Genesis

Live Over Europe 2007


CD-Review

Reviewdatum: 20.12.2007
Jahr: 2007

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Redakteur(e):

Michael Koenig


Live Over Europe 2007, Virgin Records, 2007
Tony Banks Keyboards, Vocals
Phil Collins Vocals, Drums, Percussion
Mike Rutherford Guitar, Bass, Vocals
Daryl Stuermer Guitar, Bass
Chester Thompson Drums, Percussion
Produziert von: Nick Davis Länge: 139 Min 27 Sek Medium: Do-CD
CD 1
01. Duke's Intro07. Hold On My Heart
02. Turn It On Again08. Home By The Sea
03. No Son Of Mine09. Follow You, Follow Me
04. Land Of Confusion10. Firth Of Fifth (Excerpt)
05. Medley: In The Cage, The Cinema Show, Duke's Travels11. I Know What I Like (In Your Wardrobe)
06.Afterglow
CD 2
01. Mama 06. Los Endos
02. Ripples07. Tonight, Tonight, Tonight (Excerpt)
03. Throwing It All Away08. Invisible Touch
04. Domino09. I Can't Dance
05. Conversations With 2 Stools10. Carpet Crawlers

Nachdem er der Band 1996 den Rücken gekehrt hatte, ist PHIL COLLINS Ende 2006 zurückgekehrt und segelt gemeinsam mit TONY BANKS und MIKE RUTHERFORD nun wieder unter dem Banner von GENESIS. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, da die drei frisch wiedervereinigten Herren im Sommer dieses Jahres, natürlich in ganz großem Stil, zu einer Freiluftkonzertreise quer durch Europa aufbrachen. Unterstützen ließen sie sich dabei von ihren bewährten und wohlbekannten Sidekicks DARYL STUERMER und CHESTER THOMPSON. Der Ausflug wird durch diese, inzwischen veröffentlichte, Doppel-CD, welche auf den Namen "Live Over Europe 2007" hört, dokumentiert.

Die 21 Tracks auf den zwei Rundlingen wurden bei den Shows in Manchester, Amsterdam, Helsinki, Hannover, Düsseldorf, Paris, Frankfurt am Main, Prag, Rom, München und London mitgeschnitten. Das Programm berücksichtigt die zwei folgenden Alben aus den Jahren mit PETER GABRIEL und STEVE HACKETT: "Selling England By The Pound" (1973) mit The Cinema Show (Auszug), Firth Of Fifth (Auszug) und I Know What I Like (In Your Wardrobe), "The Lamb Lies Down On Broadway" (1974) mit In The Cage und Carpet Crawlers. Die Zeit ohne GABRIEL wird mit Ripples und Los Endos von "A Trick Of The Tail" (1976), sowie Afterglow von "Wind & Wuthering" (1976) gewürdigt. Dann ging auch HACKETT eigene Wege. Das Hauptaugenmerk liegt letztendlich auf Platten, die BANKS, COLLINS und RUTHERFORD eingespielt haben: ".And Then There Were Three" (1978) mit Follow You, Follow Me, "Duke" (1980) mit Duke's Intro, Turn It On Again und Duke's Travels (Auszug), "Genesis" (1981) mit Home By The Sea/Second Home By The Sea, Mama, "Invisible Touch" (1986) mit Land Of Confusion, Throwing It All Away, Domino (Pt. 1 & 2), Tonight, Tonight, Tonight (Auszug) und Invisible Touch, sowie "We Can't Dance" (1991) mit No Son Of Mine, Hold On My Heart und I Can't Dance.

Dieses Album ist eine wahre Freude für Klangperfektionisten. Der Sound kommt jederzeit glasklar und transparent, d. h. ohrenfreundlich, aus den Boxen. Wüsste man nicht, dass das Werk aus Teilen unterschiedlicher Auftritte besteht, es fiele einem gar nicht auf. Der Fünfer setzt das Material ohne einen einzigen gravierenden Spielfehler und beeindruckend konsequent, ohne dabei jedoch allzu viele Emotionen zu zeigen, um. Fast könnte man meinen, einer Studioproduktion zu lauschen, meldete sich nicht hin und wieder das Publikum. Ab und zu interagiert PHIL COLLINS ein wenig mit den Leuten. Das nimmt aber nicht überhand. Spontaneität geht anders.

GENESIS blicken auf ein immens umfangreiches Schaffen zurück. Das brockt ihnen wohl regelmäßig schon bei der Planung einer Tour das Dilemma ein, dass sie entscheiden müssen, welche Tracks, neben obligatorischen Pophits und einigen Prog-Klassikern, denn nun die Setlist zieren sollen. Alles geht halt nicht. In ganzer Länge schon gleich gar nicht. Inzwischen wissen die Musiker aber zu Genüge aus eigener Erfahrung, dass sie es ohnehin niemals jedem einzelnen Fan recht machen werden können. Diesmal haben sich die Engländer jedenfalls überwiegend für Stücke mit bis zu acht Minuten Spielzeit entschieden. Die Tracks, die länger als acht Minuten dauern, kommen entweder in einem Medley zum Zuge, wie The Cage mit Auszügen aus The Cinema Show und Duke's Travels, oder werden einzeln und nicht vollständig dargeboten. Hier sind Firth Of Fifth und Tonight, Tonight, Tonight zu nennen. Einzig Domino (Pt. 1 & 2) wird voll ausgespielt. Home By The Sea und Second Home By The Sea sind Ausnahmen. Diese beiden Songs werden ganz gebracht, bilden aber eben erst durch Zusammenfassung einen Longtrack.

Conversations With 2 Stools unterbricht den zweiten Teil des Liederreigens ungefähr in der Mitte. Dabei handelt es sich um ein Duett von PHIL COLLINS mit CHESTER THOMPSON, bei dem zwei Hocker, ebenso viele Schlagzeuge und diverses anderes Instrumentarium eingesetzt werden.

GENESIS spielen im wahrsten Sinne des Wortes in der Champions League des Stadion-Pop/Rock. Sie gehen daher, unter anderem, auch mit standesgemäßem Equipment auf Tournee. Das edel gestaltete Booklet vermittelt denjenigen, die nicht live vor Ort sein konnten oder wollten, anhand von Skizzen und zahlreichen Fotos einen recht guten Eindruck von der imposanten Bühnenkonstruktion und der Wahnsinnstechnik, die dahinter steckt.

"Live Over Europe 2007" besticht durch seine Wiedergabe- und Soundqualität. Echtes Konzert-Gefühl kommt jedoch kaum auf. Das Set ist aufwendig gestaltet, schick anzuschauen und macht sich bestimmt gut im CD-Regal.

Vielleicht kriegen PETER GABRIEL und STEVE HACKETT in absehbarer Zeit ja auch wieder Lust auf die Band und vervollständigen das legendärste aller Line-Ups wieder. Das Interesse wäre sicher unvorstellbar. Die Möglichkeiten ebenso. Also lasset uns der Dinge harren, die da noch kommen mögen.

Michael Koenig, 20.12.2007

 

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