Giles

Dancing With Dolores


CD-Review

Reviewdatum: 13.05.2006
Jahr: 2006

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Giles
Dancing With Dolores, Eigenvertrieb, 2006
Mark Koehorst Vocals, Guitars, Keyboards, Bass
Piet Koehorst Bass
Terry Shaughnessy Drums
Jane, Seb & Yasmin Koehorst Backing Vocals
Produziert von: Mark Koehorst Länge: 57 Min 30 Sek Medium: CD
1. Maria Magdalena8. Mind Your Own Damn Business
2. Freedom9. Wanna Come Home, Father
3. Letter To Bush 10. Behind Your Eyes
4. Fallen Angel 11. Just A Shell
5. Dancing With Dolores12. Nutbush City Limits
6. Gypsy Eyes13. Bird On The Wire
7. That's Why14. Yearning

Der Opener des neuen GILES-Albums, "Dancing With Dolores", mag als Richtungsgeber etwas irreführend sein, denn die anfänglich reduzierte und zudem recht konventionelle Slow-Blues-Nummer spiegelt zwar in gewisser Weise den typischen Bodensatz von Mark Koehorsts Musik, aber nicht unbedingt die auch schon auf dem letzten Album ("Blue Funk") vielfältig auftauchenden Exkurse in die nahegelegenen Parallelluniversen, in denen insbesondere Funk- und Pop-Einflüsse eine prominente Rolle spielen.

GILES, oder THE GILES EXPERIENCE wie sie sich nun neuerdings nennen, sind auch 2006 keine reine Blues-Band, das scheint den Herren Koehorst (Sohn Piet spielt Bass) und Terry Shaughnessy (Drums) wohl zu eindimensional. Folgerichtig tauchen auf "Dancing With Dolores" neben den zahlreichen Eigenkompositionen auch vier überraschende Coverversionen auf.
Richie Havens' betagte, aber dennoch lebendige Woodstock-Hymne Freedom peppen GILES mit Latino-Rhythmen und einem SANTANA-Flair auf, der kurze Blick in Jimi Hendrix' Gypsy eyes passiert ziemlich ungezwungen auf einem gefliesten Dancefloor (per Drumcomputerbeats) und bei Ike & Tina Turners Welthit Nutbush City Limits stiefelt der Song in einer enganliegenden Lederhose übers Parkett, und nicht mehr im franseligen Miniröckchen. Das kann sich aber wirklich sehen lassen, weil Koehorst mittels seiner superfetten Robin Trower-inspirierten Wah-Wah-Gitarre in der Tat eine gute Figur abgibt. Einzig Leonard Cohens Bird on a wire zeigt sich etwas flügellahm und droht auf dem Stacheldraht zu verrecken.

Die Koehorst-eigenen Titel sind auch nicht von schlechten Eltern, berufen sich hie und da auf den Urvater Hendrix und verquirlen in typischer GILES-Manier Blues-, Rock- und Funkeinflüsse zu einer spannungsgeladenen Mischung, die mal mehr und mal weniger beindruckend daherkommt. Paradesong dürfte wohl die ätzende Schimpftirade (Letter to Bush) auf Präsident Bush sein, die mit ihrer funkigen RED HOT CHILI PEPPERS-Leichtigkeit die Ernsthaftigkeit der Koehorst'schen Zeilen konterkariert und zu einem unverschämten Ohrwurm mutiert.

Ansonsten besticht "Dancing With Dolores" weiterhin mit sprichwörtlichem Abwechslungsreichtum in Stil und Sound, und macht sich wie schon zuletzt auf "Blue Funk" die technische Seite des Studios zunutze und arbeitet oftmals mit fetten Hall- und Echoräumen, so dass sich Koehorsts Instrument ein ums andere Mal in donnernden Gitarrengewitter entlädt.
Die Rhythmus-Section bleibt auch auf diesem neuen Album über jeden Zweifel erhaben und bildet gemeinsam mit ihrem Leader Koehorst ein nicht ganz so alltägliches Trio. GILES unterstreichen somit erneut ihren Anspruch, eine Combo mit interessanten Konturen zu sein und festigen ihren Ruf als energiegeladenes Trio mit Charisma und Stil.

Frank Ipach, 13.05.2006

 

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