Henrik Freischlader

Geldern, Muddy Waters Saal, 17.11.2012

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Konzertbericht

Reviewdatum: 23.11.2012
Stil: Blues Rock

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Henrik Freischlader,
Geldern, Muddy Waters Saal, 17.11.2012

Wenn's bisher an den Niederhein ging, wählte Henrik Freischlader in den zurückliegenden Jahren in der Regel den Rheinberger Blues-Club "Schwarzer Adler". Doch um weiterhin wertvolle Basisarbeit in Sachen Fan-Kultur zu betreiben, präsentierte sich die Henrik Freischlader Band am vergangenen Samstag im restlos ausverkauften "Muddy Waters Saal" des Culturkreis Gelderland im beschaulichen Geldern. Das Club-Programm des kommenden Jahres (u.a. mit Torbjörn Risager) belegt weiteres Engagement und Fingerspitzengefühl der verantwortlichen Macher.

Der von den Initiatoren des Culturkreises zum Blues-Club umfunktionierte, gutbürgerliche Kneipensaal bietet ca. 230 Zuhörern Platz, die sich zunächst einmal dicht gedrängt und bierselig mit dem lokalen Support-Act Vivian und Daniel anfreundeten. Die zwei blutjungen Musikschüler boten hausgemachten Singer-Songwriter-Stoff, der zwar mit Hingabe vorgetragen wurde, bei einem etwaigen Voice Of Germany Blind Date aber wohl nicht zum großen Sesselkreisen animiert hätte.

Die vierköpfige, altbekannte Freischlader-Band, die sich inzwischen im letzten Drittel ihrer fast dreimonatigen Tournee befindet, wirkte anschließend nicht ganz so taufrisch und enthusiastisch wie gewohnt, überspielte dies aber mit einer über die Jahre erarbeiteten Routine, die darin mündete, dass die Funken, die überlicherweise von der Band in den Saal und umgekehrt sprühen, nicht gerade fortwährend zu Gänsehautmomenten führte. Keine Champions-League Galavorstellung, sondern eher ein normales Bundesliga-Punktspiel, um es mal in der Fußballersprache nachzuzeichnen.
Henriks Sprüche, die stets von ihrer etwas flapsigen Unbekümmertheit leben, fielen nicht immer auf fruchtbaren Boden, so dass Freischlader ironischerweise die Vermutung äußerte, in den vorderen Reihen unterhielte man sich wohl angeregt über den bevorstehenden Einkauf beim Edeka-Markt um die Ecke. In der Folge erstickte der relativ wuchtige, teils bombastische Sound der Band das Geplapper im Keime, so dass sich Freischlader, der meist zwischen seiner Telecaster und Les Paul-Gitarre wechselte und seine Kumpels Theofilos Fotiadis (Bass, Gesang), Moritz Fuhrhop (Hammond, Keyboards) und Björn Krüger (Drums, Gesang) auf ihren eleganten und unwiderstehlichen Groove konzentrieren konnten, der sich u.a. in einem minutenlangen funky Jam-Ausflug durch den Saal fräste. Schüchterne Tanzversuche inbegriffen.

An dieser Stelle taute das Gelderner Publikum so langsam auf und ließ sich mitnehmen auf den urtypischen Freischlader-Weg aus beseelter Härte, atemberaubender Filigranarbeit, federndem Groove und völlig haltlosem Gegniedel, das zum Ende des ersten Sets im Konzertklassiker The Bridge samt Hu-Hu-Animationsteil seinen ersten kleinen Höhepunkt fand.
Glücklicherweise hatten sich die Jungs auf ihr neues, hervorragendes Album "House In The Woods" eingeschossen und bewiesen ihre musikalische Entwicklung und erstaunliche Vielfalt anhand solcher Klasse-Songs wie Nowhere to go; 1999; Sisters; Breaking my heart again; House in the woods; Take the blame und Two young lovers, die auch im Live-Kontext wunderbar funktionierten, bei Teilen des Publikums aber nicht ausschließlich auf ungeteilte Gegenliebe stieß. Da wurde eine alte Peter Green Nummer auch schon mal lauter bejubelt als das eine oder andere Eigengewächs vom "Still Frame Replay" oder "Recorded by Martin Meinschäfer"-Album.

An der unzweifelhaften Klasse der Henrik Freischlader Band wird dieser eher durchwachsene Abend nicht rütteln, zumal ein jeder Langzeit-Fan ganz genau weiß, wozu die Band an richtig guten Abenden fähig ist. Was bleibt ist ein routinierter Arbeitssieg für Freischlader und die Erkenntnis, dass die Tagesform über Glanz und Goria entscheidet und die Vibrationen zwischen Künstler und Publikum nicht immer reibungslos fließen können.

Frank Ipach, 17.11.2012

 

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