gerettet.

Es folgten zwei Betts-Songs aus 90er-ABB-Zeiten: No One To Run With und das begeistert aufgenommene Seven Turns, das wie kein zweiter Song geradezu autobiographische Züge Dickeys aufzeigt. MitSouthbound folgte ein weiterer Klassiker, um dann eine flotte, leicht jazzig angehauchte Instrumental-Nummer, True Graffiti, ebenfalls von der 92er "Seven Turns" hinterher zu schieben. Mit Back Where It All Begins endet der 90-minütige Set in wahren Begeisterungsstürmen des Publikums. Als Zugabe kommt dann ein weiterer unvermeidbarer Gassenhauer: Ramblin' Man - zu mehr ist Dickey an diesem Abend nicht zu bewegen.
Nach fast 40 Jahren haben sich natürlich so viele Klassiker angesammelt, dass die unmöglich in einen einzigen Set passen - so habe ich persönlich Jessica und In Memory Of Elizabeth Reed vermisst und auch über einen flippigen Mountain Jam hätte ich mich wie ein Schneekönig gefreut. Die Zeit verging wie im Flug, geradezu euphorisiert verließen wir nach der vierten HOOTERS-Nummer das große Zelt des ZMF.

Dickey Betts kam, sah, siegte .... und legte eine fabelhafte Spielfreude an den Tag. Die widrige Platzierung vor den HOOTERS mag den alten Haudegen sicherlich etwas angefressen haben. Am Ende war die Begeisterung unter den vielleicht 2000 Fans nahezu grenzenlos.
Ein großer Dank an die Organisatoren des Freiburger ZMF, die über mehrere Wochen ein großartiges Programm zusammengestellt hatten. Dickey Betts war für Markus und mich das absolute Highlight des gesamten Festivals.

Steve Braun, 15.07.2008

Als Southern-Man bin ich völlig entzaubert nach solch einem faszinierenden Konzert von Dickey Betts*******. Niemals hätte ich Dickey solch eine Fitness, Spielfreude und Virtuosität im Jahre 2008 zugtraut. Er ist die Südstaaten-Gitarrero-Legende schlichtweg!!! Alle HOOTERS-Fans mögen mir verzeihen, dass ich den Gig beim Zelt-Musik-Festival durch Mr. Betts zunächst als langweilig oute. Was ich aber schon am nächsten Tag bereue, als ich mir RUNRIG beim ZMF ansehe und nach tollem Intro mit donnernden Gitarren ein Fremdkörper, "Bruce Guthro" als Sänger, auf die Bühne kommt und die langweiligste Performance ever darbietet!
Die HOOTERS haben ihren Charme mit dem Folk-Rock und der Lichttechniker ist ein Meister seines Faches, genial wie er die Varility-Lights und Möglichkeiten ausschöpft und kreatives Licht schafft, was zu begeistern weiss*. Der erste Hit folgt als dritter Song mit All You Zombies, der die Fans enchanted und ein weiteres Potpourri aus Hits folgen.
THE HOOTERS sind Musiker mit einem Karma, deren Konzert ich mir nächstes Mal mit Sicherheit komplett ansehen werde, 100% versprochen liebe HOOTERS-Fans! Ich bin nur froh Euch eine stimmungsvolle Foto-Strecke präsentieren zu können.

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