Gotthard

#13

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 22.03.2020
Jahr: 2020
Stil: Hard Rock
Spiellänge: 51:26
Produzent: Paul Lani & Leo Leoni

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Plattenfirma: Nuclear Blast


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

ABBA

Titel
01. Bad News
02. Every Time I Die
03. Missteria
04. 10.000 Faces
05. S.O.S.
06. Another Last Time
07. Better Than Love
 
08. Save The Date
09. Marry You
10. Man On A Mission
11. No Time To Cry
12. I Can Say I‘m Sorry
13. Rescue Me
Musiker Instrument
Nic Maeder Vocals
Leo Leoni Guitars
Freddy Scherer Guitars
Marc Lynn Bass
Guests:
Alex Motta Drums
Eric Bazilian Acoustic Guitar on Marry You
Ernesto Ghezzi Hammond Organ
Paul Lani Hammond Organ and Percussion on Missteria
Matthias Ulmer Strings and Keyboards
Maren El Dsoki, Barbara Comi Background Vocals

Haben wir aktuell nicht schon genug “bad news“? Oder sind schlechte Nachrichten besser, als keine? Nun, Im Falle von GOTTHARD tendiere ich eigentlich zur zweiten Aussage und da ist es auch in Ordnung, wenn sie ihr neues Album mit einem Song namens Bad News eröffnen. Zumal, wenn das bewährte Axt-Schwinger-Duo Leo Leoni/Freddy Scherer dem Titel mit fetten Riffs gleich gehörig in den Arsch tritt.

In bald 30 Jahren ihres Bestehens wundert man sich etwas, dass es sich beim neuen Werk erst um Album “#13“ handeln soll, aber in der Tat ist es das 13. Studioalbum. Bei den ganzen Live- und Best Of-Alben verliert man schonmal die Übersicht.

An Sänger Nic Maeder hab ich mich langsam gewöhnt, auch wenn ich nach wie vor Steve Lee nachtrauere. Jener hätte die Uhrwerk-Power von Every Time I Die sicher gemocht und auch Maeder fühlt sich hier pudelwohl. Kernige Gitarren und treibender Rhythmus, der übrigens nicht vom langjährigen Hena Habegger bestimmt wird, sondern den in Elternzeit weilenden vertritt Alex Motta. Und der macht wahrlich keinen schlechten Job. Tatsächlich hab ich den Eindruck, der verpasst den alten Recken eine kleine Frischzellenkur. Dass einem Missteria so ins Ohr geht, liegt allerdings nicht an seinen “Jungle-Drums“, sondern dem hypnotischen Refrain, mit effektivem, leicht orientalisch angehauchtem Background-Chor. Und natürlich erneut an den fetten Gitarren.

Was sich auch bei 10.000 Faces nicht ändert. Klingt ein bisschen wie eine Mischung aus SCORPIONS und den neueren, härteren Rick Springfield-Alben. Druckvolle Sounds, die mir hier aber nicht zielgerichtet genug sind.

GOTTHARD hatten ja meist ein gutes Händchen für Cover-Versionen. Ich erinnere da an Hush, Mighty Quinn oder Come Together. Diese Tradition wollte man wohl fortsetzen und die vertrauten Töne von ABBAs S.O.S. hat man auch schnell identifiziert. Hm, bringt für mich ein bisschen einen Bruch in den bisher doch ziemlich guten Eindruck des Albums. Klar, die berühmte “Hausfrauen-Fraktion“ kötert man damit, vor allem im Konzert, sicher problemlos, aber beim gestandenen Rocker bleibt die erhoffte Wirkung wohl überwiegend aus. Zeit für den Bierstand.

Da lieber das angeblueste Another Last Time, bei dem ich mir einen etwas engagierteren Vortrag von Maeder gewünscht hätte, dann würde das im Refrain nicht absacken. Denn eigentlich gibt‘s auch hier eine gut rockende Gitarren-Unterfütterung. Ähnlich ergeht es Better Than Love. Grundsätzlich nicht völlig verkehrt und zum Autofahren auch gut geeignet. Trotzdem bisschen zu pop-rockig. Immerhin schönes Twin-Guitar-Solo, mit leichten QUEEN-Anleihen.

Die Riff-Schmiede Leoni/Scherer schaffen es ein ums andere Mal, ansprechende Ideen zu hämmern und spannende Intros zu entwerfen. So beginnt auch Save The Date mit leichtem Boogie-Rhythmus und geilen Gitarren. Um dann wieder in einen etwas zu einschmeichelnden Refrain abzugleiten. Manchmal hat man den Eindruck, die Band traut sich nicht, das Pedal ganz durchzudrücken. Wäre was für die Feuerzeug-Abteilung, wenn es das heutzutage im Konzert noch gäbe.

Gab es auf dem letztjährigen Album, “Defrosted 2“, eine Zusammenarbeit mit Francis Rossi von STATUS QUO, findet sich hier eine Kollaboration mit Eric Bazilian von THE HOOTERS. Dessen Song I Wanna Marry You heißt hier nur Marry You, dafür spielt Bazilian aber höchstpersönlich die Akustikgitarre auf dem Track. Nun, zweifellos eine wunderschöne Ballade, die tief ins Ohr geht und zum gegebenen Anlass ihre Wirkung nicht verfehlen dürfte. Dsa lass ich jetzt einfach mal so stehen…

Schiebt man die Lautstärkeregler anschließend in die angemessene Position, macht sich Man On A Mission gar nicht so schlecht. Der leicht düstere Charakter lockt anscheinend auch Maeder etwas aus der Reserve und die Gitarren klingen ohnehin wieder richtig gut. Kein Geniestreich, aber guter Rock. Jetzt bloß keine Ballade hinterher, wie man beim Intro von No Time To Cry befürchten könnte. Aber Leoni/Scherer werfen der Gesangsmelancholie schnell ein paar brettharte Akkorde zwischen die Beine, sodass sie sich dann doch noch zur passablen Rock-Nummer mausert. Ja, und das Ding kommt auch ganz ins rollen.

Die Power-Ballade kommt dann doch noch in Form von I Can Say I‘m Sorry. Für mich funktioniert die Mischung aus Lagerfeuer-Gitarre und knallharten Gitarren nicht sonderlich gut. Das berühmte nicht Fisch und nicht Fleisch. Da auch der Mitsing-Refrain fehlt, hätte ich da problemlos drauf verzichten können.

Dann lieber das interessanter gestaltete Rescue Me, welches ebenfalls von Akustikgitarren getragen und getrieben wird, aber von den E-Gitarren dann eben entsprechend erweitert/ergänzt wird. Kommt mit diesem Bo Diddley-Beat recht gut und wird sicher auch auf “Defrosted 3“ eine gute Figur machen. Wie man den BLACK SABBATH-Schluss dann hinkriegt, ist deren Problem.

Wollen wir nicht zu überkritisch sein: Nach all den Jahren noch  so ein Album vorlegen zu können, verdient Respekt und Beachtung. Fans der letzten Alben dürfen bedenkenlos zugreifen und der Rest hört sicherheitshalber vorher nochmal rein. Gibt‘s übrigens auch als Vinyl-Ausgabe. Wahlweise in schwarz oder rot.

 

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